Lampertheim

Bauhof Gutachter präsentiert neuen Flächenbedarf / Gegensätzliche Positionen von Bürgermeister und Politik

Mehrheit für zentralen Standort

Lampertheim.Ein neuer Standort für den städtischen Bauhof steht zu Beginn dieses Jahres ganz oben auf der Agenda von Politik und Verwaltung. Die maroden Hallen gelten als abrissreif. Gutachter prognostizieren eine Nutzungsdauer maximal bis 2023. Doch seit einem Jahr hängt die Debatte über einen neuen Standort zwischen zwei möglichen Alternativen fest. Jetzt scheint sich eine Lösung anzubahnen.

In der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Bauhof hat das Ingenieurbüro achtgrad eine neue Berechnung präsentiert, was den benötigten Flächenbedarf betrifft. Demnach wird eine Gesamtfläche von 14 800 Quadratmetern für ausreichend erachtet. Hatte die Verwaltung im Arbeitskreis zunächst eine Fläche von 10 200 Quadratmetern skizziert – offenbar ohne anzugeben, dass es sich dabei um die reine Nutzfläche handelt –, sprach der Gutachter in der letzten Sitzung des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses des vergangenen Jahres von mehr als 17 000 Quadratmetern (wir haben berichtet).

Laut Ausschussvorsitzendem Fritz Röhrenbeck kommt der Gutachter nunmehr auf 14 800 Quadratmeter, weil die ermittelten Anteile der Verkehrs- und die der Grünfläche deutlich verringert worden seien. Damit erscheint die von der SPD/FDP-Koalition favorisierte Alternative, nämlich einen Standort auf dem ehemaligen Gelände von Energieried zu errichten, wieder attraktiver. Gegen den Standort hatte bislang die begrenzte Flächenkapazität gesprochen, vor allem im Vergleich zur zweiten Alternative: dem Umzug ins Gewerbegebiet an der Wormser Landstraße. Dort sei eine nachhaltigere, zukunftsfähigere Entwicklung des Bauhofs möglich, hatte etwa Bürgermeister Gottfried Störmer Position bezogen.

Der Standortvergleich lässt sich laut FDP-Fraktionsmitglied Röhrenbeck in Kosten ausdrücken: 9,073 Millionen Euro für den Neubau in der Wormser Landstraße, 6,75 Millionen Euro für einen Umzug auf die andere Seite der Industriestraße. Die ermittelten Jahresgesamtkosten liegen allerdings konträr zum Investitionsaufwand. So hat der Gutachter für den Standort Industriestraße Jahreskosten in Höhe von 501 001 Euro ermittelt, für die Wormser Landstraße lediglich 369 000 Euro. Dies aber unter der Bedingung, dass die Stadt die von den Technischen Betriebsdiensten aufgegebenen alten Gebäude wieder vermieten kann. Was angesichts der Situation auf dem Gelände – einer ehemaligen Mülldeponie – aus Sicht des Bauausschuss-Vorsitzenden eher skeptisch zu bewerten ist und zur Beschönigung der Rechnung beiträgt.

Deshalb kommen für Röhrenbeck gegenwärtig nur die unterschiedlichen Investitionssummen für einen Vergleich in Betracht, da in der Ermittlung der jährlichen Kosten elementare Aspekte unberücksichtigt geblieben seien. Im Betrag von 6,75 Millionen Euro für den neuen Standort Industriestraße seien im übrigen die Kosten für einen Abriss und Neubau der bisherigen Gebäude von Energieried enthalten.

Auf der dann frei werdenden Fläche könnten nicht nur neue Hallen und ein Verwaltungsgebäude entstehen, sondern auch Zufahrten geschaffen werden. Nach einem Abriss der alten Hallen auf dem jetzigen Standort des Bauhofs würden zudem Lager- und Abstellflächen frei. Das bisherige Verwaltungsgebäude könne vollständig vermietet werden.

Kostenfaktor: Fahrtwege

Gegen einen Umzug an die Wormser Landstraße spricht nach Auffassung von Röhrenbeck vor allem die Tatsache, dass die Einsatzfahrzeuge längere Fahrtwege in Kauf zu nehmen hätten. Der hierdurch entstehende Kostenfaktor sei in den bisherigen Berechnungen nicht genügend berücksichtigt worden, findet er. Einen Umzug von der einen Seite der Industriestraße auf die andere sei nach Einschätzung des Gutachters mit Anfang 2024 zu rechnen – rechtzeitig also mit dem Ablauf des Jahres, mit dem die Nutzungsdauer der maroden Hallen aus sicherheitstechnischer Sicht enden sollte.

Vor den Beratungen wollen die Fraktionen nochmals auf der Grundlage der Ergebnisse im Arbeitskreis beraten. Laut SPD-Fraktionsmitglied Fritz Götz hat sich am Votum seiner Partei für einen Verbleib des Bauhofs in der Industriestraße nichts geändert. So seien dort bereits Hallen angepachtet worden, die auch künftig genutzt werden könnten. Außerdem biete ein zentraler Standort Vorteile.

Skeptischer äußert sich Grünen-Fraktionschef Stefan Nickel, vor allem mit Blick auf mögliche Konflikte mit den Interessen der Bewohner in diesem Gebiet. Aber auch hinsichtlich der Begrenzung von Nutzflächen. CDU-Parteichef Franz Korb verteidigt hingegen die Position seiner Fraktion, wonach ein interkommunaler Standort mit Bürstadt die optimale Lösung gewesen wäre. Die Industriestraße sieht er als „Stückwerk“ an. Und er beklagt die „Lampertheimer Krankheit“, solche Entscheidungen unter angeblichem Zeitdruck fällen zu müssen. Dem sei auch der Lösungsvorschlag der CDU zum Opfer gefallen.

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