Lampertheim

Nabu Lampertheim Population hat etwas abgenommen

Naturschützer kontrollieren die Nistkästen

Lampertheim.Vier Vereinsmitglieder der Lampertheimer Nabu-Gruppe treffen sich am Restaurant Waldesruh. Nach einer kurzen Absprache treten sie wieder trotz Hitze emsig in die Pedalen. Die Naturschützer haben an dem Nachmittag viel vor. Sie werden stundenlang durch den Lampertheimer Stadtwald streifen, um 170 Nistkästen zu kontrollieren.

Die Kästen mit den Nummern eins und zwei schauen sie sich gemeinsam an. Sie stellen ihre Fahrräder ab und pirschen durch den Wald. Ralf Gerlach hängt die Nistkästen mit einer langen Stange von den Bäumen ab und öffnet sie behutsam. Aus einer Laune heraus dürfe man nicht in die Kästen hineinschauen, weil die Vögel gestört würden, betonen die Naturschützer. Im ersten ist eine Trauerschnäpper-Kinderstube zu entdecken. Der Nachwuchs ist auf Zweigen, Gras und Buchenlaub gebettet. „Die Jungvögel sind kurz vorm Ausfliegen“, vermutet Vogelschutzexperte Gerd Will. Während Gerlach den nächsten Kasten öffnet und verlassene, türkisfarbene Eier vorfindet, hört Dieter Melchior einen Vogelwarnruf aus einiger Entfernung. Der könne von den dazugehörenden Trauerschnäpper-Eltern stammen. „Die vorgefundenen Eier können schon die zweite Brut sein“, vermutet Will. Trauerschnäpper bevorzugten als Lebensraum Mischwald und brüten in Baumhöhlen oder eben in Nistkästen, ist von den Naturschützern zu erfahren.

Bestandsvermehrung gewünscht

Das Aufhängen von Kästen soll zu einer Bestandsvermehrung führen. Viele Vögel wie Trauerschnäpper, Meisen und Kleiber sind Höhlenbrüter, die zu wenig natürliche Bruthöhlen vorfänden. Die Nabu-Fachleute verraten noch, dass schon die Bauart eines Nestes über den Bauherren Auskunft gebe. Dann teilt sich die Truppe. Das Ehepaar Lucie und Ralf Gerlach übernimmt den vorderen Teil des Waldes, Dieter Melchior und Gerd Will radeln weiter. Bereits im zeitigen Frühjahr war Naturschützer Ralf Gerlach losgezogen, um die Nistkästen auf Vollständigkeit zu kontrollieren und zu reinigen. Gerlach hatte das alte Nistmaterial herausgenommen, denn darin könnten sich Kleinstlebewesen befinden und der Brut schaden. Es sei auch schon vorgekommen, dass einige Kästen ganz verschwunden waren, erklären die Naturschützer. Mit den Plänen in den Händen suchen sie nun nach jedem nummerierten Nistkasten, um den Bruterfolg der Singvögel dokumentieren zu können. Was sich im belaubten Wald manchmal nicht leicht gestaltet.

„Knuffige Fledermäuse“

Über die Nistkastenkontrolle sagt Ralf Gerlach später: „Alles in Allem haben wir auch dieses Jahr wieder eine Bandbreite an Vögeln entdeckt. In zwei Kästen waren Fledermäuse. Das ist immer wieder ein kleines Highlight, da die Jungen wirklich knuffig aussehen.“ Jedoch sei den Naturschützern auch aufgefallen, dass die Population gegenüber dem vergangenen Jahr eher etwas abgenommen habe. „Das mag daran liegen, dass in diesem Jahr alles etwas früher stattfindet“, sagt Gerlach. Er und seine Nabu-Kameraden Will und Melchior berichten auch über viele leere Nester. „Der Nachwuchs wird schon ausgeflogen sein“, denkt Will. Deshalb empfehlen beide, dass die Kontrollgänge eine Woche eher erfolgen sollen. Der Trupp hat Kohlmeisen-Nachwuchs gesehen und etliche Nisthilfen gefunden, bei denen die Einfluglöcher zugeklebt waren. Diese deuteten auf eine Kleiber-Wohnung hin. Außerdem fanden Will und Melchior in zwei Kästen Hornissennester. Für den Nestbau bevorzugten sie Hohlräume wie Vogelnistkästen, wissen die Naturschützer. Bei ihrer nächsten Zusammenkunft wollen die Vereinsmitglieder ihren Kontrollgang besprechen. roi

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