Lampertheim

Mittendrin ist genau richtig

Archivartikel

Eine psychiatrische Tagesklinik mitten in der Stadt? Ob das gut gehen kann, diese Frage stellten anfangs einige, als das Vorhaben der Vitos-Klinik bekannt wurde. Lange wurde auch – gemeinsam mit der Stadt – nach einem passenden Baugrundstück gesucht. Das fand man dann an der Ecke Emilienstraße/Neue Schulstraße, gegenüber dem St.-Marienkrankenhaus. Hier gab es bisher einen Schotterparkplatz und ein paar alte Gebäude, die äußerst sanierungsbedürftig waren. Eine Aufwertung konnte dieser guten Innenstadtlage nur gut tun.

Die Tatsache, dass die Wohnungen in dem Komplex rasch vermietet werden konnten, spricht dafür, dass es sich um eine gute Lage handelt – und zeigt, dass es genügend Leute gibt, die keine Berührungsängste gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen haben. Warum auch? Probleme und Störungen, die der Seele schaden, sind inzwischen weit verbreitet und nichts, was weggesperrt gehört. Sie nehmen zu und sind zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden – aus welchen Gründen auch immer.

Deswegen ist es gut und richtig, dass auch die Behandlung mitten unter uns stattfindet und nicht hinter hohen Anstaltsmauern. Niemand muss sich schämen, wenn er Hilfe braucht und sie in Anspruch nimmt. Gut, dass sie nun so niederschwellig auch im Ried angeboten wird. Dass es, nachdem der letzte niedergelassene Psychiater in Lampertheim in Ruhestand gegangen war, längere Zeit einen großen weißen Fleck in der Versorgung hinsichtlich der seelischen Gesundheit im Kreis Bergstraße gegeben hat, war beschämend genug. Auch in diesem Gebiet fehlen die Fachärzte – ebenso wie beispielsweise in der Alters- (Geriatrie) oder der Allgemeinmedizin. Es ist gut, dass der Kreis sich auf unterschiedliche Art und Weise bemüht, hier Abhilfe zu schaffen. Allerdings ist es auch eine seine ureigenen Zuständigkeiten – und keine freiwillige Leistung.

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