Lampertheim

Neuschloss Kinder setzen sich mit Lichterzug für den Wald ein

Nachwuchs-Demo gegen ICE-Trasse

Archivartikel

Neuschloß.Mit einem Lichterzug setzten die Kindertagesstätte Neuschloß, der Waldkindergarten Fuchsbau und die Kinderkrippe Zwergenschloss diese Woche ein Zeichen für die Erhaltung des Waldes.

Das Thema ICE-Trasse im Lampertheimer Wald ist in Lampertheim und dem Stadtteil Neuschloß schon seit einiger Zeit allgegenwärtig. Doch es sorgt nicht nur bei den Erwachsenen für Aufregung. Selbst die jüngsten Mitbürger haben ihre Bedenken. „Es ist erstaunlich. Die Kinder haben den Streit um das Projekt bei Gesprächen unter Erwachsenen mitbekommen und machen sich auf einer sehr vereinfachten Ebene ihre eigenen Gedanken dazu“, erzählte Heike Heiß, Leiterin der Kita in Neuschloß. Immer öfter kamen Kinder auf die Erzieher zu und stellten Fragen wie: Warum müssen die Bäume weg? Kann man sie nicht einfach stehen lassen? Müssen die Tiere dann umziehen? Und wo wohnen die Vögel dann?

Große Naturverbundenheit

Die Neuschlosser Kinder wachsen sehr naturverbunden auf. „Wir machen oft kleine Ausflüge in den Wald. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Kinder ihn zu schätzen wissen. Sie sollen keine Äste abreißen, da das die Bäume verletzt, und nicht auf Büsche schlagen, da sie dadurch Tiere verschrecken könnten“, erklärte die Leiterin der Kita. Daher fällt es den Erziehern schwer, ein Projekt wie die ICE-Trasse den Kindern gegenüber zu rechtfertigen. „Die Kinder können nicht verstehen, warum sie auf den Wald aufpassen sollen und andere ihn zerstören wollen.“ Um die Sorgen der Kinder aufzugreifen, ersetzte man in diesem Jahr den Martinsumzug durch einen Lichterzug. „Dabei geht es uns nicht um einen Protest gegen die Bahntrasse, sondern vielmehr um eine Aktion für den Wald,“ so Heiß.

100 Kinder ziehen los

So trafen sich etwa 100 Kinder aus der Neuschlosser Kita, der Kinderkrippe Zwergenschloss und dem Waldkindergarten Fuchsbau mit ihren Eltern und Großeltern am Waldspielplatz. Dort sangen sie voller Überzeugung einstudierte Lieder über den Wald und die Tiere. Mit bunt leuchtenden Upcycling-Laternen und -Fackeln, die zum Beispiel aus PET-Flaschen gebastelt wurden, zog die große Gruppe am Wald entlang und durch die Straßen bis zur Kita, wo es zum Abschluss für alle Glühwein und Kinderpunsch gab –„natürlich nachhaltig ohne Einweggeschirr,“ betonte Heiß. Den Vorwurf, die Erwachsenen würden die Kinder für eigene Interessen instrumentalisieren, wies die Kita-Leiterin ganz klar zurück. Die Kinder seien von sich aus auf die Betreuer zugekommen, da sie sich Sorgen um ihren Wald machten. An der Einfachheit ihrer besorgten Fragen merkt man, das die Kinder sich auf einer ganz anderen Ebene mit dem Thema auseinandersetzen. Ihnen geht es lediglich um die Tiere und den Erhalt des Waldes. Was genau hinter dem Projekt Trasse steckt, wissen die Kinder nicht. Heiß ist sich sicher: „Züge finden sie auch toll. Aber sie verstehen nicht, warum dafür der Wald zerstört werden soll.“ gün

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