Lampertheim

Freizeit CCRW-Ehrenpräsidentin prägt seit 50 Jahren die Fastnacht und blickt als „Teenager-Spätlese“ optimistisch in die Zukunft

Margit Selb feiert närrisches Jubiläum

Archivartikel

Lampertheim.„Ich bin dankbar für jedes Jahr in der Fastnacht“, so Margit Selb, Ehrenpräsidentin des 1. Carneval Clubs Rot-Weiß (CCRW), aus tiefster Seele und voller Tatendrang. In dieser Kampagne feiert sie ihr 50-jähriges närrisches Jubiläum – und blickt mehr als zufrieden auf die Entwicklung des Clubs zurück: „Heute gibt uns der Erfolg Recht.“

Der Weg zum Erfolg sei manchmal alles andere als einfach gewesen. „Es gab auch im CCRW Höhen und Tiefen“, erinnert sich Selb. Zum Carneval-Club kam sie durch ihre Tochter Ilonka. Mit ihrem kleinen Mädchen sei sie damals zum Kindermaskenball in den Reichsadler gegangen. Der Tanz der Minigarde hatte Ilonka fasziniert und schon stand fest, dass sie auch in der Formation mittanzen möchte.

„So hat alles begonnen, wir haben uns im Carneval Club angemeldet“, berichtet Margit Selb. Damals seien schon Ulla Herweck und Gabi Strubel dort gewesen, die dem CCRW die Treue gehalten haben. Horst Aßmus hatte ab dem Jahr 1970 und Franz Kleber ab dem Jahr 1972 den Vereinsvorsitz. Außerdem übte Aßmus bis 1972 das Amt des Sitzungspräsidenten aus. Die Männer ermunterten Selb, im Vereinsleben aktiv mitzumachen. So trainierte und leitete die junge Fastnachterin die Garde und nähte gemeinsam mit Erika Günderoth die Uniformen. „Überhaupt haben die Vereinsmitglieder zusammengehalten und angepackt, wo es ging“, blickt Selb zurück und betont: „Es war einfach schön!“

1975 gründete das Damenkomitee die Gruppe „Die Tchitcherinies“. „Für die Auftritte haben wir uns die Klickerwasserdrosseln genannt“, erinnert sich die Fastnachterin lachend und ergänzt: „Wir waren eine sehr bekannte Gruppe. Wir haben Lieder umgedichtet und die Hautevolee von Lampertheim humorvoll auf die Schippe genommen.“

Bevor das Clubheim im Sandtorferweg 1975 gebaut wurde, trafen sich die Karnevalisten in einem Häuschen im Hinterhof der Ersten Neugasse. In der Kampagne 1977/78 regierte Margit Selb mit ihrem damaligen Ehemann Bernd als Margit I. und Bernd I.. In jeder Kampagne wurde eine neue Prinzessin inthronisiert und in jedem elften Jahr ein Prinzenpaar.

Im Jahr 1978 begann die Freundschaft mit dem belgischen Verein t´Folkloorke, die bis zum heutigen Tag gepflegt wird. Federführend für die freundschaftliche Beziehung waren Margit Selb und der ehemalige Prinz Helmut Emich. „Auf der Bühne haben wir während der Fastnachtsveranstaltungen alles gemacht, was das Narren-Genre hergibt“, erklärt die Vollblutkarnevalistin. Ob in der Bütt als Witze-Erzählerin oder als Katrin im Zwiegespräch mit Lisbeth (Ilonka Grosch). Noch heute schlüpft Margit Selb gerne in andere Rollen und ist sich für den Klamauk nicht zu schade.

Im Jahr 1987 hieß es für die leidenschaftliche Fastnachterin, vorübergehend von der Spargelstadt Abschied zu nehmen. Aus beruflichen Gründen zog die gelernte Krankenschwester nach Hannover. „In der Fastnachtszeit bin ich jedoch jede Woche nach Lampertheim gekommen und nach zehn Jahren ganz zurückgekehrt, weil der CCRW Hilfe benötigte“, berichtet Selb. Sie wurde in einer Generalversammlung zur Sitzungspräsidentin gewählt und übernahm die Kampagnen 1997 bis 2006 und später von 2008 bis 2012. Das Amt der Ersten Vorsitzenden übte sie von 2002 bis 2011 aus.

Die Ämter hat sie 2012 an die jungen Fastnachter abgegeben und wurde zur Ehrenpräsidentin ernannt. Von der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine erhielt sie die hohen karnevalistischen Auszeichnungen „Goldener Löwe“ und „Goldener Löwe mit Brillanten“. Jahrelang hat Selb die Fertigung der Kampagnen-Heftchen in die Hand genommen. Mit Stolz spricht sie über das Wiederaufleben der Straßenfastnacht. Ein Garant für Stimmung ist sie auch als Moderatorin des närrischen Lindwurmes. „Die Fastnacht ist geballte Arbeit“, bekräftigt Selb. Und darum müsse ein Karnevalist Disziplin und Ausdauer mitbringen und das Narren-Team zusammenhalten.

Für die Zukunft hegt die „Teenager-Spätlese“, wie sie sich humorvoll selbst nennt, den Wunsch, dass auf dem Schillerplatz eine kleine Kampagnen-Eröffnungsfeier am 11.11. durchgeführt wird. „Wir müssen nicht nach Köln und Düsseldorf fahren“, findet Margit Selb.

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