Lampertheim

Corona An den Schulen im Kreis werden die Klassen ab Jahrgang 8 in zwei Gruppen geteilt und im Wechsel vor Ort unterrichtet

Lernen mit mehr Abstand

Archivartikel

Lampertheim.Die Ankündigung von Landrat Christian Engelhardt am Donnerstag, dass die Schüler ab der achten Jahrgangsstufe ab Montag im Hybridmodus unterrichtet werden sollen (wir berichteten), hat in den weiterführenden Schulen für viel Aufregung gesorgt. Zumal die am Freitagmittag immer noch auf die Allgemeinverfügung vom Kreis Bergstraße warteten, in der genauer ausgeführt ist, wie verfahren werden soll.

Klar ist, dass die Klassen ab der 8. halbiert und im Wechsel unterrichtet werden sollen. Die jüngeren Jahrgangsstufen, deren Schüler oft noch in die Betreuung gehen, sind nicht betroffen, um deren Eltern nicht zusätzlich zu belastet. Ab der Achten könnten Kinder auch alleine zu Hause bleiben, sagte der Landrat am Donnerstag. Mit diesem Modell soll in den Schulen wieder für mehr Abstand gesorgt und das Ansteckungsrisiko verringert werden.

„Wir sind darüber sehr froh, denn wir haben ein großes Interesse, dass der Abstand zwischen Schülern und auch zwischen Schülern und Lehrern wieder vergrößert wird“, sagte Sylvia Meier, Rektorin der Alfred-Delp-Schule (ADS) in Lampertheim. Vor allem seit es positive Corona-Fälle an der Schule gegeben hat, sei die Angst wieder gewachsen, sich hier anzustecken, auch wenn das nachweislich nicht der Fall gewesen sei. Viele Eltern hätten Bedenken geäußert, ihre Kinder weiter zum Unterricht zu schicken – gerade in den großen Klassen mit fast 30 Kindern. Das Kollegium sei sehr erleichtert, so Meier. Es sei in den letzten Wochen eine enorme Belastung gewesen, vor so vollen Klassen zu stehen.

Gute Erfahrungen gemacht

In der ADS wurden die Klassenstufen 8 bis 10 nun also in A- und B-Gruppen eingeteilt. Sie werden ab Montag abwechselnd unterrichtet: eine Woche gibt es Präsenzunterricht in der Schule, dann ist eine Woche Homeschooling angesagt. „Wir haben mit diesem Modell und den damit verbundenen kleineren Lerngruppen schon vor den Sommerferien gute Erfahrungen gemacht“, sagt Meier im Gespräch mit dieser Redaktion. Geplant ist, dass die Jugendlichen in der Präsenzwoche nach Stundenplan neuen Stoff lernen und erarbeiten, den sie dann in der Heimphase durch Übungsaufgaben vertiefen. Die Lehrer stehen zu festen Sprechzeiten für Fragen zur Verfügung. Auch Klassenarbeiten sollen in den Präsenzwochen geschrieben werden, in den Nebenfächern denke man über alternative Lernkontrollen nach.

Hybridunterricht in dem Sinne, dass die halbe Klasse den Unterricht live im Schulhaus verfolgt und die andere Hälfte am heimischen PC, ist an der ADS nicht möglich. „Dafür haben wir nicht die technischen Möglichkeiten und es würde auch viele Familien vor Probleme stellen“, sagt die Schulleiterin. Sie hält das jetzt gewählte Modell aber auch für wesentlich sinnvoller und ist überzeugt, dass die Kinder nicht weniger lernen werden. Im Gegenteil: In der einen Woche mit kleinerer Gruppe könne sich keiner unbemerkt zurückziehen und es könne intensiver gearbeitet werden. Die Woche zu Hause könne das Gelernte dann gut nachgearbeitet und vertieft werden.

Laptops werden verteilt

Ginge es nach Meier, würde der Unterricht jetzt bis zu den Weihnachtsferien so laufen. Nur für zwei, drei Wochen macht das in ihren Augen keinen Sinn. Die Kinder, die zu Hause technisch nicht so gut ausgestattet sind, können übrigens über die Schule einen Rechner erhalten. 75 Laptops sind bestellt, die ersten 20 werden derzeit verteilt.

Cornelia Kerkhecker, Leiterin der Nibelungenschule in Hofheim, ist ebenfalls froh, dass der Kreis so entschieden hat, auch wenn an ihrer Grund- und Hauptschule nur zwei Klassen von der Regelung betroffen sind. Die achte Klasse geht in den nächsten beiden Wochen zur Berufsvorbereitung zur Handwerkskammer nach Heppenheim, so dass ab Montag nur die neunte Klasse in den Hybridmodus wechselt. „Wir müssen noch entscheiden, ob wir die Gruppen wochen- oder tageweise abwechselnd kommen lassen“, sagte Kerkhecker am Freitag. An der Nibelungenschule hatte es ebenfalls Corona-Fälle gegeben. Am Mittwoch wurden alle betroffenen Schüler und Lehrer an der Schule getestet. „Das ist sehr gut gelaufen“, berichtet Kerkhecker.

Auch Silke Weimar-Ekdur, Schulleiterin am Lessing-Gymnasium Lampertheim (LGL), begrüßt die Entscheidung des Kreises zum Hybridmodell: „Wir hätten gerne schon nach den Sommerferien in diesem Modus unterrichtet – auch wenn der Unterricht völlig umstrukturiert werden muss.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker überregional