Lampertheim

Biodiversität Stadt informiert Bürger über pflegeleichte und zugleich insektenfreundliche Garten- und Hausbegrünung

Mehr Pflanzen statt Schotterwüsten

HÜTTENFELD/NEUSCHLOß.Lampertheim soll grüner werden. Und das nicht nur in öffentlichen Parks, sondern auch auf privatem Grund. Die Stadt hat dazu etwa in Absprache mit dem Arbeitskreis Biodiversität bereits Maßnahmen ergriffen. Neben größeren, öffentlichen Projekten etwa im Straßenverkehr stehen nun aber auch vermeintlich kleine, private Flächen in Gärten oder auf Dächern im Fokus. Mit den „Grünen Infotagen“ haben die Technischen Betriebsdienste in den Stadtteilen Hüttenfeld und Neuschloß über verschiedene Begrünungsmöglichkeiten informiert und Schaupflanzungen ausgestellt.

Bienenfreundliche Splitt-Beete, Balkonkästen, Dachbegrünung, Wildpflanzenecken oder Kletterpflanzen an Hausfassaden: Möglichkeiten, selbst etwas für die Natur und gegen das Artensterben zu tun, statt nur auf Politik und Landwirtschaft zu schimpfen, gibt es genug. Das wurde bei der Doppelveranstaltung am Mittwoch und Donnerstag deutlich.

„Viele kleine Maßnahmen können auch einen großen Effekt haben“, ist sich Bauhof-Chefin Sabine Vilgis sicher. Mit mehreren Mitarbeitern und etlichen Pflanzen im Gepäck ist sie zum Hüttenfelder Bürgerhaus und dem Ahornplatz in Neuschloß ausgerückt, um die Bevölkerung für naturfreundliche Begrünung zu sensibilisieren. Die Infotage, die im Herbst auch in der Kernstadt und den restlichen Stadtteilen folgen sollen, versteht Vilgis als Forum, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen unsere grünen Ideen zu den Bürgern tragen“, sagt sie. Mit „grün“ ist dabei keine politische Haltung, sondern es sind naturfreundliche Lösungen für das eigene Grundstück gemeint.

Schaupflanzungen auf Anhänger

Um das anschaulich zu vermitteln, haben die Technischen Betriebsdienste nicht nur Infomaterial wie Pflanzenlisten, Preise und Firmenkontakte dabei, sondern auch zwei Anhänger voller Schaupflanzungen und Beispielpflanzen. Auch eine Natursteinmauer haben sie hergerichtet. In einem gläsernen Kasten hatten die Gärtner zu Vorführzwecken etwa ein Splitt-Beet angelegt. Weil ihnen die „Schotterwüsten“ in Lampertheimer Vorgärten ein Dorn im Auge sind, präsentieren sie damit eine pflegeleichte und zugleich bienenfreundliche Alternative. Markus Beck erklärt anhand des Querschnitts, auf was es ankommt. Unter den Splitt komme ein Nährbodensubstrat, in das spezielle, trockenheitsresistente Pflanzen gesetzt werden. Erst darüber werde mit Splitt aufgefüllt.

„Wichtig ist, dass man nicht den ganzen Garten einfach zuschüttet und dann eine Pflanze in die Mitte setzt“, betont der Experte. Sechs bis zehn Pflanzen pro Quadratmeter oder etwa 80 Prozent sollen es schon sein. „Unkraut kann wegen des Splitts kaum wachsen, Wasser kann ablaufen und wir haben trotzdem eine fast geschlossene Pflanzendecke für Bienen, die praktisch keine Pflege braucht“, erklärt er Besucherin Andrea Günther. Die Lehrerin hatte selbst mit dem Gedanken gespielt, ihren Garten zu schottern.

Mit Fachwissen klären die Bauhofmitarbeiter darüber auf, welche Pflanzen wo Sinn machen und räumen mit manchem Mythos auf. Schotter etwa sei nicht unbedingt pflegeleichter. „Wir planen keinen Garten, helfen aber, wo wir können“, erklärt Vilgis. Bürger würden oft verkennen, dass naturfreundliche Maßnahmen nicht zwangsläufig mit viel Arbeit verbunden seien. „Es braucht keine 500 Quadratmeter, keine 15 Wochenstunden Arbeit – jeder kleine Fleck Grün kann helfen“, macht sie klar. Schon der Balkonkasten könne Insekten retten. „Je mehr Grün, je mehr entsiegelte Fläche, desto besser“, fordert Vilgis. Das helfe nicht nur Tieren, sondern sorge für mehr Sauerstoff, weniger Feinstaub und angenehmere Temperaturen.

Die Bauhofchefin weiß, dass auch die Stadt gefordert ist, will aber „Rückschlüsse aufs Private ziehen“. Sie appelliert beispielsweise, nur „mit Augenmaß“ zu düngen. Die Besucher wie Andrea Günther jedenfalls waren zufrieden. „Ich hab’ was gelernt“, freute sie sich.

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