Lampertheim

Medizin Ausweise jetzt im Haus am Römer erhältlich / Stadt und Kreis werben für Beschäftigung mit sensiblem Thema

Organspende – auch ein Nein ist wichtig

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Rund 10 000 Menschen warten in Deutschland auf ein lebenswichtiges Spenderorgan. Viele tun das jahrelang – und viele warten vergeblich. Statistisch gesehen sterben täglich drei Patienten auf den Wartelisten. Trotzdem beschäftigen sich viele Menschen kaum mit dem Thema. Das wollen die Stadt Lampertheim und der Kreis Bergstraße ändern. Denn eine Entscheidung dafür oder dagegen ist ganz einfach. Schon ein Kreuz genügt. Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz hat dazu eine Tafel mit Organspendeausweisen an Bürgermeister Gottfried Störmer übergeben. Sie sollen ab sofort im Eingang des Haus am Römer hängen.

Die Idee: Bürger können „im Vorbeigehen“ einen der orange-weißen Ausweise mitnehmen. Der sei binnen kürzester Zeit ganz unkompliziert mit ein paar Kreuzen ausgefüllt. Und schon kann jeder nach seinem Ableben zum Lebensretter werden oder seinen Angehörigen die Entscheidung abnehmen. Denn was viele nicht wissen: Auf dem Ausweis kann auch „Nein“ oder ein „Ja, aber“ mit individuellen Einschränkungen angekreuzt werden. Einer offiziellen Registrierung bedarf es nicht. Nach Fürth ist Lampertheim erst die zweite Kommune im Kreis mit einer solchen Tafel.

„Einen Organspendeausweis zu besitzen, muss nicht gleichzeitig heißen, Spender zu sein“, betonten auch Charlotte Steeg und Saskia Volz von der studentischen Initiative „Aufklärung Organspende”. Aber es bedeute, eine Entscheidung getroffen zu haben. „Egal wie man sich entscheidet – das Wichtigste ist, dass man sich entscheidet“, stimmte auch Diana Stolz in den Tenor ein.

„Ergebnisoffene Aufklärungsarbeit“ nennt die Gesundheitsdezernentin das, was sie in Kooperation mit der Stadt Lampertheim und Multiplikatoren wie dem Gesundheitsnetz der Ärzteschaft Lampertheim (GALA) oder dem Roten Kreuz voran treiben will. Am Ende, betonte Stolz, müsse jeder selbst mit er Entscheidung leben können. „Unverantwortlich“ findet die Kreisbeigeordnete lediglich, keine Entscheidung zu treffen. Damit wälze man eine ungeheure Verantwortung auf die Angehörigen in schlimmster Stunde ab. Ein „Nein“ sei deshalb genauso wichtig wie ein Ja.

Bei der Pressekonferenz forderte die Gesundheitsdezernentin deshalb eine Entscheidungspflicht. Dafür plädierte auch Uwe Korst. Er litt selbst an einer genetischen Nierenerkrankung und konnte durch eine Lebensspende seiner Frau gerettet werden. Heute ist er Patientenvertreter chronisch Nierenkranker – das bei weitem häufigste, transplantierte Organ – und sagt: „Viele Menschen müssten nicht sterben“.

Die Beteiligten sehen sich deshalb in der Aufklärungsverantwortung. Ohne Zwang wollen sie mehr Menschen für das Thema sensibilisieren. Ein wichtiger Ansatzpunkt sind Schulen. Vorreiter ist die Lampertheimer Alfred-Delp-Schule, wo regelmäßig Aktionstage stattfinden. „Kinder nehmen das Thema ganz anders auf, tragen es auch in ihre Familien“, bestätigte der stellvertretende Schulleiter Alexander Böhm.

Einer, der die Entscheidung schon lange getroffen hat, ist Bürgermeister Gottfried Störmer. Seit über 20 Jahren trägt er den Organspendeausweis bei sich. Er hofft, dass das „lebenswichtige Thema“ nun intensiver in Lampertheim diskutiert wird. Mit rund 30 000 Kontakten jährlich sei das Haus am Römer der ideale Ort dafür. „Ich hoffe, der Kreis muss bald schon Nachschub liefern“, freute er sich. ksm

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