Lampertheim

Nahverkehr Eltern von Schülern besorgt über Gedränge in Fahrzeugen / Stadt und Kreis wollen reagieren

Mehr Busse nach den Ferien

Archivartikel

Lampertheim.Über volle Busse klagen Eltern von Schülern in Lampertheim. Der Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft Verkehr und Tourismus Lampertheim (VTL), Bernd Isenhardt, bekommt es vor allem mit Ängsten im Zusammenhang mit der Infektionsgefahr in den Schulbussen zu tun.

Isenhardt hat die Lage in den Fahrzeugen morgens an drei Werktagen überprüfen lassen. Betroffen ist die Linie 601 zwischen Rosengarten und Lampertheim. Das Ergebnis: Im Bus sind rund 50 Sitzplätze vorhanden. Knapp 20 Schüler müssen einen Stehplatz in Kauf nehmen. Würden sich die Schüler im Gang zwischen den Sitzreihen besser verteilen, könnten größere Abstände eingehalten werden, so die Beobachtung des VTL-Chefs.

Umsteigen auf Linie 644

Obendrein könnten die Jugendlichen auf die vom Kreis betriebene Regionalbuslinie 644 umsteigen, die einige Minuten früher als die 601 von Rosengarten abfährt. Der Kreistag hat in seiner Sitzung am 21. September ferner beschlossen, dass für die Schülerbeförderung aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation zusätzliche Reisebusse eingesetzt werden. Davon profitieren würde auch die Linie 644.

Gleichwohl denkt der Lampertheimer VTL-Geschäftsführer darüber nach, auch die Linie 601 nach den Herbstferien durch zusätzliche Busse zu verstärken, wie Isenhardt im Gespräch mit dieser Redaktion erläutert. Die Ängste von Eltern in Zeiten von Corona will er nicht auf die leichte Schulter nehmen. Er habe „zu hundert Prozent“ Verständnis für deren Sorgen. Die Frage laute jedoch: „Wer soll das bezahlen?“ Laut Isenhardt kostet ein zusätzlicher Bus zwischen Rosengarten und Lampertheim rund 30 000 Euro im Jahr. Seitens des VTL-Aufsichtsrats wurden die Mehrkosten für diesen Bus auf der Linie 601 aber bereits genehmigt.

Zwar stehe der Kreis Bergstraße als Aufgabenträger in der Pflicht, die Schülertransporte zu regeln, aber nicht für Städte wie Lampertheim. Die Lampertheimer Gesellschaft VTL trägt auf ihren eigenen Linien denn auch die Kosten für die Schülerbeförderung. Zusätzlich aber wird die Stadt über die Kreisumlage an den Kosten für die Regionalbuslinien beteiligt. Würde der Kreis mit Blick auf die Pandemie die für das gesamte Kreisgebiet errechneten zusätzlichen 30 Busse einsetzen, entstünden jährliche Mehrkosten in Höhe von vier Millionen Euro, die die Kommunen über die Kreisumlage mitzufinanzieren hätten, rechnet Isenhardt vor. Auf diese Weise würde eine Stadt wie Lampertheim in zweifacher Weise an den Schülerbeförderungskosten beteiligt. Hierin sieht der VTL-Geschäftsführer die „Frage der Finanzgerechtigkeit“ berührt.

Dennoch muss Isenhardt seine Bedenken hintanstellen. Was nützt das Fingerhakeln zwischen Kreis und Kommunen über ausgewogene Finanzierungsmodelle, wenn Eltern ihre Kinder inzwischen wieder verstärkt mit dem eigenen Auto in die Schule führen, anstatt sie in den Schülerbus zu setzen? Damit werde der klimaschonende Effekt des öffentlichen Nahverkehrs außer Kraft gesetzt. Außerdem: „Der Schüler von heute ist mein späterer Kunde“, sagt der Geschäftsmann in Sachen Nahverkehr. Auch deshalb will er es sich mit dem Bus fahrenden Nachwuchs nicht verscherzen.

Dass die Transportkosten in den kommenden Jahren steigen werden, ist aus seiner Sicht ausgemacht. Auch eine Neuausschreibung des Nahverkehrs – die Konzession des Bibliser Busunternehmens Müller läuft spätestens Ende 2025 aus – wird nach Isenhardts Einschätzung mit einer Anpassung der Vergütungssätze für die Busfahrten die Ausgaben kräftig in die Höhe treiben.

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