Lampertheim

Naturschutzbund Geopark-Wandergruppe hält am Altrhein Ausschau nach Fledermäusen

Lautlose Jäger der Nacht

LAMPERTHEIM.Benja ist der neue Batman. Zumindest für eine Nacht in Lampertheim. Mit großen Augen und einem breiten Grinsen spannt er im schwarz-grauen Fledermaus-Kostüm die Flügel auf. Mit einer Taschenlampe um die Stirn und einer in der Hand leuchtet der Achtjährige vom Geländer der Altrheinbrücke hinunter aufs ruhige, nachtschwarze Wasser. Einen Moment herrscht Stille – dann huscht ein kleines Tier über das Wasser und Benja stößt ein freudiges „Da!“ aus. Da sind sie – die lautlosen Jäger der Nacht.

Scheinbar geräuschlos fliegen die rotbraunen Wesen mit schwarzen Flügeln vorbei, gleiten im Sinkflug über das Wasser und schnappen sich Falter und andere Insekten. Bis zu 5000 Fliegen könnten sie so pro Nacht vertilgen, erklärt Andrea Hartkorn. Benja hat die Vorsitzende des Lampertheimer Naturschutzbundes (Nabu) zu ihrem Assistenten auserkoren, ihm das passende Outfit zum Überstreifen mitgebracht.

Mit neun anderen Teilnehmern beobachtet der Zweitklässler die kleinen Säuger beim Jagen. Und das tun die Fledermäuse absolut unscheinbar. Die meisten Menschen würden sie hier in der Dunkelheit des Biedensand gar nicht wahrnehmen. „Dabei kommunizieren sie sehr wohl“, weiß Hartkorn. „Und zwar mit Fledermausschall!“, ergänzt ihr Assistent. Via Ultraschall verständigen sich die Tiere untereinander, jede Art hat eine eigene Frequenz.

Kinder könnten wegen ihres guten Gehörs manche Arten sogar bei der Verständigung untereinander hören, Jagdlaute seien aber derart im Hochfrequenzbereich, dass sie für den Menschen praktisch nicht wahrnehmbar seien. Dass Fledermäuse nicht nur via Ultraschall reden, sondern auch Beute orten, weiß Benja natürlich schon. Der Achtjährige ist gemeinsam mit seiner Mutter Frederike Strauss und ihrem Freund Michael Gabler aus Lampertheim hier. Von den zehn Teilnehmern kommen einige nicht aus Lampertheim, ein Ehepaar ist aus Weinheim.

Zu Beginn der Veranstaltung gibt es von Andrea Hartkorn, die seit über zehn Jahren Fledermausbeobachtungen leitet, Informationen. 800 Arten gibt es weltweit, bis zu 15 davon leben in und um Lampertheim. Im Forst finden sich beispielsweise großer und kleiner Abendsegler. Am Altrhein sind aber besonders Wasserfledermäuse zu beobachten. Die kleinen Tiere haben eine Flügelspannweite von etwa 25 Zentimetern, dafür aber große Füße, mit denen sie nach Beute schnappen.

Da konnte sogar Benja noch was lernen, obwohl er seine tierischen Gefährten schon von Zuhause kennt. „Nachts fliegen sie immer an meinem Fenster unter dem Dach vorbei“, berichtet er. Auf einer echten Beobachtung mit einer Expertin wie Andrea Hartkorn war er aber noch nie. Die Geopark-vor-Ort-Begleiterin räumte auch gleich mit der Mär von blutsaugenden Dracula-Fledermäusen auf. „Von 800 Arten lecken ganze drei Blut – und die gibt es nicht in Deutschland“, erklärt sie. Für Fledermäuse sei trotz strengem Schutz nach wie vor der Mensch der größte Feind. „Besonders Lebensraumvernichtung und Pestizide machen ihnen zu schaffen“, sagt Hartkorn.

Nach der Theorie macht sich die Gruppe auf die Suche nach den Fledermäusen. Doch wie findet man Tiere, die keine hörbaren Geräusche machen? Dafür hat Hartkorn den sogenannten „Bat-Detektor“ mitgebracht. Den stellt sie exakt auf die Frequenz der gesuchten Art ein – und schon knattert das Gerät. Lange dauert es dann nicht mehr, bis die zehn Teilnehmer den lautlosen Jägern der Nacht fasziniert bei ihrer Arbeit zuschauen.

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