Lampertheim

Jubiläum Wassersportverein feiert 90-jähriges Bestehen / Langjährige Mitglieder und Sportler geehrt / Vorsitzende Erika Gabler lobt das „herausragende ehrenamtliche Engagement“ seit neun Jahrzehnten

Märchenhafte Erfolge gefeiert und dramatische Zeiten erlebt

LAMPERTHEIM.Von Olympiasiegen, Weltmeistertiteln bis hin zur Vereinsauflösung und der Versteigerung des Bootshauses: Der Wassersportverein (WSV) hat in seiner 90-jährigen Geschichte viele märchenhafte Erfolge gefeiert, aber auch einige Dramen überstanden. Sein Jubiläum hat der WSV nun mit einer großen Fete in der Vereinshalle am Altrhein gefeiert.

Angefangen hat für Lampertheims Vorzeigeverein alles mit einer Hütte aus Weidenholz und Schilf. Kaum hochwassersicher, gründete Adam Krämer seinerzeit den „Arbeiter-Wassersportverein Lampertheim“. Doch bei einer kleinen Hütte blieb es nicht lange, der Verein nahm früh eine rasante Entwicklung. Mit neuen Mitgliedern kam auch eine neue Holzhalle auf Steinsockeln, mit selbstgebauten Rennkajaks nahmen die Lampertheimer nur ein Jahr nach der Vereinsgründung schon an Regatten teil. Bei der Arbeiterolympiade 1931 in Wien gelang dem Lampertheimer Duo Boll-Detroy gar der Sieg.

Doch die Cinderella-Story schien ein abruptes Ende zu nehmen. Nicht einmal vier Jahre nach der Gründung stand der Verein schon wieder vor dem Aus. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der WSV verboten und aufgelöst, das Bootshaus versteigert. Zu Hilfe kam den Wassersportlern ausgerechnet ein anderer Verein: Beim TV Lampertheim konnten die wenigen geretteten Boote untergebracht werden. So war der Wassersportverein gerettet, der Sport lief auf kleiner Flamme weiter.

Eine Geschichte, die auch heute noch sinnbildlich für den Verein steht – arbeitet der WSV doch erfolgreich mit dem benachbarten Kanuclub bei der Nachwuchsarbeit zusammen. Die gemeinsame Kanuakademie haben seitdem zahlreiche Nachwuchssportler durchlaufen, darunter die spätere Olympiasiegerin Nicole Reinhardt. Für das erfolgreiche Wirken in der Nachwuchsarbeit erhielt der Verein auch bei seinem Jubiläumsabend viel Lob. Erster Stadtrat Jens Klingler überbrachte aber nicht nur den Dank der Stadt, sondern auch eine finanziell freudige Botschaft: Der Anteil der Stadt von rund 7500 Euro aus der Sparkassenstiftung soll an den WSV gehen. „Weil die Kanuakademie eine Win-win-Situation für alle ist“, betonte Klingler. Der Verein habe die Möglichkeit, Grundschüler an den Wassersport heranzuführen. Zudem entlaste die Akademie die Stadt bei der Kinderbetreuung.

Der Verein selbst wurde erst nach Kriegsende unter seinem heutigen Namen wieder gegründet. Erster Vorsitzender war Rudolf Griesheimer, 1950 fand die allererste Regatta auf dem heimischen Altrhein statt. Die Mitgliederzahlen wuchsen auf über 300, zwischenzeitlich beheimatete der Verein Abteilungen wie Tischtennis, Motorboot, Gymnastik oder das Carnevalsgremium. Eines aber, betonte die heutige Vorsitzende Erika Gabler, habe den Verein schon immer ausgezeichnet: „Herausragendes ehrenamtliches Engagement“. ksm

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