Lampertheim

Vortrag Emil Hoffmann erklärt im Hüttenfelder Bürgerhaus die Entwicklungsgeschichte des Menschen

Mit den Augen eines Steinzeitforschers

Archivartikel

Hüttenfeld.Schon bei der Vorstellung durch Werner Gaab vom Verein „Pro Hüttenfeld“ erhielt der Archäolithiker Emil Hoffmann anerkennenden Beifall. Aus Hoffmans Studien sind zahlreiche Bücher hervorgegangen. Beispielsweise sei sein Lexikon der Steinzeit einmalig, denn in der Lektüre seien fast alle Grundbegriffe enthalten, lobte Gaab. Er würdigte Hoffmanns Engagement, noch dazu im hohen Alter von 91 Jahren, und wies auch auf die Dauerausstellung in der Stadtbücherei hin.

Wissbegierige Besucher waren ins Hüttenfelder Bürgerhaus gekommen, um Hoffmanns Vortrag über „Die Evolution des Menschen“ zu erleben. „Pro Hüttenfeld“ hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen. Von Steinwerkzeugen bis hin zu Schädel-Nachahmungen hatten Hoffmann und seine Ehefrau Renate auch Anschauungsmaterial mit den jeweiligen Erläuterungen mitgebracht. Seit vielen Jahren befasst sich Emil Hoffmann wissenschaftlich mit Fragen der Entwicklung des Menschen und seiner Kultur. Sein Spezialgebiet ist die Entwicklungsstufe Altsteinzeit.

„Vor ungefähr 200 Millionen Jahren war die Erde noch eisfrei und die mausgroßen ersten Säugetiere versteckten sich in den tropischen Wäldern vor den alles beherrschenden Sauriern“, begann Hoffmann seinen Vortrag. Durch den Einschlag eines Meteoriten vor etwa 65 Millionen Jahren seien fast alle Dinosaurier und die meisten anderen Tier- und Pflanzenarten ausgestorben. Es begann das Zeitalter der Säugetiere, die diese Katastrophe überlebten. „Auch der Mensch gehört zu der Gruppe der Säuger. Er ging wie alle Säuger aus mausgroßen ersten Säugetieren mit Insektenfresser-Gebiss hervor“, so Hoffmann.

Ascheregen verdunkelten die lebenspendende Sonne und Tiere und Pflanzen starben. Tsunamis und brennende Meteoritenteile verwüsteten die Erdoberfläche. Die Ära der Dinosaurier habe ein brutales Ende gefunden. Dreiviertel der damaligen Lebewesen hätten überlebt: Krokodile, Schlangen, Schildkröten, Eidechsen und die aus den Dinosauriern hervorgegangenen Vögel. Sie seien zum Erfolgsmodell der Evolution geworden. Es konnten sich neue Lebensformen entwickeln. Mit zunehmender Abkühlung und Trockenheit auf der Erde breiteten sich Gras- und Buschsteppen aus, die Tropenwälder zogen sich Richtung Äquator zurück.

„Der Konkurrenzkampf unter den Säugetieren veranlasste einige, in die Höhe des Waldes auszuweichen, wo sie eine unbesetzte Nahrungsnische vorfanden“, erklärte Hoffmann. Die immer bessere Anpassung der Primaten an das Baumleben habe im Laufe der Jahrmillionen typische Merkmale der Affen hervorgebracht. Vor 55 bis 35 Millionen Jahren sei die Erde weitestgehend mit Dschungel bedeckt gewesen und führte zur Anpassung der kleinen insektenfressenden Affen mit hundeähnlicher Schnauze. Später seien grasfressende Weidetiere wie Rinder entstanden.

Vor 40 bis 30 Millionen Jahren entwickelten sich die frühen Menschenaffen. Von ihnen werde die Stammlinie zu den Menschenaffen und Menschen abgeleitet. Der älteste Menschenaffe sei der katzengroße Aegyptopithecus gewesen. „Es ist das erste Säugetier, das wie der moderne Mensch 32 Zähne aufwies“, erläuterte Hoffmann. Im Zeitraum von vor 33 bis 23 Millionen Jahren begann sich die aufrechte Zweibeinigkeit zu entwickeln, denn das Becken habe sich verändert. Der Schwanz sei nicht mehr benötigt worden. Der Proconsul (ausgestorbene Gattung der Primaten) vor 21 bis 14 Millionen Jahren zeige den Übergang von den frühen Affen zu den Menschenaffen.

Aus den Primaten hätten sich vor 8 Millionen Jahren die Hominiden (Menschenähnliches) herausgebildet. „Der Stammbaum der Hominiden begann mit der Trennung von Menschen und Affen vor rund 9 bis 7 Millionen Jahren in Ostafrika“, betonte Hoffmann. Es entstanden vor 2,6 Millionen Jahren die Homotypen Homo rudolfensis und Homo habilis. Und später der Homo erectus. Dieser verließ als Jäger und Sammler Afrika und breitete sich in Asien und Europa aus. Er sei der erste Mensch gewesen, mit dem die affenartige Vergangenheit geendet habe. Vor 500 000 bis 200 000 Jahren habe der frühe Homo erectus dicht an der Schwelle zum modernen Menschen gestanden. In Europa entstand aus ihm der Neandertaler. roi

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