Lampertheim

Antisemitismus Reaktionen von Schülern zu Salomo-Vortrag

Mit Tränen in den Augen

Archivartikel

Lampertheim.Sein bester Freund wendete sich von ihm ab und griff ihn sogar körperlich an, als er erfuhr, dass Ben Salomo Jude ist. Damals war der Rapper elf Jahre alt. Dieses Erlebnis bewegt die Neuntklässler, die seinen Vortrag über Antisemitismus hören, ganz besonders. Als es darum geht, was der eine Großvater im Ghetto unter den Nazis erleiden musste und als Salomo berichtet, dass dem anderen Opa mit einem Gewehrkolben mehrere Zähne ausgeschlagen wurden, ist es mucksmäuschenstill.

„Ich hatte Tränen in den Augen“, sagt eine Schülerin nach der Veranstaltung in der Alfred-Delp-Schule. Sie selbst habe auch schon Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung gemacht, und das bereits in der Grundschule. Nach dem Vortrag möchte sie zusammen mit drei Klassenkameradinnen und Ben Salomo ein Selfie machen. Wie fast alle Schüler an diesem Tag.

Show aufgegeben

Einige kannten den Rapper schon aus dem Internet. „Schade, dass es seinen Youtube-Kanal nicht mehr gibt“, bedauert ein Schüler. Er habe sich die Rapper dort gerne angeschaut, verstehe nach der Veranstaltung aber die Hintergründe besser, warum Ben Salomo seine Show im Internet aufgegeben hat. Dass er dort antisemitischer Hetze ausgesetzt war.

Ausgrenzende Sprüche gebe es in seiner Klasse zum Glück nicht, sagt der Junge. Bei zwei anderen dagegen schon. „Da geht es meist um Flüchtlinge“, erläutern sie. „Jude“ als Schimpfwort sei zwar noch nicht gefallen, dafür aber „schwul“. Sie finden es gut, dass sich Ben Salomo gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit allgemein einsetzt. Weil die Schilderungen so persönlich waren, sei die Veranstaltung überhaupt nicht langweilig gewesen. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts sei auch der Besuch einer KZ-Gedenkstätte geplant.

Die Jugendlichen sind sich einig: „Die Veranstaltung war wirklich gut.“ Sie hätten sich vorher nichts Genaues darunter vorstellen können, sagen zwei Mädchen, da in ihrem Klassenraum „nur einige Flyer“ zur Information ausgelegen hätten. Andere berichten, dass sie im Vorfeld im Internet recherchieren durften. Viel Beifall gab es am Schluss, als Ben Salomo seinen Song „Sie sagen mir“ rappte. lex

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