Lampertheim

Aktion Nabu ruft zum Erfassen von Käfern, Bienen und Libellen auf / Ortsverein Lampertheim warnt vor Folgen des Insektensterbens

Naturschützer wollen Insekten zählen lassen

Archivartikel

Lampertheim.Der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland ruft zum Insektenzählen vom 2. bis 11. August auf. Mit dieser Aktion „Zählen, was zählt“ können Teilnehmer das Brummen und Surren im eigenen Garten, auf dem Balkon oder in Park und Wald, erforschen; indem sie eine Stunde lang die Hochsommerarten beobachten und ihre Betrachtungen aufzeichnen.

Mit ihren Ergebnissen können die Bürger an der bundesweiten Meldeaktion für Insekten teilnehmen und ihre Beobachtungen melden. Im Internet, auf der Homepage des Nabu unter dem Link Insekten zählen, gibt es ein Online-Meldeformular. Mit der Nabu-App „Insektenwelt“ können die Interessierten über 120 Sechsbeiner per Foto bestimmen und ihre Meldung abgeben.

Der Nabu will mit dieser Aktion erfahren, wo bestimmte Arten häufig auftauchen. Laut Andrea Hartkorn, der Vorsitzenden des Lampertheimer Naturschutzbundes, sind Insekten für das Gleichgewicht der Ökosysteme unentbehrlich.

Jedoch seien die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen. Das alarmierende Verschwinden der Insekten sei vermutlich auf eine ganze Reihe von Ursachen zurückzuführen, die noch weiterer Erforschung bedürfen. Dazu zähle etwa eine intensive Landwirtschaft, zu der auch ein starker Einsatz von Pestiziden gehöre, wie auch die Überdüngung. Dies sorge ebenso für eine Minimierung der Pflanzenwelt wie auch die wachsende Zahl von Monokulturen und der fortschreitende Flächenfraß.

Lebensräume verschwinden

Auch der Klimawandel spiele eine Rolle. Durch ihn gingen wichtige Nahrungshabitate für Insekten verloren. Auch durch den Verlust ökologisch hochwertiger Flächen wie Brachen oder extensiv genutztes Grünland würden Insekten notwendige Lebensräume entzogen. So gebe es auch zunehmend weniger bunte Blumenwiesen, aber mehr sterile und insektenfeindliche Privatgärten mit Steinen und Schotter.

Die Nabu-Insektenzählung besitze Symbolcharakter und sei ein Schritt, um der Natur etwas Gutes zu tun. Die Aktion biete den Beteiligten die Möglichkeiten, sich in der Natur aufzuhalten und Einblicke in die vielfältige Welt der Insekten zu erhalten. „Wer Natur schützen will, muss sie verstehen“, sagt Hartkorn. Sie weist außerdem darauf hin, dass die Rostrote Mauerbiene als Insekt des Jahres 2019 gekürt wurde.

Sie ist wichtig für die Bestäubung von Blüten, vor allem der Obstbäume. In der Wahl ihrer Nistplätze sei sie flexibel, sie niste zum Beispiel in Holz, Löcher in Löß- und Lehmwänden und alten Pflanzenstängeln. Die Rostrote Mauerbiene kommt auch in Lampertheim vor. Und zwar noch relativ häufig, da sie anspruchslos sei. Man nennt sie Generalisten, sagt Hartkorn. Wenn die Vorsitzende der Lampertheimer Nabu-Gruppe Führungen durch die Grube Feuerstein unternimmt, bleibt sie in Höhe des Sandhügels stehen, in dem Wildbienen nisten. Dann erklärt sie den Besuchern die Wichtigkeit der Wildbienen. Dass sie kleine, faszinierende Wesen seien, aber sich ihr Bestand durch fehlenden Nistmöglichkeiten verringere. „In Deutschland sind etwa 550 Arten von Wildbienen heimisch“, sagt Hartkorn.

Auch Wildbienen gefährdet

Diese erfüllten die große Aufgabe des Bestäubens von Nutzpflanzen. Da viele Wildbienenarten gefährdet seien, besonders auch spezialisierten Arten, wollen die Ehrenamtlichen die Nützlinge schützen. Ein Grund sei die intensive Landwirtschaft des Menschen. Die wirke sich negativ auf den Lebensraum der Wildbienen aus.

Manche wollten ihren Beitrag zum Naturschutz leisten und kauften oder bauten Insektenhotels. „Leider bringen viele Nisthilfen keinen Nutzen, da die Bauweise unsachgemäß und Materialien ungeeignet sind“, betont Hartkorn. Wer Insekten ein Zuhause geben möchte, der sollte sich vorher informieren, wie man am wirkungsvollsten künstliche Nistgelegenheiten baut.

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