Lampertheim

Gesundheit Fast 50 Jahre hat Helmut Redig Blut gespendet / 13 Erstteilnehmer bei Aktion des Deutschen Roten Kreuz

Nach 114 Spenden ist Schluss

Archivartikel

Lampertheim.Einmal die Hand zur Faust ballen und dann fest auf die Einstichstelle draufdrücken. Für Helmut Redig ist das schon reine Routine. Seit fast 50 Jahren spendet der Lampertheimer mehrmals im Jahr einen kleinen Teil seines Lebenssafts. Doch nun ist damit altersbedingt Schluss. Der 72-Jährige hat das Maximalalter erreicht. Bei der Blutspende in der Siedlerhalle hat er sich zum letzten Mal die Nadel geben lassen.

Erklären muss ihm deshalb in der Halle niemand mehr etwas. Helmut Redig gehört seit Jahrzehnten zu den „Stammkunden“ des Deutschen Roten Kreuz in Lampertheim (DRK). Viele Ärzte des Blutspendediensts spricht er mit deren Vorname an – man kennt sich. Zum 114. und letzten Mal spendet er rund einen halben Liter Blut. „Wir sind hier schon zu einer festen Gemeinschaft geworden“, sagt Redig. Und doch ist bei seiner allerletzten Spende vieles anders als in den Jahren zuvor. Eine echte Zusammenkunft ist es diesmal nicht. Wie schon bei den zwei vorherigen Terminen im vergangenen Jahr verzichtet das DRK wegen der Corona-Einschränkungen auf den traditionellen Imbiss. Stattdessen erhält jeder Teilnehmer einen „Imbiss-to-go“ – also eine Tüte mit einer Tafel Schokolade, einer Neujahrsbrezel und einer Suppe im Glas.

Abnahme im 15-Minuten-Takt

Ohnehin ist der Spendetermin auf eine möglichst kurze Verweildauer in der Halle getrimmt. Teilnehmen kann nur, wer sich vorher angemeldet hat. Jeder erhält eine feste Ankunftszeit. Im 15-Minuten-Takt werden je zehn Spendewillige eingelassen. Nach einer Temperaturmessung stehen ausgiebige Hand-Desinfektion und das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes auf dem Programm.

Von insgesamt 174 Besuchern wies der Blutspendedienst neun Personen zurück. „Auch das gibt es“, erklärt der Lampertheimer DRK-Chef Christian Schmidt, „die Gesundheit und Sicherheit der Spender steht immer im Vordergrund“. Mit Schmidt waren insgesamt sechs Ehrenamtliche aus Lampertheim vor Ort. Sie sind besonders dankbar, dass die Siedlergemeinschaft die Halle kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Dass trotz der Corona-Pandemie so viele kamen, haben sie auch Menschen wie Helmut Redig zu verdanken.

Wie er ursprünglich zum Blutspenden kam, weiß er gar nicht mehr so genau. „Das war in den 70er-Jahren. Es war halt Bedarf da und ist heute noch notwendig“, erklärt er. Bedenken wegen etwaiger Menschenansammlungen hat er nicht. „Ich fühle mich hier sehr sicher und Blut wird auch während der Corona-Pandemie gebraucht“, betont Redig. Im Laufe der Jahre hat er auch „seine Jungs“ und deren Kumpels überzeugt und brachte sie regelmäßig mit. Künftig müssen die allerdings ohne ihn auskommen.

Denn schon jetzt darf Helmut Redig nur mit Ausnahmegenehmigung seines Hausarztes teilnehmen. Eigentlich dürfen nur Menschen vom 18. bis zur Vollendung des 69. Lebensjahres Blut spenden. Neben dem Routinier nehmen an diesem Tag auch 13 Erstspender teil. Für sie alle hat der Termin sogar einen gesundheitlichen Vorteil: Sollte an den Blutwerten etwas nicht stimmen, werden die Spender kostenlos informiert. Untersucht wird der Lebenssaft nicht nur auf die Blutgruppe und den Rhesusfaktor. Das Blut wird auf HIV (AIDS), Hepatitis B und C (Gelbsucht) sowie Syphilis untersucht, außerdem bestimmt das Labor den Leberwert.

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