Lampertheim

Ernte Landwirten macht extreme Hitze zu schaffen

Pflanzen verbrennen regelrecht auf dem Feld

Archivartikel

Lampertheim.Die Sonne knallt unbarmherzig vom Himmel. Für diejenigen Menschen, die im Freien arbeiten, sind die Backofen-Temperaturen fast unerträglich. Als Erstes fallen einem Landwirte und ihre Erntehelfer aber die städtischen Gärtner ein. „Für die städtischen Mitarbeiter ist es möglich, früher anzufangen“, sagt Astrid Tippelt vom Fachbereich Technische Betriebsdienste. Sie fügt hinzu: „Wasser und Sonnenschutzcreme werden gestellt.“

Auch bei den Landwirten gibt es kein hitzefrei, außerdem muss die Ernte eingefahren werden. Auf Äckern gibt es keinen Schatten, unter dem die Feldarbeiter Schutz finden können. Um die Schufterei bei hohen Temperaturen erträglicher zu gestalten, werden zunehmend die Arbeitszeiten auf die frühen Morgenstunden und den Abend verlagert.

Weil besonders in der Mittagszeit die Arbeit zur Qual wird, legen die Feldarbeiter – laut Aussagen der Bauern – eine verlängerte Siesta ein. „Die Gesundheit der Erntehelfer ist uns sehr wichtig“, sagt der Vorsitzende des Bauernverbands Lampertheim, Gerd Knecht. Sie sollen keine Kreislaufprobleme oder andere Hitzeerkrankungen bekommen. Außerdem arbeiteten Erntehelfer unkonzentriert und unproduktiv, wenn sie unter der Hitze leiden. „Wir stellen den rumänischen Erntehelfern palettenweise Mineralwasser zur Verfügung, bieten Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor an, empfehlen Kopfbedeckungen und achten auf abwechslungsreiche Mahlzeiten sowie die Zufuhr von Vitaminen und Mineralien“, sagt der Landwirt. So wolle man eine gesundheitliche Gefährdung der Helfer vermeiden.

Der Landwirt Rigo Strauß bietet Erntehelfern leichte, dicht gewebte, T-Shirts aus Baumwolle an. Die Kleidungsstücke sollen vor den gesundheitsschädlichen UV-Strahlen schützen, sagt er.

Schäden durch die Trockenheit

Die Ernte lässt sich nicht verschieben. Denn die verschiedenen Gemüsesorten sind reif und müssen vom Feld, trotz der tropischen Temperaturen. Schließlich soll das Grünzeug mit möglichst guter Qualität eingeholt werden. Und die Ernte ist eben mit viel körperlicher Arbeit verbunden. Hitze und Trockenheit birgt indes nicht nur Risiken für den Menschen. Auch den Kulturen auf den Feldern mache die Trockenheit zu schaffen. „Bohnen reagieren darauf und schmeißen Blüten ab.

Deshalb kommt es zu weniger Fruchtbildung und letztendlich zu weniger Ertrag“, beschreibt Knecht das Problem. Immerhin, die Aufbereitung des Erntegutes geht in der Halle des Landwirts vonstatten. Dort sei es für die Erntehelfer besser auszuhalten. „Bei der extremen Hitze verbrennen die Pflanzen regelrecht auf dem Feld. Wir hatten gestern rund 40 Grad Außentemperatur“, sagt auch Landwirt Karl-Heinz Schmidt. Der sandige Boden reflektiere die Sonnenstrahlen. Dadurch steige die Bodentemperatur auf ungefähr 50 Grad an. Die Blätter der Pflanzen, etwa Rüben und Kartoffeln, bekämen die geballte Kraft der Sonne zu spüren. Die Sonnenstrahlen entziehen den Pflanzen die Feuchtigkeit, sie fallen zusammen und vertrocknen.

Auch die Stangenbohnen reagieren auf die lange Dürre, sie werfen Blüten und Blätter ab, sagt Schmidt. „Selbstverständlich wird beregnet, aber das Wasser verdunstet schnell wieder“, fügt er hinzu. Die von den Meteorologen angekündigten Gewitter ließen zwar auf Regen hoffen. Gehe dieser aber mit Unwetter einher, dann würden oftmals auch Hagel- und Sturmschäden auftreten.

„Auf alle Fälle hat die Trockenheit gravierende Folgen und verursacht große Ernteverluste. Die Schäden können noch nicht beziffert werden“, sagt der Landwirt. Wie die Erntehelfer bei Gerd Knecht, so legen auch Schmidts Helfer aus Polen und Rumänien eine längere Mittagspause ein. Man erinnere die Helfer daran, viel zu trinken und eine Mütze aufzusetzen. Auch Sonnenschutzcreme sollen sie aufzutragen. Geerntet werde am frühen Morgen, beispielsweise Buschbohnen, die dann in der Halle sortiert werden. Risiken durch zu hohe Temperaturen und UV-Strahlung gebe es dort nicht.

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