Lampertheim

Theologischer Salon Diskussion über den Begriff Heimat

Mehr als Lederhosen und Kindheitserinnerungen

Lampertheim.Was bedeutet eigentlich Heimat? Sind es vertraute Menschen, die gemeinsame Sprache, Gefühle und Gerüche? Sind es Omas Dampfnudeln, das Glockenläuten vom Kirchturm oder der Anblick der Römerstraße? Über diese Frage tauschten sich diesmal die Besucher beim Theologischen Salon aus mit dem Titel "Heimat - kein Thema für Angsthasen".

Die Tafelrunde im Pfarrhaus-Ost bei Sabine Sauerwein war wieder voll besetzt. Durch den Abend führte Gemeindepädagogin Birgit Ruoff. Lange habe man mit dem "Heimatgedöns" nichts mehr anfangen können, begann sie. Heute beobachte sie hingegen verstärkt, dass viele Jugendliche wieder mit Begeisterung in Lederhosen das Oktoberfest besuchten. Dennoch, so versicherte sie schmunzelnd, wolle sie an diesem Abend nicht mit den Anwesenden das Jodeln erlernen, um das Heimatgefühl zu stärken.

Zum Auftakt bat sie vielmehr alle Teilnehmer, sich eine der ausgelegten Postkarten auszusuchen, die man spontan mit dem Begriff "Heimat" verbinde. Bei den Erläuterungen, wieso man sich für ein bestimmtes Bild entschieden hatte, traten teilweise sehr persönliche Gefühle oder Kindheitserinnerungen zutage. Zumeist war der Begriff "Heimat" sehr positiv besetzt. Doch ein Anwesender beschrieb auch, wie unwillkommen er sich als Geflohener im Zweiten Weltkrieg in der neuen Heimat gefühlt habe.

Thema auch in der Bibel

Dieses Thema habe wieder besondere Aktualität, erinnerte Birgit Ruoff. Dem Kommen der großen Anzahl an Flüchtlingen 2015 hätten auch viele Deutsche sehr skeptisch entgegengeblickt und ihre eigene Identität mit den Traditionen in Gefahr gesehen. Damals sei auch bei ihr selbst die Idee zu diesem Heimat-Abend entstanden.

Beheimatet könne man sich aber auch in der Kirchengemeinde fühlen oder generell im christlichen Glauben. Dies kam ebenfalls bei der Diskussion zum Ausdruck. Auch in der Bibel spiele die Heimat schließlich eine große Rolle.

Eingeengter Blick

Im Alten Testament müssten immer wieder Menschen ihre vertraute Umgebung verlassen, oft für viele Jahre oder sogar für immer. Kaum im Paradies, würden Adam und Eva schließlich wieder vor die Tür gesetzt. Auch Abraham sei viele Jahre seines langen Lebens unterwegs gewesen. Andere hingegen verließen freudig ihr bisheriges Leben in Ägypten und machten sich auf die Suche nach dem gelobten Land. Jesus wiederum verheiße den Menschen eine himmlische Heimat. "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen", sagt er im Johannesevangelium.

Die Bibel, so gab Pfarrerin Sabine Sauerwein zu bedenken, weise aber auch darauf hin, dass es manchmal gar nicht so gut sei, zu sehr an Bekanntem und Althergebrachtem zu hängen. Wenn man sich irgendwo zu sehr gemütlich eingerichtet habe, enge dies den Blick auf das Wesentliche ein.

Auch Birgit Ruoff ermunterte dazu, manchmal bekannte Wege zu verlassen und etwas Neues zu wagen. Gottes Segen sei dabei immer mit den Menschen.

Sie hatte auch zwei Lieder mitgebracht, die gut zum Thema passten. Während das bisher wenig bekannte "Du bist da" (nach Psalm 139) eher verhalten mitgesungen wurde, stimmten beim Schlusslied "Da berühren sich Himmel und Erde" hingegen alle ein. Ja

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