Lampertheim

Lampertheim Der Wohlstand sorgt für eine erhebliche Menge Abfall / Von Südhessen aus führt die Müll-Spur bis nach Ostdeutschland

Mehr Plastikmüll geht auf Reisen

Archivartikel

Lampertheim.Jedes Jahr fällt im Kreis Bergstraße eine gewaltige Menge Abfall an. Dem Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) zufolge, transportiert die Müllabfuhr zwischen Ried und Odenwald jährlich etwa 82 000 Tonnen Müll aus Privathaushalten ab. Allein in Lampertheim dürfte es sich dabei um mehr als 8000 Tonnen im Jahr handeln. „Das wären etwa zehn Prozent der Gesamtmenge“, sagt Wolfram Gutknecht vom ZAKB.

Jährlich zehn Prozent mehr Müll

Der überwiegende Anteil des Abfalls besteht demnach aus Papier, Rest- oder Biomüll. Kreisweit beträgt der Anteil an Kunststoff – er kommt in die gelbe Säcke – etwa 8000 Tonnen. Auch in diesem Fall dürften etwa zehn Prozent – also 800 Tonnen – aus Lampertheim stammen, wie es vom Verband heißt. Gutknecht zufolge, steigt die Abfallmenge seit Jahren stetig an. Im Durchschnitt um zehn Prozent jährlich, wie der Leiter der Abteilung Stoffstrom-Management sagt. Und das, obwohl längst bekannt ist, dass Kunststoffe in der Natur nicht einfach verschwinden. Auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums heißt es, dass es etwa 450 Jahre dauert, bis sich eine normale Getränkeflasche aus Plastik aufgelöst hat.

Dass die Menge an Müll zunimmt, hat mit der nach wie vor guten wirtschaftlichen Lage zu tun. Wie Gutknecht sagt, konsumieren die Menschen seit Jahren immer mehr Waren. Das erhöhe die Abfallmenge. Da die Industrie für die Verpackung von Waren noch immer sehr viel Kunststoff einsetze, steige der Anteil des Plastikmülls ebenfalls. Das gehe aus Erhebungen des ZAKB hervor. Seit 2011 sorgt der Verband mit Sitz in Lampertheim für den Abtransport verschiedener Abfall-Sorten. Dabei gehe es auch stets um das Ziel, Biomüll, Altpapier Glas und Plastikmüll so gut wie möglich als Rohstoff zu erhalten und wieder einsetzen zu können, sagt Gutknecht.

Während das bei Biomüll oder Altpapier relativ gut funktioniere, bleibe die Wiederverwertung von Kunststoff weit unterhalb der erklärten Ziele, wie er hinzufügt. Ein Grund dafür sei die mitunter nachlässige Trennung von Verpackungsmüll, der über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne abtransportiert werden soll. Vielen Menschen sei nicht klar, was genau in diese Abfallbehälter gehört. So besteht etwa ein Strohhalm aus Plastik, das Röhrchen ist aber trotzdem keine Verpackung und muss daher in den Restmüll.

Indes gilt das gesamte System unübersichtlich. Denn einmal abgeholt, geraten Folien aus Kunststoff, Joghurtbecher oder auch Plastikflaschen in einen Abfallkreislauf, der für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. So hat der ZAKB zwar die Aufgabe, den Müll im Kreis einzusammeln und für das Unternehmen Interseroh weiter zu transportieren.

Daher endet der Auftrag für die Südhessen an den Toren zweier Sortieranlagen. Während sich der eine Standort im etwa 20 Kilometer entfernten Gernsheim befindet, liegt die andere Anlage im baden-württembergischen Walldürn, das bis zu 100 Kilometer – je nach Route – von der Sammelstelle des ZAKB entfernt ist.

Für die Wiederverwertung ist das Unternehmen Interseroh mit Sitz in Köln zuständig. „Die Verarbeitung unserer Mengen findet überwiegend in Deutschland und Europa statt“, wie eine Sprecherin mitteilt. So würde zwei der aussortieren Kunststoffarten etwa in einem eigenen Werk in Eisenhüttenstadt zu Kunststoff-Regranulat aufbereitet. Viele Verpackungen ließen sich aber leider auch aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht gut oder gar nicht recyceln, heißt es.

Probleme bei der Mülltrennung

Das sagt auch Wolfram Gutknecht. „Je verunreinigter oder miteinander verbunden die Kunststoffe sind, desto schwieriger wird es, daraus Rohstoff zu gewinnen“, fügt er hinzu. Im günstigsten Fall könne man 30 Prozent des Mülls wiederverwenden. „Im Prinzip werden nur 15 bis 20 Prozent erneut genutzt“, sagt Gutknecht. Der Rest gehe in die klassische Müllverbrennung oder in Heizkraftwerke. Langfristig sollen technisch verbesserte Sortiermaschinen dazu beitragen, dass etwa 50 Prozent des Plastikmülls wiederverwendet werden können.

„Ob das klappt, steht in den Sternen“, sagt Gutknecht. Gut wäre es. Denn in jüngster Zeit sind Länder wie China oder Indonesien aus dem globalen Müll-Karusell ausgestiegen und nehmen keine Abfälle aus anderen Ländern mehr an. „Ein Riesenproblem“, wie der Ingenieur sagt.

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