Lampertheim

Gut fürs Klima Auf dem Lampertheimer Waldfriedhof geht der Trend zu mehr Wiese, bienenfreundlichen Blumen und weniger Rasen

Mehr Natur auf dem Friedhof

Archivartikel

Lampertheim.Eines der sensibelsten Themen, die die Gesellschaft hat, sei das Thema Friedhof, meint Sabine Vilgis, Leiterin der Technischen Betriebsdienste und der Grünflächenplanung in Lampertheim. Und: „Jeder hat da seinen eigenen Geschmack.“ Dennoch ist auf den Lampertheimer Friedhöfen ein klarer Trend erkennbar – und der geht hin zu mehr Natur.

Mehr Wiese und weniger Rasen auf dem Friedhof, das sei nicht nur eine Arbeitserleichterung für den verantwortlichen Gärtnermeister Thomas Schramm und seine Mitarbeiter, sondern auch ein Beitrag zum Bienen- und Insektenschutz“, erklärt Sabine Vilgis.

Schramm, mit acht Mitarbeitern zuständig für die Pflege der Friedhöfe und für rund 360 Bestattungen im Jahr, freut es, „dass sich die Gesellschaft gerade wandelt“ und Klimaschutz in aller Munde sei. Immer weniger Menschen entschieden sich für die vor einigen Jahren noch sehr beliebten Rasengräber. Das mag zum einen am Preis liegen, der rund 40 Prozent über dem von Erd- und Urnengräbern liegt, zum anderen aber auch daran, dass es alternative Grabgestaltungsmöglichkeiten gibt.

Damit der Pflegeaufwand überschaubar bleibt, sei eine standortgerechte Pflanzenauswahl das A und O, betont Schramm. So eigne sich der Deutschen liebste Balkonpflanze, die Geranie, überhaupt nicht für den Lampertheimer Sandboden. Davon abgesehen hielten auch die Bienen nicht viel von Geranien, weil sie ihnen keinen Nektar bieten. Der Fachmann empfiehlt stattdessen niedrige Astern, Sonnenhut oder Fetthenne. „Diese Sorten sind dauerhaft und somit auch billiger“, ergänzt er. Eine andere Möglichkeit: Thymian. Vorteil: Er verströmt einen angenehmen Duft und gedeiht auch im Schatten.

Anders als früher kommen Menschen heute nicht mehr so oft auf den Friedhof. Schramm und Vilgis haben Verständnis dafür. Häufig wohnten Angehörige einfach zu weit weg, um sich um ein Grab kümmern zu können. Ihre Erwartungen sind dementsprechend gar nicht hoch. „Alles, was den Boden nicht versiegelt, ist schon mal gut“, sagt Vilgis. Da gelte die gleiche Faustregel wie für die Vorgärten. Beton, Steine oder Kies heizten ihre Umgebung in heißen Sommern noch zusätzlich auf.

„Es ist wichtig, Pflanzen auszuwählen, die wenig Wasser brauchen und Sonne gut vertragen können“, rät Thomas Schramm. Der weiß-bläulich blühende Steinquendel etwa oder die mit ihm verwandte Katzenminze böten ein gutes Potenzial bei Trockenheit. Diese Stauden eignen sich deshalb auch als Straßenrandbepflanzung. In Lampertheim sind sie auch an einigen Stellen zu sehen. Wer sich unsicher ist, welche Blumen er aufs Grab pflanzen soll, kann sich in Lampertheimer Fachbetrieben beraten lassen. Bei der Stadtverwaltung sind dazu auch Faltblätter erhältlich.

Die Trockenheit hat den Mitarbeitern auf dem Friedhof in diesem Sommer sehr zu schaffen gemacht. Thomas Schramm hat nachgerechnet: 23 000 Kubikmeter Wasser habe man für die notwendige Bewässerung verbraucht: „Stellen Sie sich einen Fußballplatz vor, auf dem drei Meter hoch das Wasser steht.“ Dass der Rasen dennoch an der einen oder anderen Stelle braun geworden ist, habe sich trotzdem nicht vermeiden lassen. Vilgis und Schramm hoffen deshalb, dass sich der Trend zu mehr Natur auf den Friedhöfen weiter fortsetzt. Dass hohe Büsche und Sträucher oder ein wenig Wildwuchs an den Wegen dort auch heute noch nicht jedermanns Geschmack treffen, ist ihnen aber klar. Sie freuen sich daher über das Verständnis von immer mehr Friedhofsbesuchern, dass im Sinne des Klimaschutzes „nicht mehr jedem Löwenzahn oder jeder Blattlaus auf den Pelz gerückt wird“.

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