Lampertheim

Bildung Für die Klassen eins bis drei hat der Präsenzunterricht wieder begonnen / In Hofheim beginnt die Schule schon um 7.20 Uhr

„Manches muss sich einspielen“

Archivartikel

Lampertheim/Hofheim.101 Punkte zieren den Schulhof der Nibelungenschule in Hofheim. Mit dem Film „101 Dalmatiner“ hat dies jedoch nichts zu tun, die Punkte dienen den Schülern als Abstandshilfe. „Die Zahl war Zufall, aber wir finden es lustig. Jedes Kind stellt sich morgens auf einen Punkt und wartet, bis es vom Lehrer abgeholt wird“, erklärt Direktorin Cornelia Kerkhecker. „Beim ersten Mal mussten wir das noch üben, mittlerweile läuft es bei den Kleinen fast besser als bei den Neuntklässlern.“ Die Freude über die Rückkehr an die Schule sei aber bei allen Kinder deutlich spürbar gewesen.

Die Schüler der Grund- und Hauptschule wurden in vier Gruppen aufgeteilt, die zweimal die Woche à vier Stunden kommen. „Der Unterricht beginnt zeitversetzt, die erste Gruppe kommt um 7.20 Uhr, die andere beginnt um 8 Uhr.“ Die Grundschüler hätten jeweils in der ersten bis dritten Stunde oder in der vierten bis sechsten Stunde Präsenzunterricht. „In jedem Block sind das etwa 40 Kinder, die einzelnen Gruppen sind nicht größer als elf Schüler“, so die Direktorin. Jeder Raum der Schule wird jeden Tag nur von einer Gruppe benutzt, danach wird er zum Putzen gesperrt.

„Verwarnungszettel vorbereitet“

Die Abstands- und Hygieneregeln würden von den Kindern sehr ernst genommen. „Wir haben auch Verwarnungszettel, die von den Eltern unterschrieben werden müssen, falls sich jemand nicht daran hält“, betont Kerkhecker. „Bei heftigen Provokationen – wenn zum Beispiel ein Kind ein anderes anspuckt – wird das Kind zuerst verwarnt, beim zweiten Mal nach Hause geschickt.“

Ein Problem hat die Direktorin, da 80 Prozent der Grundschullehrer wegen Alter oder Vorerkrankungen ausfallen. „Zum Glück trägt das jetzt die Hauptschule mit. Erstmalig sind zwei Lehrer von dort in den zweiten Klassen eingesetzt.“ Es sei somit eine Mischung aus Unterricht und Betreuung: „Da, wo der Klassenlehrer zur Verfügung steht, ist es eher Unterricht, wo nicht, eher Betreuung.“ Für die Eltern sei dieses Vorgehen teils schwer zu verstehen gewesen. „Manches muss sich einfach erst einspielen. Wir können nicht alles auf Knopfdruck lösen, die Situation ist auch für uns neu“, wirbt Kerkhecker um Verständnis. Sie weiß auch, dass die sechs Stunden Unterricht in der Woche manchen Eltern zu wenig seien – „da kann man als Elternteil nicht wirklich arbeiten gehen.“

Generell habe aber die Schule einen Sprung nach vorne gemacht: „Die Kollegen waren sehr engagiert. Eine Lehrerin hat sich zum Beispiel um das Schulportal gekümmert, mit dem nun die Hauptschüler anfangen zu arbeiten. Zu normalen Zeiten wäre das nebenher nicht leistbar gewesen“, betont Kerkhecker. Als sehr angenehm empfindet sie die Zusammenarbeit mit dem Schulelternbeirat. „Da findet ein enger Austausch statt. Es ist gut, dass Probleme gleich angesprochen werden, und nicht ,durchs Dorf getrieben werden’.“

Die gute Kommunikation zur Schule hebt auch Anne-Kathrin Luz, Schulelternbeiratsvorsitzende der Nibelungenschule hervor: „Es lief alles sehr gut durch das Miteinander von Kollegium und Elternbeiratsseite.“ Natürlich habe es auch einiges gegeben, was holprig gelaufen sei, aber da sei dann sehr viel kommuniziert worden. „Problematisch war, dass viele der Lehrer zur Risikogruppe gehören. Schließlich war es aber toll, dass die Hauptschullehrer einspringen durften“, betont Luz. Fast alle Eltern hätten verstanden, dass es eine Ausnahmesituation sei und alle die Zähne zusammenbeißen müssten. „Die Anspannung bei den Eltern war aber insgesamt groß. Wo man auch hinhört, sagen alle: Langsam ist auch mal gut“, sagt Luz.

Einmal die Woche sechs Stunden

Auch in der Schillerschule in Lampertheim ist die Freude über den Präsenzunterricht groß. „,Schade, dass nur einmal die Woche Schule ist“, sagen viele Kinder. „Sie haben sich unglaublich auf die Klassenkameraden gefreut“, betont Direktorin Annette Wunder-Schönung. Auch die Lehrer seien sehr froh gewesen, die Schüler wieder zu sehen. „Sie waren auch ein bisschen aufgeregt.“

Die Klassen wurden in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt, die dritte Klasse sogar in drei. „Sie haben einmal die Woche sechs Stunden Unterricht“, so Wunder-Schönung. Maximal neun bis zehn Kinder sind so in einem Raum. Zudem wurde der Schulhof in drei Teile geteilt, damit möglichst wenig Kinder zusammentreffen, Aufstellplätze wurden markiert, auf denen sich die Schüler morgens aufstellen. Der Unterricht ist immer von 8 bis 13.10 Uhr, vorrangig werden die Fächer Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Englisch abgedeckt. „Die Einhaltung der Regeln funktioniert sehr gut“, freut sich die Direktorin.

An jeweils zwei Tagen kommen die Schüler der Pestalozzischule in Lampertheim zum Unterricht. „Montag und Mittwoch die eine Gruppe mit jeweils drei Stunden, am Dienstag und Donnerstag die andere“, erklärt die Schulleiterin Michaela Ohse-Beck. „Wir sind zudem in der glücklichen Lage, die Klassen aufgrund der räumlichen Situation nicht teilen zu müssen.“ Da sie selbst eine erste Klasse unterrichte, habe sie erlebt, wie groß die Freude der Schüler war – trotz des veränderten Unterrichts. „Sie sind wirklich glücklich, wieder zwei Tage an der Schule sein zu können.“

Auf dem Stundenplan stehen Mathe, Deutsch und Sachunterricht. Zwei Stunden seien zusätzlich für Förderunterricht vorgesehen, für diejenigen, die zusätzliche Unterstützung benötigen. „Wir haben auch die vergangenen Wochen sehr engmaschig die Aufgaben, die die Kinder daheim erledigt haben, korrigiert. Es war mir sehr wichtig, dass Schüler und Eltern zeitnah eine Rückmeldung bekommen.“

„Daneben nehmen wir uns auch die Zeit, mit den Kindern über die vergangenen Wochen zu sprechen“, erzählt Ohse-Beck. Die Rückmeldungen seien positiv gewesen. „Wir haben die glückliche Lage, dass die Eltern hauptsächlich im Homeoffice gearbeitet haben.“ Das sei aber für diese auch eine sehr belastende Situation gewesen. „Trotzdem waren die Rückmeldungen, wie wir die Kinder versorgen, fast nur positiv“, betont die Direktorin.

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