Lampertheim

Corona-Krise Am Montag öffnet dritte Kitagruppe für die Notbetreuung von Kindern, deren Eltern in strukturwichtigen Berufen arbeiten

Maximal nur noch fünf Kinder

Archivartikel

Lampertheim.Seit einer Woche sind viele Familien auch in Lampertheim im Krisenmodus. Seit vergangenem Montag sind die Kinderbetreuungseinrichtungen in Hessen nur noch für Mädchen und Jungen geöffnet, deren Elternteile beide in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind. Dazu zählen beispielsweise Pflegekräfte, Mediziner, Polizisten und Rettungskräfte. Die Liste wurde am Ende der vergangenen Woche noch einmal überarbeitet und auch um Leute ergänzt, die beispielsweise im Lebensmittel-Einzelhandel oder in der Kinderbetreuung tätig sind. Für Kinder dieser Berufsgruppen wird eine Notbetreuung angeboten – auch in Lampertheim.

Die Situation stellt alle Betroffenen vor große Probleme. Eltern, die weiterhin zur Arbeit gehen, aber eben nicht zu den Ausnahme-Berufsgruppen gehören, müssen eine alternative Betreuung für ihre Kita- oder Grundschulkinder organisieren. Und die, die zu Hause arbeiten können, müssen Job und Kinder unter einen Hut bekommen.

Anfang der vergangenen Woche wurde zunächst nur eine Notgruppe in der Kita Guldenweg angeboten. Im Laufe der Woche kam eine Gruppe in der Kita Farbenfroh an der Ringstraße dazu. Hier wurden in der vergangenen Woche jeweils sieben Kinder betreut, wie Erster Stadtrat Jens Klingler, der für die Kinderbetreuung zuständig ist, im Gespräch mit dieser Redaktion erläutert. Zehn wären pro Einrichtung erlaubt gewesen. Diese Vorgaben sind am Freitag durch die Landesregierung noch einmal verschärft worden. Jetzt sollen maximal fünf Kinder gemeinsam betreut werden. Deswegen öffnet laut Klingler ab Montag auch die Kita Am Graben der evangelischen Lukasgemeinde für eine Notbetreuung.

Dorothee Beth, Vorsitzende des Stadtelternbeirats, könnte für ihre beiden vier und neun Jahre alten Söhne die Notbetreuung in Anspruch nehmen, weil sie als Kinderärztin und ihr Mann als Richter in strukturwichtigen Berufen tätig sind und weiter arbeiten sollen. Doch begeistert ist die 42-Jährige von der praktizierten Regelung nicht. Beth kritisiert, dass nicht jede Kita geöffnet ist und ihre Kinder betreut, die kommen dürfen. Dies sei in der ersten Verordnung des Landes eigentlich so vorgesehen gewesen, sagt sie. „Ich weiß nicht, warum die Stadt das nicht auch so umsetzt.“ Das wäre auch aus Aspekten hinsichtlich des Infektionsschutzes viel sinnvoller, findet die Kinderärztin.

„Wir möchten unseren Vierjährigen nicht so gern in eine ihm völlig fremde Kita mit ihm nicht bekannten, wechselnden Erzieherinnen geben“, äußert Beth ihre persönlichen Bedenken. Deswegen versucht die Familie, die Betreuung anders zu organisieren. Doch das ist kein leichtes Unterfangen, zumal sie auf den Einsatz der Großeltern aus gegebener Vorsicht verzichten. „Sonst sind die bei uns gut in die Kinderbetreuung eingebunden“, sagt Beth.

Auf die Kritik, warum nicht jede Kita geöffnet wird, erwidert Stadtrat Klingler, dass die Stadt die Verordnung so umgesetzt habe, wie das zwischen dem Landrat und den Bürgermeistern abgesprochen worden sei. Es sei nicht möglich, den Betrieb in allen Einrichtungen aufrecht zu erhalten – um vielleicht jeweils nur ein oder zwei Kinder zu betreuen. Denn auch viele Erzieherinnen konnten in der vergangenen Woche nicht zur Arbeit erscheinen, weil sie selbst Kinder haben und noch nicht zu den Ausnahme-Berufsgruppen gehörten. Das hat sich nun geändert. Andere sind auch aus Sicherheitsgründen zu Hause geblieben, um mögliche Ansteckungen zu verhindern und um auch langfristig den Notbetrieb gewährleisten zu können.

„Ist eine Notsituation“

Klingler weiß, dass den Familien derzeit viel abverlangt wird und dass sich gerade Eltern von Krippenkindern mit der angebotenen Lösung schwertun. „Aber eine optimale, völlig widerspruchsfreie Lösung ist unter den jetzigen Umständen nicht möglich“, sagt er. „Es ist eine Notsituation, das sollten alle zur Kenntnis nehmen.“ In der ersten Woche war der Bedarf an den Notbetreuungsplätzen auch noch sehr übersichtlich. An den Grundschulen (Schiller- und Goetheschule) wurden laut Klingler jeweils drei Kinder betreut.

Ob die Nachfrage aufgrund der erweiterten Berufsgruppen oder auch im Laufe der Zeit steigen wird, wird sich zeigen. Klagen oder Beschwerden über die Regelungen sind in der vergangenen Woche aber weder beim Stadtrat noch beim Stadtelternbeirat angekommen. „Ich weiß nicht, ob alle Eltern so zufrieden sind. Wir sind noch in der Anfangsphase, da können sich viele sicher noch anderweitig behelfen“, meint Beth. Man müsse abwarten, wie sich die gesamte Krise weiter entwickelt.

Die politischen Gremien der Stadt beraten unterdessen eine mögliche Aussetzung der Kita-Gebühren. Dies hat die Stadtverwaltung am Freitag mitgeteilt. „Wir gehen davon aus, dass wir bis nächste Woche eine entsprechende Entscheidung haben“, sagte Bürgermeister Gottfried Störmer. Für die von der Stadtverwaltung eingerichteten Notdienstbetreuungen während des Betretungsverbotes für Kindertagesstätten fallen keine Extrakosten an.

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