Lampertheim

Heimatmuseum Alfred Umhey stellt mit Zinnfiguren Szenen über den Dreißigjährigen Krieg zusammen

Mit Lupe und ruhiger Hand

Archivartikel

Lampertheim.Der Dreißigjährige Krieg begann 1618 als Religionskrieg und dauerte bis 1648. Es war eine Auseinandersetzung um die Herrschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa. Es wurde der längste und mörderisch-ste Krieg, der eine Aneinanderreihung von Konflikten war, die größtenteils auf deutschem Boden ausgetragen wurden. Während des Krieges standen Eroberungen, Plünderungen und grauenhafte Verbrechen auf der Tagesordnung. Viele Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Auch Lampertheim und die Region hat es schwer getroffen. Nach der Zerstörung 1622 habe es nur noch wenige Einwohner gegeben, berichtet die Chronik. Vor 400 Jahren, mit dem Prager Fenstersturz, begann das Gemetzel. Alfred Umhey hat Szenen mit unterschiedlichen Zinn- und Modellfiguren, die er fachmännisch bemalt hat, in einer Standvitrine des Lampertheimer Heimatmuseums akribisch nachgestellt.

„Die Sonderausstellungen von Alfred Umhey sind schon zur Tradition geworden“, erklärt Margit Karb, die Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins. Sie begrüßt die wechselnden Themen, die die Besucher gezielt ansteuern. Die vorhergehenden Ausstellungen waren über Napoleons Russlandfeldzug 1812 und danach über den Ersten Weltkrieg.

Neben seinen Figuren hat der Experte Umhey auch Literatur aus seinem Bücherschrank und Bilder beigesteuert. Beispielsweise geben die Bücher „Grimmelshausens abenteuerlicher Simplicissimus“ und „Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg“ Auskunft über die Schlachten und die Not, die der Krieg über das Land brachte. In der Schlacht an der Alten Veste trafen 1632 der kaiserliche Feldherr Albrecht von Wallenstein und die Schweden unter der Führung von Gustav Adolf aufeinander. Es gelang kein Sieg. Später fiel der Schwedenkönig auf dem Schlachtfeld bei Lützen. Der dritte Heerführer, General Tilly, der die katholische Liga vertrat, ist als sitzende Holzfigur dargestellt.

Die drei Musketiere

Aber auch die fiktiven Figuren aus Alexander Dumas’ berühmtem Roman „Die drei Musketiere“ dürfen nicht fehlen. D‘Artagnan, der Vierte im Bunde, ist nach einer historischen Persönlichkeit gestaltet. Auch außerhalb des Schlachtgeschehens spielen sich Episoden ab. Ein Chirurgus ist zu entdecken, „der nur für die Offiziere da war“, weiß Umhey. Aber auch eine Szene im Wirtshaus und der Transport eines Vorderlader-Geschützes, einer Kartaune, mit einem Pferdegespann ist zu sehen. Die bunten Bilder, die in der Mitte drapiert sind, stammen von Plastikfigurenpackungen.

„Am schwierigsten sind die Miniaturen zwischen sechs und 15 Millimeter zu bemalen“, erklärt Umhey. Er hat dazu Rohlinge aus England bezogen. Um Details zu schaffen, benötigt er eine Lupe, eine ruhige Hand und vor allem viel Fachwissen über die historischen Original-Uniformen und Waffen. Das haben sich die Brüder Alfred und Roland Umhey über Jahre hinweg erworben und in einem umfangreichen Archiv dokumentiert.

Alfred Umhey gehört einer Sammlervereinigung für Zinnfiguren in Frankreich an und der bundesweiten Zinnfigurensammlervereinigung „Klio“, der Deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren. „Das Fußvolk kämpfte mit einer langen Pike, die Musketiere mit Musketen und die Reiter mit Säbel oder Degen und zwei Pistolen“, verdeutlicht der Fachmann. Zu sehen sind ebenfalls drei Kroaten, die die Söldner vom Balkan symbolisieren.

„Im Lampertheimer Wald gibt es den Kroatenschlag, ein Platz, an dem sich die Kroaten trafen. Der Flurname ist erhalten geblieben“, berichtet Umhey. Sein Bruder Roland hat sich auf flache Figuren spezialisiert, die aus deutscher Herstellung kommen und ebenso in der Ausstellung zu bewundern sind. „Früher waren die Zinnfiguren Spielzeug, später sind daraus Künstlerfiguren geworden“, erklärt der Sammler. Für das Bemalen der flachen Figuren braucht es besonderes künstlerisches Geschick, denn es muss ein 3-D-Effekt erzielt werden. „Die gekauften Rohlinge werden mit Acrylfarben oder Künstler-Ölfarben bemalt“, erklärt Alfred Umhey.

Die vollplastischen Zinnfiguren besitzen die Gebrüder Umhey in verschiedenen Maßstäben. Auch solche aus Pappe, die ein amerikanischer Freund bemalt hat, aus Sperrholz, die in Frankreich gekauft wurden, Figuren aus Kunststoff in größeren Maßstäben und auch alte Bleifiguren. Alfred Umhey malt täglich. „Es ist mein Tagesausklang und entspannt mich“, verrät der 57-Jährige.

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