Lampertheim

Gesundheit Lampertheimer SPD/FDP-Koalition will Versorgung der Patienten mit Hausarztpraxen sicherstellen

Politik: Ärztemangel vorbeugen

Archivartikel

Lampertheim.Die SPD/FDP-Koalition will die Ärzteversorgung in Lampertheim nun auch auf die Tagesordnung der Kommunalpolitik setzen. In einem Brief an den Vorsitzenden des Sozialausschusses, Robert Lenhardt, wollen die Koalitionäre das Thema im Sozialausschuss verankern.

Dort soll mit Vertretern des Gesundheitsnetzes der Lampertheimer Ärzteschaft (GALA) und des Kreises Bergstraße in absehbarer Zeit über die aktuelle Situation gesprochen werden. Auf der Grundlage dieser Debatte sollen mögliche Handlungsoptionen diskutiert werden, wie SPD-Fraktionschef Marius Schmidt auf Anfrage erläutert. "Wir wollen wissen", so eine Pressemitteilung der sozialliberalen Koalition, "wie die Versorgung mit Hausärzten und Fachärzten ist und wie sie sich entwickelt". So sei auch in Lampertheim und den Stadtteilen ein Trend zu beobachten, dass Hausarztpraxen schließen und keine Nachfolger finden. Diese Situation hat sich auch in einer von zwei Hausarztpraxen in Hofheim gezeigt.

SPD-Fraktionschef Schmidt weiß: Die Ausstattung von Stadt und Land mit Arztpraxen ist Sache der Kassenärztlichen Vereinigungen. Doch verfügten diese häufig nicht über den nötigen Blick für die sonstige infrastrukturelle Ausstattung, was beispielsweise die Anbindung von Arztpraxen durch öffentliche Verkehrsmittel betrifft. Hier könne die Politik helfend und beratend eingreifen, meint Schmidt. Dies besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: des Älterwerdens der Bevölkerung.

Den Ausschlag für die Koalitionsinitiative hat die Ankündigung des Kreises gegeben, die Ärzte- und Gesundheitsversorgung im kommenden Jahr kreisweit überprüfen zu lassen. Im Zuge dessen wollen die Vertreter von SPD und FDP auch die Situation in Lampertheim begutachten und gegebenenfalls Strategien diskutieren, um einem drohenden Ärztemangel vorzubeugen. Noch besteht hierfür kein Handlungsbedarf, weiß Schmidt. Doch inwieweit die Momentaufnahme auch in Zukunft gilt, sei fraglich.

Dass die Politik ihren Einfluss auf das Thema verstärken will, hat sich Schmidt zufolge im Ried bereits ganz konkret gezeigt. Etwa in der Diskussion, ob Biblis einen kommunalen Arzt anstellen solle. Oder in Bürstadt, wo die Förderung aktiver Kernbereiche auch um die Ärzteversorgung kreiste. Immer wieder würden die Kommunalpolitiker auch von Bürgern angesprochen, die sich um die Zuverlässigkeit des ambulanten Notdienstes sorgten oder sich über lange Wartezeiten bei Fachärzten beschwerten.

Sorgen ums nördliche Ried

Den Sozialdemokraten stimmt hoffnungsvoll, dass mit dem Lampertheimer Gesundheitsnetz, aber auch dem kreisweiten Weiterbildungsverbund zur Rekrutierung des hausärztlichen Nachwuchses bereits Strukturen entstanden sind, die das Thema Gesundheitsversorgung über die lokalen Grenzen hinaus getragen haben. Aus Kreisperspektive komme es jedoch darauf an, nicht nur den vorderen Odenwald in den Blick zu bekommen, sondern beispielsweise auch das nördliche Ried, wo die Karte mit Praxis-Standorten immer weißere Flecken bekomme.

Nicht zuletzt sei die Gesundheitsversorgung als Standortfaktor zu gewichten und trage auch deshalb politische Bedeutung, meint Marius Schmidt. Ihm käme es darauf an, die politische Diskussion mit den Vertretern des medizinischen Spektrums ebenso zu diskutieren wie diese Debatte auf interkommunaler Ebene zu führen.

Der Sprecher der Lampertheimer Hausärzte, Andreas Förster, reagiert auf Anfrage zurückhaltend auf die politische Initiative. Schließlich seien bereits kreisweit Initiativen auf den Weg gebracht worden, um dem drohenden Ärztemangel zu begegnen. Für die nächsten Jahre sieht Förster keine Versorgungslücken, zumindest nicht im westlichen Ried. Förster selbst bekommt ab Januar einen Nachfolger in seine Praxis und bleibt für eine Übergangszeit erst einmal mit an Bord.

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