Lampertheim

Musikschule Orchesterkonzert erinnert in der St. Andreas-Kirche an die großen Kino-Streifen der vergangenen Jahrzehnte

Melodien entführen Zuhörer in Filmwelten

Lampertheim.Instrumentalmusik kann eigentlich keine eigenen, komplexen Geschichten erzählen. Und doch erweckt sie Filme erst richtig zum Leben. Die ikonische Blechflöte des friedlichen Auenlandes, die düsteren Klänge der schwarzen Reiter und die heroische Fanfare der Pferdeherren aus Rohan – Musik ist, wie im „Herr der Ringe“-Beispiel, oft der unsichtbare, emotionale Faden eines erfolgreichen Films. Das machte sich die Lampertheimer Musikschule beim diesjährigen Orchesterkonzert in der St. Andreas-Kirche zunutze. Die großen Besetzungen präsentierten neben klassischen Werken auch vier bekannte Film-Melodien.

Allerdings in ganz eigener Form: Denn die Stücke wurden lediglich von Gitarren oder Flöten gespielt. So wurden aus den Film-Themen ganz eigene Interpretationen, die dennoch Wiedererkennungswert hatten.

Trotz der begrenzten, instrumentalen Breite konnten Simon Stöckinger, Angelika Krisak, Finlay Missal und Nick Oehm an ihren Gitarren die unglaubliche, emotionale Tiefe der Werke wiedergeben.

Das gelang auch bei der wohl bekanntesten Filmmusik der vergangenen Jahrzehnte aus „Der Herr der Ringe“. Filmkenner fühlten sich trotz fehlender Blechflöte schon nach wenigen Tönen zurück nach Mittelerde und ins grüne Auenland versetzt.

Auch das Thema „Cavatina“ aus dem Film „Durch die Hölle gehen“ von 1978 ist ursprünglich kein Gitarren-, sondern ein Klavierstück gewesen. Für den Blockbuster wurde die Komposition von Stanley Myers aber für Gitarren umgeschrieben. Das dritte Stück bezeichnete Musikschul-Lehrerin Susanne Weinacker, die gemeinsam mit Cathrin Ambach und Iveta Schober durchs Konzert führte, als die „wohl traurigste Melodie der Filmgeschichte“. In „Top Gun“ verliert Hauptdarsteller Tom Cruise als Kampfpilot seinen besten Freund und damit auch seine Sicherheit im Leben. Mit vielen Taktwechseln symbolisierte das Gitarrenorchester sein Gefühlschaos.

Weil sich schon der Komponist aus der „Herr der Ringe“-Triologie Howard Shore, dafür mehrfach mit dem Oscar bedacht, an Richard Wagner orientiert hatte, schlug das Konzert so einen Bogen zwischen klassischer und moderner Musik. Den Anfang machte bei dem stimmungsvollen Konzert Julia Preschke mit John Lennons „Yesterday“. Begleitet wurde die Sängerin von einem Streichensemble. Die Instrumentalisten gaben im Anschluss Johannes Brahms’ „Walzer“ zum Besten. Auch das Jugendorchester wirkte mit zwei klassischen Darbietungen mit. Nach Sinfonie Nr. 8 in h-moll spielten die jungen Musiker unter der Leitung von Susanne Weinacker auch Mozarts berühmte Ouvertüre Lucio Silla.

Im zweiten Teil des Abends übernahmen die Flötisten und Streicher das Kommando. Nach einer überzeugenden „Concerto“-Darbietung (Telemann) präsentierte auch das Flötenensemble eine weltbekannte Film-Melodie. Mit „I will follow him“ aus Sister-Act übertrugen die Musikschüler die Lebensfreude der singenden Nonnen in die St. Andreas-Kirche und boten eine gleichermaßen mitreißende wie berührende Vorstellung.

Das Streichorchester und das Kammerorchester nahmen sich im Anschluss Vivaldis Konzert für zwei Trompeten an, bei dem Thomas Billau und Tim Karb den Solo-Trompeten-Part spielten. Zum großen Finale spielte das Kammerorchester unter großem Applaus „Palladio Allegretto“ von Karl Jenkins. ksm

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