Lampertheim

Vortrag Prälat Helmut Moll referiert über Schicksale von Frauen und Männern, die sich als Christen gegen die NS-Politik stemmten

Märtyrer auf der Liste des Schreckens

Lampertheim.Das konsequente Bekenntnis zum Christentum galt während der NS-Zeit als Akt des Widerstands. Damit stieg das Risiko für Leib und Leben. Als Glaubenszeugen wurden solche Menschen auch aus dem Bistum Mainz zwischen 1933 und 1945 von den Nazis verfolgt. Um sie ging es in einem Vortrag, von Prälat Helmut Moll, den er aus Anlass der Pater-Delp-Gedenkwoche in der Kirche St. Andreas hielt. Moll ist Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrium des 20. Jahrhunderts. Auch ist der Prälat Autor des Buches „Zeugen für Christus“.

Stärke des Glaubens entscheidend

Der Vortrag begann mit einer Erklärung, unter welchen Prämissen ein Martyrium von der katholischen Kirche anerkannt wird. Drei Kriterien müssen gegeben sein, um als Märtyrer anerkannt zu werden, so der Prälat. Dazu gehören der gewaltsame Tod, das Zeugnis für den Glauben und die Bereitschaft, letztendlich die Konsequenzen für seine Glaubensüberzeugungen zu tragen.

In seinem Buch hat Moll die Forschungsergebnisse zusammengetragen und dokumentiert. Initiiert wurde dieses Bestreben gegen das Vergessen 1994 von Papst Johannes Paul II. Die seither vorangetriebenen Recherchen zu den Opfern sind zu einer festen Institution in der Kirche geworden.

160 Fachleute haben mittlerweile Lebensbilder von 900 katholischen Märtyrern und Märtyrerinnen erarbeitet, wobei sich der Umfang der Nachforschungen nicht nur auf die NS-Zeit beschränkt, sondern auch die Zeiten des Kommunismus, der Missionarszeit und das Martyrium von Frauen und Ordensschwestern der verschiedenen Kongregationen erfasst.

Alleine für die Nazizeit wurden 400 Opfer ermittelt, von denen 250 Priester oder Ordensgeistliche waren. Dazu kamen 100 Laien und Ordensschwestern, führte Helmut Moll die Liste des Schreckens auf. In seinem Vortrag beschränkte sich der Prälat auf die Märtyrer im Bistum Mainz und auf die Zeit der Naziherrschaft.

Mehr als ein Dutzend Einzelschicksale skizzierte Moll und präsentierte die Porträtaufnahmen der Personen. Dadurch entstand bei den Zuhörern eine persönliche Nähe zu den Opfern. Allen gemeinsam sei der feste Glaube und die Erkenntnis gewesen, dass sich Christentum und Faschismus ausschließen. Das hätten sie auch öffentlich kundgetan.

Tod im Konzentrationslager

Aber auch Hilfe für die jüdischen Mitbürger und Zweifel an der Politik in dem Unrechtsstaat der Nazis führten in der damaligen Zeit zu Verhaftung und auch zum Tod in den Konzentrationslagern. Exemplarisch für alle Opfer war Kuno Kamphausen aus Lorsch, der in den Sog der Röhm-Affäre geriet und 1934 ermordet wurde. Beispielhaft ist auch die Geschichte von Ernst Schneider aus Heppenheim. Er habe sich nicht den Mund verbieten lassen, Er wurde 1944 hingerichtet.

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