Lampertheim

Gut fürs Klima Technische Betriebsdienste bereiten Aktion für November vor / Warum Apfel, Birne und Kirsche biologisch wertvoll sind

Mindestens ein Obstbaum in jedem Lampertheimer Garten

Archivartikel

Lampertheim.Mehr Obstbäume in der Stadt: Dies ist das Ziel der Lampertheimer Stadtgärtnerei, einer Abteilung in Verbindung mit der Grünflächenplanung der Technischen Betriebsdienste. Auf mehreren städtischen Flächen wachsen Streuobstwiesen. In Ereigniswäldern können Bürger Paten von Obstbäumen werden. Nun bereiten die Betriebsdienste eine Aktion vor, um private Gartenbesitzer mit Obstbäumen zu versorgen.

Denn, so Bauhofchefin Sabine Vilgis und Stadtgärtner Thomas Schramm: Apfel-, Birnen- und Kirschbäume spenden nicht nur leckere Früchte. Sie tun auch der Insekten- und Vogelwelt gut. Sie leisten damit einen ökologischen Beitrag für eine höhere biologische Vielfalt in der Stadt.

130 Euro kostet es, einen Baum in einen der Ereigniswälder pflanzen zu lassen. Menschen nutzen dies, um anderen eine Freude zu machen, etwa zum Geburtstag. Während die Eigentümer der Bäume diese auch abernten können, werden die Pflanzen von der Stadtgärtnerei gepflegt und gewässert. Auch werden kaputte Bäume gegen neue ausgetauscht, etwa wenn Wühlmäuse ihr destruktives Werk verrichtet haben. Insgesamt 200 Bäume stehen auf Flächen in Lampertheim und in Hofheim. Bienen und Schmetterlinge freuen sich ebenso über den Blütenreichtum im Frühjahr wie Igel im Herbst, die dann vom herunterfallenden Obst profitieren.

Ereigniswälder und Streuobstwiesen, wie sie etwa auf dem Biedensand oder im Oberlocher Graben zu finden sind, sind Öko-Inseln, die einen Biotopverbund im Stadtgebiet bilden. Zwischen dem Naturschutzgebiet Lampertheimer Altrhein und den Waldgebieten im Osten der Stadt soll so eine, wenn nicht zusammenhängende, so doch auf kurzen Wegen miteinander verbundene Grünfläche aus mehreren Parzellen entstehen, zu denen auch Straßenbäume und Feldholzinseln gehören, die von Insekten und Vögeln leicht überbrückt werden können. Die Lampertheimer Stadtgärtnerei setzt bei der Auswahl der Obstbäume auf ältere Sorten; diese seien robuster gegen Krankheiten, wie Bauhofchefin Sabine Vilgis und Stadtgärtner Thomas Schramm im Pressegespräch erklären. Baumbesitzer müssen bei der Ernte in den Ereigniswäldern Ansprüche herunterschrauben, was das Aussehen der Früchte angeht, da die Pflanzungen nicht mit Chemikalien behandelt werden. Die Früchte sehen dann nicht so bilderbuchmäßig aus wie im Supermarktregal. Dafür hat man ein natürlich gewachsenes Nahrungsmittel in der Hand.

Auch auf den städtischen Obstplantagen können die Früchte nach Absprache mit den Technischen Betriebsdiensten geerntet werden. Ein Projekt des jüngsten Freiwilligentages bestand etwa darin, gepflückte Äpfel zu pressen und den Apfelsaft an die Tafel zu spenden. Anliegen ist es nun, Gartenbesitzer in Lampertheim zu ermutigen, in ihren Gärten wenigstens einen Obstbaum zu pflanzen. Jeder Garten kann so eine Facette im größeren Biotopverbund werden. Wer eine frühe Kirsche pflanzt, vermindert das Risiko, dass sie von der Kirschfruchtfliege befallen wird. Wer ältere Apfelsorten wählt, profitiert von einer höheren Resilienz der Früchte gegen Krankheiten und erreicht durch den höheren Phenolgehalt des Obstes eine bessere Verträglichkeit bei Allergien. Berlepsch, Glockenapfel oder Boskop sind hier eine gute Wahl, bei Birnen ragen die Gute Luise, die Williams Christ oder die Pastorenbirne heraus. Gut fürs Klima sind auch Nussbäume in Gärten, die allerdings langsam wachsen und langfristig recht viel Platz beanspruchen.

Und wer keinen Garten hat? Der kann auf seinem Balkon kleinwüchsige Obstbäume in Kübeln pflanzen, die auch Früchte tragen. Das gilt natürlich auch für Besitzer von kleinen Gartenparzellen. Selbst in Blumenkästen lässt sich ein wenig Gartenbau betreiben, etwa mit Hänge-Erdbeeren. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt; Gärtnereien in der Region, aber auch die Technischen Betriebsdienste sind hier gerne beratend tätig.

Günstige Preise

Die Betriebsdienste wollen interessierten Bürgern noch im Herbst ein Angebot machen, Obstbäume zu erwerben. Diese werden zu günstigen Preisen eingekauft und entsprechend günstig wieder abgegeben. Dabei handelt es sich allerdings um hochstämmige Baumarten, die sich nur für größere Gärten eignen. Diese kann man im Bauhof abholen, sobald die Aktion anläuft (der Südhessen Morgen wird darüber berichten). Sie wird im übrigen aus Mitteln des Stadtumbaus gefördert.

Ab November sollen die Bäume angeboten werden. Die Pflanzzeit reicht bis März kommenden Jahres. Wer einen solchen Baum erwirbt, bekommt ein Merkblatt mit Informationen über Pflanzung und Pflege dazu. Auch übernimmt die Stadtgärtnerei den ersten Schnitt. Geplant ist, solche Aktionen zu wiederholen, um die biologische Vielfalt in Lampertheim Schritt für Schritt zu erhöhen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional