Lampertheim

Hobby Über 300 Aussteller bei der 66. Modellbaubörse vor und in der Hans-Pfeiffer-Halle / Fundstücke vom Oldtimer bis zur modernen Drohne

Modellbau-Hobby als Familienangelegenheit

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Im Tiefflug segelt die gelbe Jak auf zwei Bäume zu. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren. Aber Fabian ist ein Naturtalent. Geschickt manövriert der Neunjährige das Flugzeug vom Schreibtisch aus an den Hindernissen vorbei. Lob gibt’s dafür von Opa Hans-Jürgen Rahm, der seinen Enkel mit dem Modellflug-Virus infiziert hat.

Bisher durfte Fabian aber nur am Computer in einem speziellen Simulator ran. Doch nun ist für den Neunjährigen die Zeit für ein erstes, eigenes Modellflugzeug gekommen. Aus der Pfalz ist das Familiengespann extra zur Modellbaubörse in die Spargelstadt angereist. Dort veranstaltet der Modellsportverein Hofheim zum inzwischen 66. Mal die große Messe für Tüftler.

Branche scheint zu boomen

Für den jungen Fabian wird es ein „Multiplex-Anfänger-Set“. Ein ganz besonderes Modell, bei dem Opa Hans-Jürgen seinem Schützling an einer separaten Steuerung noch helfen kann, sollte etwas schief gehen. „Step by step“, erklärt der erfahrene Modellflieger, „das ist auf lange Sicht günstiger“. So müssen sie nicht gleich bei der nächsten Messe ein neues Modell kaufen.

Obwohl das bei den meisten Besuchern vor und in der Lampertheimer Hans-Pfeiffer-Halle ohnehin nicht der ausschlaggebende Grund für eine Neuanschaffung ist.

Die drei Kumpels Wolfgang, Edgar und Egon etwa spazieren zufrieden mit je einer Neuerwerbung aus der Halle. „Dabei haben wir alle eigentlich schon genug“, wie sie zugeben. „Ich habe bei 54 aufgehört zu zählen“, sagt Wolfgang achselzuckend. Auch seine Kumpels besitzen wohl um die 50 Modelle. Sie fliegen in der Modellfluggruppe Haueneberstein, sind aus Baden-Baden mit dem Elektroauto nach Lampertheim gekommen. „Es ist halt unser Hobby“, sagen sie grinsend.

Das Los der Tüftler

So geht es auf der Börse vielen. Die Modellbaubranche scheint zu boomen, über 300 Aussteller haben in der Pfeiffer-Halle Stellung bezogen. Weil die Hallenfläche schon lange nicht mehr ausreicht, bieten private Sammler und Händler ihre Waren auch auf dem Parkplatz davor feil. Joachim Götz und Stefan Winkler vom veranstaltenden Verein sind zufrieden – auch das Wetter hält.

Die meisten Besucher suchen nichts Bestimmtes, wollen „einfach mal drüber schauen“ – am Ende findet fast jeder ein neues Teil. Sei es ein altes Holzschiff aus echten Planken, eine Flugzeug mit fünf Metern Spannweite oder nur ein kleines Ersatzteil, das schon lange gefehlt hat. Vom „Oldtimer“ bis zur modernen Drohne gibt es hier alles, was das Modellbau- und -Flugherz begehrt.

Manche Gäste sind dabei Besucher und Aussteller zugleich. Der Hofheimer Wolfgang Wegerle beispielsweise hat im Foyer seinen eigenen Stand aufgebaut, schlendert aber zwischendurch auch über die Börse. Sein Motto: „Ich darf erst etwas kaufen, wenn ich vorher auch etwas verkauft habe.“ Das Los des passionierten Modellbauers sei es nämlich, zu wenig Platz und zu wenig Zeit für all die Modelle zu haben.

Für viele Tüftler scheint das Modellbauen und -fliegen auch eine Familienangelegenheit zu sein. Wie Fabian und Opa Hans-Jürgen, bei dem die Leidenschaft erst durch seinen Enkel wieder so richtig aufgeflammt ist, geht es etlichen.

Auch Torsten und Horst Reiland sind gemeinsam aus Kaiserslautern gekommen. „Das Hobby hat mir mein Opa schon von Kindesbeinen an mitgegeben“, sagt Torsten über seinen Großvater.

Der baut mit 82 Jahren noch immer fleißig an seinen Flugzeugen. „Wir haben daheim eigentlich schon genug rumstehen“, verrät er. Aber was soll man machen – es macht halt einfach Spaß.“

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