Lampertheim

Kultur Sabina Murza alias Murzarella und Thomas Schreckenberger begeistern bei „Hackys Mixshow“ im Schwanensaal

Messerscharfer Witz und Musik aus dem Bauch

Lampertheim.Jede seiner Mixshows ist ein Unikat auf exzellentem Niveau – mit überraschenden Einlagen der Darsteller, jeder Menge Spaß, aber auch Momenten der Selbstbesinnung und Nachdenklichkeit. London-Pub-Inhaber Friedrich Hackstein präsentierte „Hackys Mixshow“ am Mittwochabend im Schwanensaal.

„Die zweite Mixshow in diesen Räumlichkeiten unter Einhaltung des hervorragenden Hygienekonzepts“, erklärte Hackstein und kündigte seine Gäste an: Lady First Sabine Murza alias Murzarella, Bauchsängerin aus Baden-Baden, mit einer eindrucksvollen musikalischen Performance und den vortrefflichen Kabarettisten Thomas Schreckenberger aus der Nähe von Stuttgart. Der studierte Lehrer tourt mit seinem Programm „Hirn für alle“ durch die Republik und ließ nun auch die Lampertheimer an seinen messerscharfen Alltagsbeobachtungen teilhaben.

Das waren mitunter Ungereimtheiten, die unbehaglich wahr waren, aber zum Lachen komisch dargestellt wurden. Er spannte seinen Bogen von der Vogelgrippe, die Deutschland schon im vergangenen Jahr erreicht hatte, über den Brexit Großbritanniens, die Kapriolen des US-Präsidenten Donald Trump bis hin zum Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten wegen der Corona-Pandemie. Der Kabarettist erinnerte an die Hamsterkäufe zu Beginn der Ausbreitung im März. Die Holländer hätten sich mit „Zeug zum Rauchen“ eingedeckt, der Deutsche jedoch mit Klopapier, unkte Schreckenberger. Stolz könne der Besitzer von Unmengen Toilettenpapier zu seinem Nachwuchs sagen: „Schau, das wird eines Tages dir gehören.“

Wie im Gruselkabinett

Deutschland habe neue Helden: die Virologen. Manche Frau habe nun ein Bild von Christian Drosten auf dem Nachtisch stehen und schmachte: „Ich will einen Impfstoff von dir.“ Es kamen die ersten Corona-Demos auf, davon sei etlicher Protest so was von schräg gewesen. Dann scherzte er über den Schlagerstar Michael Wendler und seine fragwürdigen Aktionen und die irrationalen Auftritte von Trump. Der agiere frei nach Pippi Langstrumpf „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Zum Schreien komisch kam Schreckenbergers Verkörperung verschiedener Minister bei einer Bundeskabinettsitzung rüber. Da der Satiriker dafür in die Rolle von Klaus Kinski schlüpfte, glich die Parodie einem Gruselkabinett.

Eine fantastische Vorführung mit gesanglichem Können und lustigen Szenen bot die Bauchsängerin Sabine Murza mit ihren großen Handpuppen, denen sie ihre Stimme lieh. Sie gab die eigenwillige Buchhalterin Adelheid, die Opernarien erschallen ließ, die kecke Kanalratte Kalle und den drolligen Kakadu Dudu. Murza ließ ihre Puppen Bühnenluft schnuppern und sie genossen es, im Rampenlicht zu singen. Die im ernsthaften Fach ausgebildete Sängerin präsentierte klassische Lieder. Doch Kalle, schmuck mit FC-Schalke-Schal, mochte eher „Schwermetall“. Tontechniker David Hollstein musste her und aus „seinem Kasten“ geilen Hard-Rock abspielen. Der Queen-Hit „We will rock you“ ließ die Kanalratte im Rhythmus rocken.

„Was Ordentliches“

Dudu forderte Murza zum Gesangswettbewerb heraus. Da er nicht wie die Sängerin auf anspruchsvolle Jazz-Titel stand, sang er etwas „Ordentliches“: Helene Fischers „Atemlos“. So etwas wolle das Publikum hören, kreischte der von sich überzeugte Dudu. Bei all den Gesängen bewies Murza die Kunst, Töne im Kehlkopf zu bilden und beim Singen nicht die Lippen zu bewegen.

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