Lampertheim

Gut fürs Klima Fachkräfte im Bereich Garten- und Landschaftsbau sind schwer zu finden / Betriebsdienste bilden selbst aus

Nachwuchsgärtner lassen die Stadt grüner werden

Lampertheim.Die „Fridays for Future“-Bewegung mit ihren vielen jungen Aktivisten könnte für die Städtischen Betriebsdienste mehr Azubis im Bereich Garten- und Landschaftsbau bringen. Das jedenfalls hofft Leiterin Sabine Vilgis, dämpft jedoch im Gespräch mit unserer Zeitung gleich die Erwartungen. „Bis so eine Welle durchschlägt, dauert es meist eine Zeit lang“, meint sie.

Derzeit sind Auszubildende – wie überall im Handwerk – auch im grünen Bereich Mangelware. Lars Bernet allerdings, der gerade eine Lehre zum Gartenbauhelfer beim Lampertheimer Bauhof macht, ist begeistert. „Schon als ich klein war, habe ich zu Hause gerne im Garten gearbeitet. Das habe ich von meinem Opa“, erzählt der 16-Jährige und lacht. Später sei er bei einem Projekt in der Biedensandschule dabei gewesen, bei dem Mitarbeiter der Betriebsdienste zeigten, wie eine Kräuterspirale angelegt wird. Davon begeistert, meldete sich Lars für ein Praktikum beim Bauhof und begann dort schließlich seine Ausbildung.

„Er ist handwerklich sehr geschickt“, lobt Ausbildungsleiter Thomas Schramm. „Solche Leute brauchen wir, die für das Thema brennen“, sagt Sabine Vilgis. Neben der Ausbildung zum Gartenbauhelfer bieten die Betriebsdienste aber vor allem die Gärtnerlehre der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau an.

Diese hat viele Facetten: Die Azubis legen Grünanlagen an, verschönern die Umgebung mit Teichen und Pergolen. Sie gestalten die Landschaft durch das Anlegen von Rasenflächen, das Pflanzen von Bäumen, Sträuchern, Stauden und einjährigen Blumen. Sie pflastern Wege und Plätze, bauen Treppen und Trockenmauern, begrünen Dächer und Fassaden, legen Biotope an und pflegen sie.

„Zu sehen, wie sich Pflanzen entwickeln, wie man das Aussehen einer Stadt mit viel Grün ändern kann, begeistert mich – auch nach Jahrzehnten“, gerät Leiterin Sabine Vilgis ins Schwärmen. Sie ist ein Eigengewächs des Betriebshofs, hat ihre Ausbildung selbst schon bei Thomas Schramm begonnen.

Damit ist die Chefin ein Beispiel, wie man sich später in dem Beruf entwickeln kann. Die Lehre dauert normalerweise drei Jahre, Abiturienten können auf zwei Jahre verkürzen. Die Weiterentwicklungsmöglichkeiten danach sind vielfältig: Etliche Gärtner setzen einen Techniker-Ausschluss obendrauf, machen ihren Meister, werden nach einem Studium an der Fachhochschule oder der Universität Ingenieur. „All diese Leute werden dringend gesucht“, macht Sabine Vilgis deutlich, „nicht nur bei den Kommunen, sondern auch in der Privatwirtschaft“.

Die städtischen Betriebsdienste sind offen für alle Arten von Einsteigern: Praktikanten, Ferienhelfer, junge Menschen, die sich für das Bundesfreiwilligenjahr entscheiden. Aber auch Umsteiger sind willkommen. „Wir hatten vor ein paar Jahren eine Frau, die mit einem Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen gekommen ist, dann aber nicht ins Controlling wollte und hier einen sehr guten zweiten Abschluss gemacht hat“, berichtet Thomas Schramm.

Weibliche Bewerber müssten sich keine Sorgen wegen allzu schwerer Arbeit machen: „Die Maschinen nehmen uns viel ab“, erklärt Sabine Vilgis. Und für viele Auszubildende sei gerade die Beschäftigung mit Radlader, Rüttler, Motorsäge, Freischneider und Co. spannend.

Neben vielen Kniffen mit der Technik wird in der Ausbildung aber auch einiges an Theorie verlangt. „Schließlich müssen die Kollegen berechnen, wie viel an Erde, Rinde oder Pflastersteinen auf einem Lkw transportiert werden kann. Oder sie müssen überlegen, wie Rohrleitungen am besten verlegt werden, um eine Fläche optimal zu beregnen“, erläutert der Ausbildungsleiter.

Insbesondere auch in Sachen Naturschutz wird den Azubis inzwischen einiges an Wissen vermittelt, so Vilgis.

Welche Alternativen zu herkömmlichen Spritzmitteln gibt es? Welche Stauden sind besonders als Futterpflanzen für Bienen geeignet? Oder: Wie lässt sich ein Biotop für Eidechsen anlegen? „Wenn wir auf diese Fragen gute Antworten finden, können wir hier vor Ort unseren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, zum Umwelt- und zum Klimaschutz leisten“, betont Sabine Vilgis. Ganz im Sinne der „Fridays for Future“-Bewegung.

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