Lampertheim

Morgen-Jazz Les Primitifs sorgen für Urlaubsstimmung mitten im Stadtzentrum / „Savoir-vivre“ pur bei den Gästen

Musikalischer Mistral weht über den Schillerplatz

Lampertheim.Heiße Töne und eine kühle Brise Wind bescherten den Zuschauern beim gestrigen Morgen-Jazz echtes Urlaubsgefühl mitten in Lampertheim. Schon früh waren die ersten Gäste zum Auftritt der Band Les Primitifs gekommen.

Auf zahlreichen Bierbänken hatten sie es sich gemütlich gemacht. „Der Morgen-Jazz ist doch der perfekte Einstieg in einen schönen Sonntag“, beschrieb Besucherin Judith Döring aus Lampertheim. „Wir freuen uns über gute Musik und jede Menge Spaß“, sagte Döring und erntete Zustimmung aus ihrer Gruppe.

Mit sanften, aber bestimmten Akkordeonklängen ging es dann los: Der Schillerplatz war Minuten später eingehüllt in durchdringende Klänge. Wer in der Fußgängerzone lief, konnte schon von weitem hören, wie der Kontrabass den Ton angab. Auf der Bühne jazzte die Besetzung Matthias Dörsam (Saxofon), Hans-Jürgen Götz (Schlagzeug), Michael Herzer (Bass) und Laurent Leroi (Akkordeon). Sie verzauberten ihr Publikum nach der Anmoderation von „Südhessen-Morgen“-Chef Martin Schulte mit einer Mischung aus Jazz, Musette und Klezmer. Viele der anwesenden Gäste kennen die Band schon lange, teilweise noch unter ihrem alten Namen Coleümes. In großer Zahl kamen auch Musikliebhaber mit dem Fahrrad zum Morgen-Jazz gefahren, zum Beispiel aus Mannheim. Als „Belohnung“ warteten dann die entspannte Musik und ein erfrischendes Getränk auf sie.

Savoir-vivre à Lampertheim

Denn unter schattigen Bäumen versammelt, mit Eisbecher und Kaltgetränk versorgt, lässt es sich doch leben. „Savoir-vivre“, wissen wie man (gut) lebt, das können die Lampertheimer. „Ich wusste es, Lampertheim liegt in Frankreich!“, kommentierte Laurent Leroi daher von der Bühne aus die Stimmung des Publikums und den strahlenden Sonnenschein. Applaus gab es auch für die vielen Soli der einzelnen Instrumente, die unter die Haut gingen: Kaum gab zum Beispiel die Klarinette in feschen Melodien den Ton an, reckten sich im Publikum die Arme in die Höhe und es ertönte rhythmisches Händeklatschen. Johlen und freudige Rufe zeugten davon, dass die Band beim Publikum abermals den richtigen Ton getroffen hatte.

Die Besucher hatten es sich gesellig auch auf den Bänken rund um den Schillerplatz gemütlich gemacht. Einige Jazz-Fans hatten sogar ihre Klappstühle mitgebracht und genossen neben der Musik Wein, Bier und andere Erfrischungen im Schatten. Neben der Bühne hatten sich Tanzfreudige versammelt: Kaum ertönten die Akkorde, hielten diese nicht mehr an sich und tanzten teilweise barfuß über das Pflaster. „Die Stimmung hier ist einfach beschwingt und beglückt“, sagte die Jazz-Begeisterte Birgit McRae, bevor sie wieder zum nächsten Tanzschritt überging.

Musik bewegt Publikum

„Überschwängliche Freude und die Lust an bitter-süßer Melancholie, Wildheit und Zärtlichkeit“, so beschreiben Les Primitifs ihre Musik. Sie erzählen instrumental von menschlichen Begierden und Leidenschaften – und das konnte man an diesem sommerlichen Sonntag hören. Aber nicht nur menschliche Fans hatte dieser Morgen-Jazz an diesem Tag. Ein kleiner Hund hatte es sich zwischenzeitlich auf dem Balkon über einer Bäckerei gemütlich gemacht – selbst er schien an seinem schattigen Plätzchen die jazzigen Töne zu genießen.

Das französische Wort „primitif“ bedeutet ins Deutsche übersetzt soviel wie: ursprünglich und unverfälscht. An diesem Tag hat die Band Les Primitifs wieder einmal bewiesen, dass ihre Musik genau das ist. Die reine Spielfreude war es, die an diesem Tag dominierte und in Form von Begeisterung auf das Publikum überging. Mit dem einen oder anderen Windhauch, der an den charakteristischen südfranzösischen Wind „Mistral“ oder auch an einen staubigen Luftzug im malerischen Pariser Montmatre-Viertel erinnerte, nahm die Musikgruppe alle Gäste mit auf eine Urlaubsreise in der eigenen Stadt.

Info: Eine Bildergalerie gibt es unter morgenweb.de/lampertheim

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