Lampertheim

Kerweredd Bei Steffen Götz kriegen nicht nur Politiker ihr Fett weg / Riesenandrang vor der „Krone“

Pointen zünden selbst im Regen

LAMPERTHEIM.Politiker, „Schnoogebekämpfer“, jugendliche Randalierer und sogar die Fans seines Lieblingsvereins – bei Steffen Götz kriegen sie alle ihr Fett weg. Dabei ließen sich der Kronen-Kerweborscht mit seinem Assistenten Andreas Kirsch und die zahlreichen Zuhörer vorm Gasthaus auch nicht vom Regen beirren und erhoben bei dessen Kerwerede fleißig die Krüge.

Das Kerwevolk „vumm Kroddeloch bis ins Gaaßenescht“ füllte die komplette Römerstraße aus. „De Käsch aus de Reemerstroß“, wie Götz seinen Kompagnon nennt, hängte den Kerwekranz von Benjamin „Blumme“-Schuster nach alter Sitte vor Lampertheims ältestem Gasthaus auf. Die Rede selbst schmetterte Götz aber diesmal „vun owwe“ aus dem Fenster, statt „vun de Laara“ an der Hauswand.

„Des Johr hott des Wedder alles eh bissl vaschowwe, drum blääk ich aus de Bauernstubb do owwe“, erklärte Götz seinem Publikum. In gewohnt scharfzüngiger Vers-Manier nahm der Kerweborscht kein Blatt vor den Mund. Statt eines Lokal-Rundumschlag knöpfte er sich aber besonders die große Politik und Randalierer in Lampertheim vor. Auch wenn er eigentlich nicht nur „schenne“ wollte – es sei halt „ôinisches bassiert uff unserm Planet“.

Streikende Kinder

„Manschmool kenntscht de disch amüsiern, als e mool denkscht de, du wärscht bleed“, so Götz. Dass sich etwa die Politiker von streikenden Kindern auf den Klimawandel aufmerksam machen lassen müssten, fand er nicht zum Lachen. „Die Kinner sin nit e mool kunfamiert, unn henn jetzt unser Bollidiigger iwwer die Erderwärmung informiert?“, fragte er. Neben der Bundeskanzlerin Angela Merkel bekamen auch die „Kaschber“ in Persona von „Reserve-Trump-Boris-Johnson“ und das Original weg.

Der Lehrer zeigte mit seiner Rede erneut klare politische Haltung. Dabei ging er die AfD scharf an, suchte die Schuld für deren Erstarken aber auch bei die „eddablierde“ Parteien. „Do gejt ma de Hut houch“, so Götz mit Blick auf die Wahlergebnisse in Sachsen und Brandenburg. Es reiche mittlerweile schon, ganz ohne Wahlprogramm anzutreten. Ärgern musste sich Götz in jüngster Vergangenheit auch über ein eigentlich erfreuliches Ereignis. „18 Jahre lang haben wir auf das Derby gewartet“, sagte er. Über die Randale und Tiermisshandlungen im Vorfeld des Fußballspiels zwischen dem SV Waldhof Mannheim und seinem Herzensverein, den „Roure Deiwel“ aus Kaiserslautern, sagte der Redner: „Des iss ma zu houch, ah des Derby is nix Ônneres wie e ôôfach Fußball-Schbeel“.

Lachen konnte Götz immerhin noch über die Schnakenplage in der Spargelstadt, bei anderen Themen könne er nur noch resignieren. Damit meinte der Kerweborscht die „Idiode“, welche das Spargelschälerdenkmal und die Jesus-Statue beschädigt hatten. „Denne iss jo gar nix meehr heilisch“, kommentierte er. Ein Blick auf die Lokalpolitik gab es dann aber doch noch – schließlich waren 2019 Bürgermeisterwahlen. Über die „starke Konkurrenz“ von Marco Steffan für den alten und neuen Bürgermeister meinte Götz: „Mit sôire Werbung hott’er gônz schee nôig’schwaat“. Zu Störmers Vorhaben, zu Ende zu bringen, was er angefangen habe, wünschte der Kerwerborscht viel Erfolg. ksm

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