Lampertheim

Soziales Stadtverwaltung will Kulturtafel aus eigener Kraft organisieren / Angebot für Bürger mit geringem Einkommen

Mit dem Sozialpass ins Konzert

Archivartikel

Lampertheim.Ein einfaches Formular und ein Sozialpass reichen schon aus. Im Verteiler der Stadt die bevorzugten Veranstaltungs-Genres angeben, und schon kann eine Eintrittskarte für Abendveranstaltungen an der Kasse hinterlegt werden. Am Eingang nennt der Bürger dann nur noch seinen Namen – und kann das Konzert, die Lesung oder das Kindertheater zwar kostenlos, aber als ganz normaler Gast genießen. Das Szenario, das Kulturamtsleiter Rolf Hecher im Gespräch mit der SPD durchspielt, klingt denkbar unkompliziert.

Im April 2019 hatte die Stadtverordnetenversammlung die Verwaltung per Beschluss beauftragt, eine Konzeption für eine Kulturtafel auszuarbeiten. Die soll Bürgern mit geringem Einkommen eine stärkere Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen. Eigentlich lautete der Auftrag an Hecher und seine Kollegen, Partner für ein solches Unterfangen zu suchen. Weil sich die aber partout nicht finden ließen – sowohl das Diakonische Werk, die Arbeiterwohlfahrt als auch die Nachbarkommunen im Mittelzentrum Ried sahen sich nicht zu einer Organisation imstande –, hat die Stadt nun eine Umsetzung auf eigene Faust und aus eigenen Mitteln erarbeitet. Damit ginge die Verwaltung einen Sonderweg. Bis auf wenige (Großstadt-) Ausnahmen werden Kulturtafeln von Vereinen mit entsprechenden Sponsoren organisiert. Rolf Hecher glaubt aber dennoch an eine Umsetzung. Denn sowohl der finanzielle als auch personelle Aufwand sei zumindest anfangs überschaubar.

In einer einjährigen Testphase würde die Verwaltung je sechs Karten pro Veranstaltung für einen festen Personenkreis zurückhalten, anstatt nur mit kurzfristigen Restkarten zu arbeiten. Dieser Alternativvorschlag wurde dem Sozialausschuss vorgestellt, der Stadtverordnetenversammlung wird er am 23. Oktober zur Abstimmung vorgelegt.

Der SPD, Ideengeber einer Kulturtafel in Lampertheim, berichtete Hecher in der Zehntscheune schon vorab davon. „Die Idee“, stellte er klar, „ist gut“. Auch die Umsetzung an sich sei für die Verwaltung kein Hexenwerk. Die Crux an der Sache sei vielmehr, den berechtigten Personenkreis festzulegen und das Projekt im Anschluss bekannt zu machen. „Arbeitslosenbescheid, Wohngeldbescheid, Rentenbescheid – all das könnten Voraussetzungen zur Berechtigung sein“, zählte Hecher auf. Doch wo anfangen und wo aufhören?

Der von der Verwaltung zunächst ausgewählte Kreis sind die Besitzer des sogenannten Sozialpasses. Der richtet sich nicht etwa an Sozialhilfeempfänger, sondern alle Bürger mit relativ geringem Einkommen. Schon jetzt hält er Vergünstigungen bereit. Ein städtisches Konzertticket kostet dann etwa 6,50 statt 13 Euro. Davon profitieren aktuell 30 Personen. Das zeige, wie schwierig Werbung für solche Projekte sei, ohne zu stigmatisieren. „So etwas bekannt zu machen, kann schon mehrere Jahre dauern“, sagte Hecher.

Sponsoren gesucht

Er habe „nichts dagegen, den Kreis zu erweitern“. Etwa um die Kunden der „regulären“ Tafel. Lieber breit fördern als dass es keiner nutzt, so das Credo. Würde das Konzept durchgehen, will sich Hecher mit möglichen Sponsoren in Verbindung setzen. In einem zweiten Schritt will die Stadt auch Privatveranstalter anfragen, ob sie unverkaufte Restkarten zur Verfügung stellen möchten. Auch eine interkommunale Zusammenarbeit sei hier denkbar. Eine Missbrauchschance sieht Hecher indes nicht. „Die Karten werden ja nicht ausgegeben, sondern nur hinterlegt“, erklärte er.

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