Lampertheim

Konzert Dobrin Stanislawow verzaubert sein Publikum in der Hüttenfelder Gustav-Adolf-Kirche

Panflöten-Musik entführt Zuhörer in die Welt der Fantasie

Archivartikel

HÜTTENFELD.Eben noch zwitschern fröhlich die Vögel im Wald, im nächsten Moment schon wandeln wir mit den Aborigines über die rote Erde des australischen Outbacks. Vorbei an den mythischen Felsformationen, weiter durch die feuchtnassen Wälder Thailands und Indonesiens, bis wir in fürchterlichem Sturm die Gipfel der kolumbianischen Anden erklimmen. Selten zuvor bot die evangelische Gustav-Adolf-Kirche in Hüttenfeld Raum für so viel Fantasie. Doch wenn Dobrin Stanislawow zur Panflöte greift, gehen die Gedanken auf wundersame Wanderschaft.

Viel Fantasie braucht es dabei gar nicht, um dem außergewöhnlichen Musiker zu folgen. Mit vermeintlich einfachsten Mitteln entführt dieser Virtuose seine Zuhörer auf eine Reise. Eine fast schon spirituelle Reise in ferne Länder und zurück zu sich selbst. Die Besonderheit und Schwierigkeit zugleich der musikalischen Leistung liegt hier gerade im Einfachen. Im Fokus auf das Wesentliche. Was anderen Künstlern nicht mit elektronischer Unterstützung gelingt, schafft der Magdeburger spielerisch. Weil er ein Meister seines Faches ist.

Lediglich mit einer rumänischen Panflöte spaziert er zu Beginn von der Eingangspforte durch die Zuschauerreihen. Was sich zunächst nach ebenjenen, täuschend echten Vögeln anhört, wandelt sich schnell. Stanislawow entlockt seiner Panflöte, die aus mehreren kleinen Holzflöten besteht, mal rasend schnelle, mal tiefe und lange Tonabfolgen. Dabei dreht sich seine Musik nicht nur um klassische Töne, sondern auch um unkonventionelle Rhythmen und Geräusche. Einer festen Komposition folgt er ohnehin nicht. Notenständer? Fehlanzeige. Der in Meiningen geborene Künstler folgt vielmehr seinem eigenen, musikalischen Instinkt. Völlig in sich versunken lässt er sich von der Musik selbst leiten. Dabei beweist er unglaubliche Ausdauer, flötet minutenlang ohne Pause und entlockt dem Holzinstrument immer wieder neue, unbekannte Laute.

„Musik aus dem Moment“

Er selbst nennt das „Musik aus dem Moment“. „Überraschungen sind vorprogrammiert“, erklärt er den Besuchern in der stimmungsvoll hergerichteten Kirche, „auch für mich selbst“. Etwa, als er später eine komplexe Bach-Komposition mit seinen „Ur-Instrumenten“ zum Besten gibt. Noch überraschender kommt für die Zuschauer aber sein „nonverbaler Obertongesang“. Will heißen: Stanislawow bedient sich keiner Wörter oder Sprachen, sondern singt, wie es die Ureinwohner der Mongolei schon vor Tausenden von Jahren getan haben. Beim sogenannten „Khoomei“ ahmt er natürliche Geräusche nach, kann simultan sogar mit zwei verschiedenen Stimmen singen.

Passend dazu lässt Stanislawow mit seiner Ocean Drum das Rauschen des Meeres ertönen, spielt Didgeridoo, bedient Rasseln aus Südamerika und baulich unterschiedlichste Panflöten aus Kolumbien, Thailand oder Indonesien. Da seine Wurzeln auf dem Balkan liegen, spielt er auch in ungeraden Takten. Unüblich für Deutschland – und deshalb umso spannender. Wer sich auf das Experiment einlässt, der bereut es nicht. Ein außergewöhnlicher Abend mit einem außergewöhnlichen Künstler.

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