Lampertheim

Umwelt Naturschützer und Bauern üben gemeinsam Kritik

Photovoltaik auf Äckern „sinnfrei“

Archivartikel

Lampertheim.So sehr die Landesverbände des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (Bund) und des Naturschutzbundes (Nabu) den Ausbau der Photovoltaik als unverzichtbar für eine Energiewende halten, so kritisch stehen sie dem Bau solcher Anlagen auf Ackerflächen gegenüber. Dies schreibt Herwig Winter, Kreisvorstandssprecher des Bund Bergstraße. Er beruft sich dabei auf Regionalbauernverbandsvorsitzenden Willi Billau, der betont habe: „Wir haben im Ried die wertvollsten Böden. Ausgerechnet auf diesen Flächen Strom statt Nahrungsmittel zu produzieren, ist sinnfrei.“

In den Riedkommunen gibt es laut Winter hektarweise Dachflächen von Industrie- und Gewerbebauten, die bislang nicht mit Photovoltaik bestückt seien. Für Landwirte und Naturschützer sei es unbegreiflich, dass bei der Planung von Photovoltaik nicht auf diese bereits versiegelten und damit dem Naturschutz und der Landwirtschaft entzogenen Flächen zurückgegriffen werde.

Verärgerung über Bürstadt

Stellvertretender Bund-Landesvorsitzender Guido Carl merkt hierzu an: „Gerade erst hat Bürstadt das Baurecht für gigantische Logistikhallen geschaffen. Was ist bloß in den Köpfen der Stadtverordneten und der Bürgermeisterin der selbst ernannten ‚Sonnenstadt‘ vorgegangen, dass sie es versäumt haben, Photovoltaik auf den Dächern im Bebauungsplan festzulegen?“ Bund und Nabu sähen zusätzlich Probleme mit dem Artenschutz. Laut Nabu-Landesvorsitzendem Gerhard Eppler würden die größten Artenverluste bundesweit im Bereich der Agrarflächen verzeichnet.

An der Förderung der Photovoltaik üben der Regionalbauernverband (RBV) Starkenburg und die Naturschützer ebenfalls Kritik. Das vorgeschriebene Ausschreibungsverfahren lasse nur die günstigsten Anbieter zum Zuge kommen und ignoriere damit die Tatsache, dass die Errichtung von Photovoltaik auf Dachflächen oder über Parkplätzen von Supermärkten mit höheren Investitionskosten verbunden seien.

Förderrichtlinien bemängelt

So komme es, dass für Investoren selbst bestes Ackerland interessant sei, um dort Photovoltaikanlagen zu errichten. Bund, Nabu und RBV fordern deshalb eine rasche Änderung der Förderrichtlinien. Willi Billau: „Es kann doch nicht sein, dass erst Logistikhallen auf den Acker gepflastert werden und dann nebendran die Ackerfläche mit Photovoltaik zugebaut wird, anstatt sie auf den Hallendächern zu installieren.“ red

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