Lampertheim

Gedenken Anton Schmitt stellt das Thema Sterben in den Fokus

Philosoph auf den Spuren Alfred Delps

Lampertheim.Sich dem Menschen Alfred Delp und seinem Wirken auf philosophische Art zu nähern, versprach ein Vortrag von Anton Schmitt, Philosoph, bekannt durch seine Vortragsreihen bei der VHS. Gleichzeitig band Schmitt Themen wie Kritik an der Erinnerungskultur, das Sterben, Buddha und Sokrates in seinen Vortrag ein. Er wolle hauptsächlich das Verhältnis Delps zum Tod in den Fokus rücken, kündigte er an.

Im Vordergrund stand zunächst Schmitts erste Berührung mit Alfred Delps Buch „Im Angesicht des Todes“ – ein Geschenk zur Erstkommunion. Gelesen habe er es zunächst nicht, aber der Titel habe ihn sofort beeindruckt und sein Interesse geweckt, erinnerte sich Schmitt.

Den Briefwechsel Delps mit einem Mitbruder über das Thema Tod aus dem Jahre 1939 nahm Schmitt als Grundlage für seine Ausführungen. Allgemein beklage Delp in seinen Aufzeichnungen, dass der Mensch dazu neigt, sich nicht mit dem natürlichen Ende jedes Lebewesen näher zu befassen.

Erst wenn das Schicksal zuschlägt, lerne er, wieder über die eigenen Probleme hinaus zu sehen und im Angesicht des Todes festzustellen, dass man gar nicht so gelebt hat, wie man es eigentlich wollte. „Die meisten Menschen sind auf der Flucht vor ihrem Tode“, schreibt Delp und plädiert dafür, die Fährnisse des Lebens anzunehmen statt alle Schwierigkeiten stets vermeiden zu wollen.

Kritik an Gedenkkultur

Gleichzeitig akzeptiert der Pater, dass jeder Todesangst hat, obwohl doch den Gläubigen im Himmelreich ein besseres Leben nach dem Tode erwarte. Nach philosophischen Gedanken von Buddha und Sokrates über den Tod kam Anton Schmitt zum zweiten Teil seines Vortrags, der Kritik an der Erinnerungskultur. So verlas er auch Kritik an der „institutionalisierten Gedenkkultur“ am Beispiel von Ausschwitz oder Dachaus aus den Niederschriften von Historikern oder unmittelbar betroffenen Zeitzeugen. So habe unter anderem der ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, geäußert, dass die Dimension der Verbrechen verhindere, dass sie im individuellen oder kollektiven Bewusstsein der Deutschen integriert würden.

Zuhörer am Ende etwas ratlos

Weitere Textbeiträge befassten sich mit der Bedeutung von Gedenkstätten, Gedenktagen und Gedenkreden. Schmitt erwähnte in diesem Zusammenhang den Schriftsteller Martin Walser, der sinngemäß gesagt hatte, eine immer wiederkehrende Feststellung der Schande führe letztendlich zum Wegschauen.

Die Zuhörer blieben am Ende des Vortrags etwas ratlos zurück. Auf die von den Zuhörern gestellte Frage, wie man denn nun gedenken solle, um den Toten gerecht zu werden, gab es keine allgemeingültige Antwort. Schmitt lud die Zuhörer anschließend zu einem gemeinsamen Besuch der Ausstellung in der Alfred-Delp-Kapelle ein, um dort die Gedanken zu Delp zu vertiefen. sto

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