Lampertheim

Stadtbild Hinter Waldfriedhof soll 2020 ein Biotop entstehen

Pächter für Tierfriedhof gesucht

Lampertheim/Neuschloss.Ein zerkauter Ball liegt als Andenken auf dem gepflegten Grab inmitten der großen Wiese. Hier hat die Hündin Nala ihre letzte Ruhe gefunden, hier kann ihr Herrchen dem geliebten Vierbeiner noch einmal ganz nah sein. Einen solchen Ort der Erinnerung, wie ihn Sabine Vilgis, Leiterin der Technischen Betriebsdienste, auf einem Foto zeigt, soll es bald auch in Lampertheim geben. Dort, wo jetzt noch Erdhügel und Wiese hinter den Grabstätten für Menschen sind, sollen bald Tiere begraben werden können.

Auf einer entwidmeten Fläche des Waldfriedhofs bei Neuschloß soll neben einem Biotop auch ein Tierfriedhof entstehen. Zwei „wichtige und sinnvolle Maßnahmen“, sagte Marius Schmidt am Montagabend. Mit seinen Genossen sah sich der SPD-Fraktionsvorsitzende das Gebiet vor Ort an und ließ sich von Sabine Vilgis den aktuellen Stand der Pläne zeigen. Die rund 1,6 Hektar große Freifläche auf dem nordwestlichen Teil des Friedhofs wurde schon vor zwei Jahren entwidmet, weil sie schlichtweg nicht mehr gebraucht werde.

„Die Bestattungskultur verändert sich“, erklärte Schmidt. Tatsächlich geht der Platzbedarf für Gräber in Deutschland seit Jahren zurück. Zwei von drei Toten würden heute eingeäschert, sagt die Verbraucherinitiative Bestattungskultur „Aeternitas“ – Tendenz deutlich steigend. Der Stadtfriedhof in Lampertheim beispielsweise hat schon vor Jahrzehnten seine letzte Grabstätte verkauft, immer mehr Flächen werden dort in Grünflächen umgewandelt. Mitte des Jahrhunderts soll der Friedhof komplett entwidmet werden. Die SPD setze sich für den Erhalt der verbleibenden Stadtteilfriedhöfe ein, betonte Schmidt.

Ein Tierfriedhof hat seiner Meinung nach drei Vorteile: „Wir nutzen die Fläche sinnvoll, bereichern unsere Bestattungskultur mit einem würdevollen Andenken an Tiere und erhalten dafür Pacht.“ Die Stadt will den rund 500 Quadratmeter großen Tierfriedhof nicht selbst betreiben, sondern sucht einen Pächter.

Während die Ausschreibung dafür läuft, nehmen die Pläne für das Biotop konkrete Formen an. „Es soll etwa zwei Drittel der Freifläche einnehmen“, erklärte Vilgis. Neben Wasser- und Uferflächen, Obstbäumen und Wiesen für Insekten und Bienen soll es auch einen Naturlehrpfad enthalten und für Schulklassen zugänglich sein.

Sowohl Tierfriedhof als auch Biotop würden klar „mit Zaun und Bepflanzung vom Menschenfriedhof abgegrenzt“, unterstrich Vilgis. Dafür sind auch eine separate Einfahrt und ein Parkplatz mit zehn bis zwölf Plätzen geplant. Eine Umsetzung erfolgt laut Vilgis frühestens 2020.

Erster Stadtrat Jens Klingler kündigte an, die Kosten für das Biotop als Ausgleichsfläche mitzufinanzieren. So würden geplante Kosten von 125 000 Euro nicht komplett den städtischen Haushalt belasten. ksm

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