Lampertheim

95 Jahre Hüttenfelder Motorradsammler Ottmar Rhein feiert Geburtstag

Leidenschaft auf zwei Rädern

Archivartikel

Hüttenfeld.Die Garage ist sein Wohnzimmer, sein Sessel eine rund 70 Jahre alte „Triumph“. Sachte dreht Ottmar Rhein am Gasgriff, mit einem kräftigen Tritt röhrt die restaurierte Maschine los. Auch mit 95 Jahren ist der Hüttenfelder noch nicht müde, an seinen Schätzen zu schrauben, seine Sammlung zu pflegen – und sie ab und zu auch auszufahren. Im Stadtteil ist er längst für seine legendäre Zweiradsammlung hinterm Haus bekannt. NSU, Rixe oder eine türkis glänzende Adler – Ottmar Rhein hat sie alle.

Die alten Schmuckstücke, meist aus den 50er Jahren, hat er selbst restauriert. Damit hat sich der heute 95-Jährige einen Lebenstraum erfüllt, dem er lange nachjagen musste. Denn bis er sich seinem Hobby widmen konnte, vergingen viele Jahrzehnte. Das Leben hatte für Ottmar Rhein so manchen Umweg und Schicksalsschlag bereitgehalten. Doch davon ließ er sich nie unterkriegen. Begonnen hat alles 1924 am Standort der heutigen katholischen Kirche, wo er in der Gaststätte „Zur Wildbahn“ zur Welt kam. Seine Bestimmung war früh klar: Zweiradmechaniker. Doch seine Eltern bestimmten für ihren dritten Sohn einen anderen Weg, Ottmar wurde Dreher bei der „Zellstoff“ in Mannheim.

Mehrfach im Krieg verletzt

Auf die Lehrjahre folgten Leidensjahre. „1942, kurz vor meinem 18. Geburtstag wurde ich eingezogen“, erinnert sich der Jubilar. Und auch dort tat Rhein, was er am besten konnte. Als Kradmelder saß er auf zwei Rädern. Mehrfach wurde er verletzt. Noch heute wandert ein kleiner Splitter durch seinen Körper. Beim Rückzug geriet der junge Mann im heutigen Tschechien in Gefangenschaft, kehrte aus Russland erst 1948 zurück. Wohl auch deshalb hat er selbst nie damit gerechnet, mal den 95. Geburtstag zu feiern. Endlich zurück in Hüttenfeld, nahm für ihn dann das persönliche Glück seinen Lauf. „Der Stoppes“, wie man ihn nannte, wurde auf eine junge Frau namens Irmgard aufmerksam – und dann ging alles ganz schnell. 1950 läuteten die Hochzeitsglocken, kurze Zeit später kam der erste Sohn Artur zu Welt. „Ein Vier-Monatskind“, sagt Rhein schmunzelnd. Zwei Jahre später folgte Sohn Gerhard, Nachzügler Horst kam 1960 zur Welt. Inzwischen hat die Familie mehrere Enkel und sogar Urenkel.

Touren mit den Nachkommen

Seit seiner Rente widmet sich der Hüttenfelder seinen Motorrädern. Die Passion dafür hat Ottmar Rhein seinen Nachkommen eingeimpft. Gemeinsam haben sie unzählige Ausfahrten ins In- und Ausland gemacht, mit Enkelsohn Max als „Begleitschutz“ ging es noch vor zwei Jahren nach Gernsheim.

Wer etwas zu reparieren hatte, der brachte es in Hüttenfeld jahrzehntelang zu Ottmar Rhein – egal ob Schlitten, Bügeleisen oder Waschmaschine. Allerdings musste der 95-Jährige auch zwei harte Schläge verkraften. 2014 verlor die Familie Sohn Artur, 2016 Sohn Horst. Im gleichen Jahr kam aber mit Toni der erste Urenkel zur Welt. Neben den Zweirädern frönte Ottmar Rhein lange auch der Musik und dem Fußball. Als flinker Außenstürmer schaffte er es bis in die Kreisauswahl, mit seinen Freunden Hans und Leo spielte er lange Akkordeon im „Hero Trio“. Noch schöner ist es nur, seine alten Maschinen wieder anzuschmeißen. ksm

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