Lampertheim

Soziales Vitos-Tagesklinik stellt sich bei Gesundheitsforum vor / „Klinik ist voll“

Menschen mit ihrer Krankheit nicht alleine lassen

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Seit der Schlüsselübergabe zum Jahreswechsel war es um den großen Neubau gegenüber dem Lampertheimer Marienkrankenhaus ruhig geworden, doch die dortige Außenstelle der Heppenheimer Vitos-Klinik hat bereits seit vier Monaten ihre Arbeit aufgenommen. Und der Bedarf in der Tagesklinik samt kleiner Ambulanz scheint groß. „Die Klinik mit ihren 18 Plätzen ist voll“, bestätigte Vitos Geschäftsführerin Margit Schmaus. Auch die 14 Wohnungen auf dem Gelände zwischen Emilienstraße und Neuer Schulstraße seien weitestgehend vermietet.

Kürzlich ließen sich die knapp 20 Teilnehmer eines Gesundheitsforums durch die Einrichtung führen und informierten sich über deren Konzept. Sie treffen sich bereits seit 1996 rund vier Mal jährlich auf Einladung des Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Michael Meister (CDU) zum gemeinsamen Austausch. Die Teilnehmer setzen sich aus den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens zusammen, neben Ärzten waren auch Apotheker, Klinikleiter, Pharmaproduzenten und Vertreter des Gesundheitsamts anwesend.

Fast jede Familie betroffen

Dass der Bedarf und die Nachfrage an psychiatrischen Einrichtungen in der Region hoch seien, konnte auch Thomas Rechlin bestätigen. „Psychische Erkrankungen gibt es beinahe in jeder Familie“, so der Ärztliche Direktor des Vitos Klinikums Heppenheim. Das Angebot entwickle sich dabei immer weiter zu stationsersetzenden Behandlungsmethoden, die nicht mehr an Betten gekoppelt seien. Das ist auch das Konzept der Tagesklinik in Lampertheim. In der psychiatrischen Tagesklinik werden Menschen, die unter Depressionen, Angsterkrankungen, psychotischen oder posttraumatischen Störungen leiden oder sich in einer akuten Lebenskrise befinden, teilstationär behandelt.

Die Patienten müssen jeden Wochentag selbstständig um acht Uhr in der Einrichtung erscheinen, die Therapiezeit endet Montag bis Donnerstag jeweils um 16.30 Uhr und freitags um 15 Uhr. Den Vorteil einer tagesklinischen Behandlung sehen Thomas Rechlin und sein leitender Oberarzt Cornelius Honold gerade darin: „Die Patienten können die Abende und ihre Wochenenden im gewohnten, sozialen Umfeld verbringen.“

Im Mittelpunkt der Therapie stehe die Begegnung. Jeder Patient erhalte einen individuellen Behandlungsplan, der aber auch viele Gruppengespräche und -aktionen beinhalte. „Sie sollen sich mit ihrer Krankheit nicht alleine fühlen, in der Gemeinschaft können sie sich gegenseitig stärken und helfen“, betonte Oberarzt Honold.

Therapie sei dabei immer sektorübergreifende Medizin. Das therapeutische Team der Tagesklinik Lampertheim setzt sich aus Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie, Diplompsychologen, Fachkrankenschwestern und -pflegern, Ergo- und Bewegungstherapeuten und Sozialtherapeuten zusammen. So unterschiedlich die Erkrankungen seien, so variiere die Verweildauer zwischen einer Woche bis zu vier Monaten. Die Wartezeiten seien mit zwei bis drei Wochen allerdings vertretbar.

„Die Tagesklinik ist aber keine abgeschlossene Behandlung, sondern vielmehr ein Element in der Behandlungskette“, erklärte Honold. Beispielsweise versorge man Patienten aus vollstationären Kliniken zum Übergang in die ambulante Versorgung oder umgekehrt. Der Kontakt zur Klinik kommt in der Regel über den behandelnden, ambulanten Arzt zustande.

Honold wünscht sich, dass die Betroffenen „nicht erst im Notfall anrufen, sondern mich rechtzeitig konsultieren“. Außerdem gebe es die Möglichkeit, Einrichtung und Team ganz unverbindlich kennen zu lernen. „Das Haus ist offen“, unterstrich der Oberarzt. Bei akuten Problemen beherbergt die Klinik in Lampertheim auch eine kleine Ambulanz.

Kinder aufklären

Die Vitos-Verantwortlichen klärten mit den anwesenden Medizinern technische Details zur Einweisung und nahmen deren Ideen und Vorschläge auf. So regte die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Ariadne Sartorius die Einbeziehung von Kindern an, um sie nicht im Unklaren über die Erkrankung eines Elternteils zu lassen.

Anschließend stellte Ralf Hofmann vom Bauunternehmen Schäfer bauliche Details zum Gebäude vor. Ferner diskutierte Ralf-Norbert Bartelt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im hessischen Landtag, die Problematik der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum mit den Besuchern. Er erkannte dort genau wie die Mediziner eine „erhebliche Mangelversorgung“ und stellte diverse Maßnahmen vor, um das Problem zu bekämpfen.

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