Lampertheim

Bildung 40 hochbegabte Schüler präsentieren Ergebnisse der 16. Ferienakademie im Litauischen Gymnasium

„Lieber hier als in den Ferien“

HÜTTENFELD.Ein großer zweibeiniger Lego-Roboter fährt wie von Geisterhand über einen Flur im Litauischen Gymnasium. Ruckartig kommt er zum Stehen, pendelt von vorne nach hinten und balanciert sich selbst aus. „Go PC, Go PC, nicht von der Linie abkommen!“, feuert ihn der elfjährige Christian vom Michelstädter Gymnasium an. „PC“, das steht nicht für Personal Computer, sondern für die Initialen seiner Schöpfer.

Während Christian mitfiebert, hat Paul an der kleinen Fernsteuerung alles im Griff. Die Nachwuchswissenschaftler haben in der ersten Ferienwoche am Kurs „Lego-Technik“ der Ferienakademie teilgenommen. Am Ende durften die Jungen und Mädchen von der Bergstraße und aus dem Odenwald ihre Roboter Eltern und Schülern aus den anderen drei Workshops „Kreatives Schreiben“, „Magische Mathematik“ und „Geschichte“ vorführen.

Immer auf der Linie lang

Wie kleine Nasa-Ingenieure haben sie mit ihrem Lehrer Robertas Lendraitis vom Litauischen Gymnasium vier Tage lang an den kleinen Maschinen getüftelt, gegrübelt und programmiert. Herausgekommen sind Lego-Sonden, die mit Sensoren selbstständig Linien folgen, skorpionartige Roboter oder jene Zweibeiner, die an den Blockbuster „Transformers“ erinnern und sogar Fußball spielen können. Und das, obwohl die hessischen Sommerferien schon längst begonnen haben.

„Bemerkenswert“, findet das auch Bürgermeister Gottfried Störmer. „Ich wäre wohl nicht freiwillig in den Sommerferien in die Schule und hätte noch ein paar Tage dran gehängt“, sagte er schmunzelnd bei der Abschlusspräsentation. Auch Erster Kreisbeigeordneter Karsten Krug sprach den Schülern seine Bewunderung aus.

Mit stumpfem Schulalltag hat die Ferienakademie des Staatlichen Schulamts allerdings auch wenig gemein. „Ich bin lieber hier als in den Ferien“, bestätigte Roboter-Techniker Christian, „es ist ganz anders als Schule und macht viel mehr Spaß“. Im Kurs Geschichte fanden die Schüler mit Matthias Abendroth heraus, wie Ritter und Mönche gelebt haben, und bastelten Schilde, Helme und Schwerter.

Beim Kreativen Schreiben arbeiteten Nachwuchspoeten mit allen Sinnen und glänzten mit Gedichten über einen Nordseestrand und einsame Inseln. Denkarbeit war in der „Magischen Mathematik“ notwendig, bei der verzwickte Knobelaufgaben gelöst und den Eltern ausgedachte Zahlen entlockt wurden. Das viertägige Programm für Viert- bis Sechstklässler gleicht eher einem Forschungs- und Entdeckerabenteuer abseits von Büffeln und Pauken. „Kreativität und Neugierde sind keine Grenzen gesetzt“, erklärt Organisatorin Eva Melanie Eberhardt vom staatlichen Schulamt.

Einmalig in Hessen

Die Schüler wurden von ihren Schulen wegen herausragender Leistungen vorgeschlagen, durften sich eine Projektgruppe aussuchen. Das Staatliche Schulamt für den Landkreis Bergstraße und Odenwald hat die Akademie zum 16. Mal organisiert, finanziert wird sie mit Unterstützung des Kreises, der Sparkassenstiftung, des Kultusministeriums und eines Elternbeitrags. Eberhardt hob hervor, dass die Akademie nicht selbstverständlich sei, sondern „ein Privileg, weil sie in ganz Hessen einmalig ist“. Das Litauische Gymnasium sei wegen seines großzügigen Campus der ideale Ort. Denn das fachwissenschaftliche Forschen werde durch ein erlebnispädagogisches Freizeitprogramm samt Übernachtung durch ehemalige Schüler ergänzt. „Wie Urlaub in der Schule“, versicherten die Teilnehmer.

Kristin, eines der wenigen Mädchen im Technik-Kurs, war mit ihrer Wahl in der Männerdomäne Lego jedenfalls zufrieden. „So etwas habe ich vorher noch nie gemacht, aber es war toll“, berichtet sie. Und bei Christian ist die Sache ohnehin klar. Der hat seinen Eltern schon die Verpackung gezeigt. Schließlich braucht er bald ein Weihnachtsgeschenk.

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