Lampertheim

Gesundheit Facharzt und Diabetes-Assistentin halten im Dietrich-Bonhoeffer-Haus Vortrag über Diabetes im Alter

„Patienten können selbst viel tun“

Lampertheim.Im Agaplesion Dietrich-Bonhoeffer-Haus gibt es regelmäßig für Angehörige, Personal und alle Interessierten Vorträge zu den Themen Gesundheit, Pflege und Vorsorge. Den Auftakt der diesjährigen Reihe machte ein Vortrag von Günter Weidenauer, Allgemeinmediziner und Diabetologe in Lampertheim zum Thema „Diabetes im Alter – das Spannungsfeld zwischen Behandlung und Mitwirkung der Patienten“. Für die erkrankte Diabetesberaterin Nadine Selzer sprang Gitte Weidenauer, Diabetesassistentin im Ruhestand, ein.

Der Themenabend zog zahlreiche Besucher an und einige outeten sich als Diabetiker mit Diabetes mellitus Typ 1 (absoluter Insulinmangel durch verschiedene Ursachen) oder mit Diabetes mellitus Typ 2 (Störung der Insulinsekretion und Insulinresistenz). Die Betroffenen nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, persönliche Probleme aufzuzeigen sowie Erfahrungen mitzuteilen.

Lebensqualität erhalten

Weidenauer stellte heraus, dass Diabetes als Volkskrankheit bewertet werde. Auch der Diabetes bei älteren Menschen sei ernst zu nehmen und müsse richtig behandelt werden, um Schäden abzuwenden. Vor allem sei eine Unterzuckerung bei Patienten, die mit blutzuckersenkenden Tabletten oder Insulin behandelt werden, zu vermeiden und auch das Zusammenwirken von Medikamenten müsse kontrolliert werden. Dennoch stehe bei diesen Patienten das Wohlbefinden und der Erhalt der Lebensqualität im Vordergrund. Nicht immer seien die Laborwerte das Wichtigste. „Wir müssen den Menschen global sehen und auch auf andere Krankheiten schauen“, betonte Weidenauer.

Der behandelnde Arzt sollte sich zu Beginn nach dem Befinden des Patienten erkundigen. Diabetes mellitus schädige nicht nur die Augen, die Nieren und die Nerven, sondern beeinträchtige auch die Zahngesundheit. Auch Lernfähigkeit und Feinmotorik ließen nach. Weiterhin stelle die Therapie bei Menschen im höheren Lebensalter die Ärzte immer wieder vor besondere Aufgaben. So dürfe der Patient nicht überfordert und die Medikation müsse verständlich erklärt werden.

Eine große Gefahr sei die Unterzuckerung (Hypoglykämie). Ältere Menschen seien davon häufiger betroffen und manche merkten die Symptome nicht. Die Zeichen einer Unterzuckerung seien beispielsweise plötzlicher Schweißausbruch, Blässe und Wesensveränderungen. Eine Unterzuckerung könne durch vermehrte Bewegung, zu wenig Kohlenhydrate, Alkohol oder zu viel gespritztes Insulin ausgelöst werden. Wenn die Anzeichen bemerkt werden, sollte sofort gegessen und erst dann die Blutzuckerwerte überprüft werden- Eine schnelle Hilfe lieferten Kohlehydrate wie in Fruchtsäften oder Cola.

Diabetiker könnten selbst viel für ihre Gesundheit tun, bekräftigte Gitte Weidenauer. So sollten die Patienten ihre Füße sorgfältig auf Veränderungen kontrollieren und mit einer sanften Methode pflegen. Grobe Behandlungen verursachten Verletzungen, die bei Diabetikern schlecht heilten. Außerdem riet sie zu bequemen Schuhen, damit keine Druckstellen entstünden. roi

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