Lampertheim

Senioren Inge Stenzel kommt alle zwei Wochen ins Bonhoeffer-Haus, um mit den Bewohnern Aquarelle zu malen

Passende Schatten für die Rose

Lampertheim.Manche Amateurkunstmaler tun sich schwer, Aquarelle zu malen. Das sei viel zu schwer, denn Aquarellfarbe sei unberechenbar, so ihre Meinung. Und deshalb greifen sie lieber zu einem anderen Medium. Doch die Lampertheimer Künstlerin Ilse Stenzel findet gerade das Malen mit Aquarellfarben äußerst reizvoll. Die Malerin schätzt die Vorzüge der Aquarellarben, weil sie transparent, frisch und strahlend sind. Vor allem für bestimmte Motive, wie Landschaften, Blumen und Tiere sei die Farbe das ideale Medium. Ihre Leidenschaft teilt die Malerin mit Bewohnern des Agaplesion-Seniorenzentrums Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Alle 14 Tage kommt Stenzel zum Malen in den Gemeinschaftsraum. Mitarbeiterinnen vom Betreuungsteam helfen ihr. „Das Beschäftigungsprogramm wird sehr gut angenommen“, freut sich Betreuerin Bianca Hein, während Stenzel die verschiedenen Malutensilien auf den Tischen verteilt: Wassergläser, Pinsel und Farbkästen. „Die Materialien hat das Seniorenzentrum angeschafft“, erklärt Stenzel. Acht Teilnehmer sitzen an den Tischen, die zusammengestellt eine große Arbeitsfläche bieten.

Beherzt gehen die Seniorinnen ans Werk und malen freihand. Nur gelegentlich zeichnet Stenzel die Konturen eines Motivs vor und bietet beim Malen ihre Hilfe an. Doch viel Unterstützung benötigen die Bewohner nicht. Sie tauchen den Pinsel ins Wasser, feuchten die Farbe ihrer Wahl in den Farbkästen an und tragen sie geschickt auf das Zeichenpapier auf. Sehr schöne Aquarelle entstehen. Stenzel spart nicht mit Lob.

Die Lampertheimer Kunstmalerin hat zahlreiche Motive ausgedruckt, die als Malvorlage dienen. Maria Heckele möchte Blumen malen und entscheidet sich für ein Arrangement aus Klatschmohn. Hildegard König sucht sich als Bildthema einen heimischen Singvogel, eine Meise, aus. Und Bianca Hahn malt an ihrer roten Rose weiter, die sie in der vorhergehenden Malstunde angefangen hatte. Mit dem Innenleben der Rose beginnend, arbeitet sich die Bewohnerin nach außen vor. Ilse Stenzel hilft, als die Rose mit Schattierungen versehen werden soll. „Wir mischen zusammen die Farben, um verschiedene Rottöne zu erreichen, damit die Schatten herausgearbeitet werden können“, so Stenzel.

Die Malenden arbeiten still und konzentriert und es ist nicht zu übersehen, dass sie Freude daran haben. „Das klappt ja wie am Schnürchen“, sagt Betreuerin Claudia Kirchenschläger zu einem Senior, der einen Aquarell-Hintergrund in verschiedenen Farben malt. Den Vordergrund bildet später ein Segelboot. Ihre Kollegin Ivonne Breunig hilft einem anderen Bewohner bei der Auswahl der Farbtöne.

Erinnerungen werden wach

Auch ein junger Maler sitzt mit am Tisch: Brian, der Sohn einer Mitarbeiterin, ist zehn Jahre jung. Er hat ein maritimes Motiv mit Leuchtturm ausgewählt. „Ich finde es toll, wenn die ältere und die jüngere Generation zusammen malen“, freut sich Stenzel. Während sie von einem Teilnehmer zum nächsten geht, erfährt sie, dass die Themen der Bilder Erinnerungen bei den Senioren wachrufen, zum Beispiel an Urlaube.

Am Schluss der Malstunde tauschen sich die 80- bis 90-Jährigen über ihre Werke aus. Wer von ihnen möchte, kann seins ausstellen. Im Flur, gleich neben der Cafeteria, sind bereits einige Malereien zu sehen.

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