Lampertheim

Nicht alternativlos

Archivartikel

Uwe Rauschelbach über die Lage an der Stromtrasse

Den Besuch zweier Bundestagsabgeordneter kann die Interessengemeinschaft „Wir stehen unter Strom“ als Erfolg für ihre Öffentlichkeitsarbeit verbuchen. Dass Christine Lambrecht (SPD) und Till Mansmann (FDP) das erwünschte Ziel – die Erdverkabelung – erreichen werden, ist dagegen nicht zu erwarten. Die Sozialdemokratin hat vor Ort deutlich gemacht, dass auch eine Bundesjustizministerin keine Wunder vollbringen kann. Und ein Liberaler ohne energiepolitischen Einfluss wird sich für das Anliegen der Lampertheimer Bürger über freundliche Solidaritätsbekundungen hinaus nicht weiter verwenden können – schon gar nicht in der Opposition. Selbst mit CDU-Mann Michael Meister im Terzett erscheinen die Aussichten, die Starkstromleitungen unter die Erde zu bringen, zumindest bescheiden.

Dennoch stehen die Bewohner des Lampertheimer Wohngebiets Rosenstock nicht mit leeren Händen da. Ihnen und den Kommunalpolitikern ist es zu verdanken, dass die Stadt mit Blick auf den geplanten Ausbau der Stromtrasse inzwischen eine gemeinsame Linie vertritt: Verschwenkungen in einer Entfernung von 200 Metern zur Wohnbebauung. Das bedeutet: Die mittlere von insgesamt drei Leitungen, die parallel über Lampertheimer Gemarkung verlaufen, soll in diesen Abschnitten herausgelöst und in einem weiteren Bogen um die Häuser herumgeführt werden. Das dürfte den Anwohnern, sollte Amprion mitspielen, wenigstens einen Teil ihrer Befürchtungen bezüglich der noch nicht erforschten Gesundheitsrisiken einer Gleichstromleitung nehmen.

Dass diese Befürchtungen nicht übertrieben sind, hat der Lokaltermin unweit der in den Himmel ragenden Strommasten gestern auch deutlich gemacht. Mag die Energiewende mit Blick auf den Klimawandel auch alternativlos scheinen – ihre Umsetzung ist es nicht.

 
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