Lampertheim

ÖPNV SPD will Modernisierung gemeinsam mit FDP vorantreiben

Nahverkehr wird Thema im Stadtparlament

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Busse ohne festen Plan, die nur auf Nachfrage fahren. Tickets per App, ehrenamtlich Busfahrer, Mitfahrbänke oder geteilte Autos – sieht so die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in Lampertheim aus? Die Zukunft scheint im Zusammenspiel von Verkehrswende und Digitalisierung kaum absehbar. Der ÖPNV steht vor seinem vielleicht größten Wandel seit Jahrzehnten.

In der Spargelstadt sind zwar kurzfristig keine technischen Revolutionen zu erwarten. Mit Blick auf die neue Ausschreibung für die ÖPNV-Konzession hat die Stadtverordnete und Fahrgastbeiratsvorsitzende Lara Strubel nun aber in SPD-Themenpapier mit Zukunftsideen vorgestellt. Einige davon will die sozialliberale Koalition in die kommende Sitzung des Stadtparlaments am 13. Dezember einbringen.

Viele Elemente für den Wandel

Die Sozialdemokraten denken dabei nicht an große, technische Innovationen. Es geht vielmehr um eine Mischung aus angepassten, klassischen Angeboten, kleinen Verbesserungen und ehrenamtlichen Aktionen. „Das soll gleichzeitig Emissionen einsparen und Versorgung sowie Teilhabe aller sicherstellen“, sagte Lara Strubel. Den Stadtteilen komme eine besondere Bedeutung zu. „Es geht um die Frage: Wie soll unsere Stadt verkehrstechnisch aufgestellt sein?“, untermauerte Fraktionsvorsitzender Marius Schmidt, „das geht weg vom reinen Bus-Thema. Wir müssen in verschiedenen Verkehrsmedien denken“.

Dabei wolle man keine Angebote kappen, sondern ergänzen. Zu den Ideen der SPD gehören unter anderem: Ein Flexi-Bus-System: Bestimmte Busse fahren „on demand“ – also nicht mehr permanent nach Fahrplan, sondern nur noch auf Nachfrage. Das könne etwa über eine App gesteuert werden. Organisierte Mitfahrgelegenheiten und -Apps. Dazu gehört beispielsweise um die Idee eines Bürger-Busses. Dabei handelt es sich um ein ehrenamtlich getragenes, vom Land Hessen gefördertes Projekt mit Kleinbussen, das vor allem die Stadtteile besser versorgen könnte. Es soll nicht in Konkurrenz zum ÖPNV oder dem Taxi-Gewerbe stehen. Auch erachtet die SPD Mitfahrbänke als sinnvolle Ergänzung. Bürger können dort Platz nehmen und ein Schild umklappen, um zu signalisieren, dass sie auf eine Mitfahrgelegenheit hoffen. Die Bänke könnten an wenig frequentierten Orten aufgestellt werden. Auch Mitarbeiter-Busse sind Teil des SPD-Konzepts. Die Stadt könnte Firmen bei solchen Angeboten unterstützen.

Mehr Car-Sharing

Auch Car-Sharing halten die Sozialdemokraten für ein geeignetes Mittel. Ein System gibt es in der Stadt bereits. Es stehen aber nur zwei Autos bereit. Die SPD wünscht sich mehr Stationen und mindestens ein Auto pro Stadtteil. Das Angebot der VRN-Next-Bikes soll ausgebaut werden. In jedem Stadtteil sollte aus Sicht der SPD mindestens eine Station stehen. Auch sprechen sich die Genossen für einen Frauen-Nachtfahrdienst aus. Ähnlich wie in Mannheim oder Viernheim könnten Frauen im Alter von mindestens 14 Jahren das Angebot nutzen – entweder zu einem Pauschalbetrag oder zu vergünstigten Taxi-Preisen.

Mehr Ladestationen für E-Autos sowie der Ausbau der Barrierefreiheit ist aus Sicht der Lampertheimer Genossen ebenfalls erstrebenswert. Sie werben ferner für die Einführung der „Preisstufe 0“. Damit könnte der Preis einer Einzelfahrt von 2,10 Euro auf 1,70 Euro sinken. Mit einer „Bus-Schule“ sollen außerdem Kinder und Senioren für den Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschult werden.

Die Fraktion habe das Aktionspapier bereits in Koalitionsgespräche eingebracht. „Wir messen dem ÖPNV eine große Bedeutung bei“, betonte Marius Schmidt. Schon jetzt bezuschusse die Stadt die hiesige Verkehrsgesellschaft VTL mit 300 000 Euro jährlich. Um den ÖPNV zukunftsfähig zu machen, wolle man mit der FDP eine parlamentarische Initiative starten. Die Koalition will Themen wie die Preisstufe 0, Bürger- und Flexi-Bus, Mitfahr-Apps und den barrierefreien Ausbau in Form eines Antrages in die Stadtverordnetenversammlung einbringen.

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