Lampertheim

Energie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bundestagsabgeordneter Till Mansmann (FDP) beim Lokaltermin

Politiker wollen Anwohner vor Starkstrom schützen

Archivartikel

Lampertheim.Die Lampertheimer Interessengemeinschaft „Wir stehen unter Strom“ hat abermals für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Neben dem FDP-Bundestagsabgeordneten Till Mansmann hat sich am Montag auch die frischgebackene Bundesjustizministerin Christine Lambrecht die Lage vor Ort angesehen. Mit dem Besuch der beiden Mandatsträger dieses Wahlkreises ist es den Bürgervertretern gelungen, ihren Protest gegen den Ausbau der Stromtrasse durch Netzbetreiber Amprion auf eine hohe politische Ebene zu hieven.

In der Anne-Frank-Straße trafen beide Bundespolitiker nacheinander ein. Sie wurden begrüßt von Anwohnern jener Häuser, in deren unmittelbarer Nähe die Stromtrasse verläuft, auf der Amprion eine Hybridleitung mit Wechsel- und Gleichstrom verlegen möchte. Auch hatten sich Lampertheimer Kommunalpolitiker von SPD und FDP mit Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass an der Spitze zum Begrüßungskomitee versammelt.

Respekt für Bürger

Beide Politiker bezeugten den Vertreterinnen der Lampertheimer Interessengemeinschaft Respekt: „Bürgerschaftliches Engagement hat Erfolg“, meinte Lambrecht mit Blick auf den Einfluss, den die Anwohner auf den Beschluss im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss zugunsten von Trassen-Verschwenkungen (SHM vom 15. Juni) ausüben konnten. Sie selbst wolle sich für eine Überarbeitung der Gesetzeslage einsetzen – etwa auch in Kontakten mit den Umwelt- und Gesundheitspolitikern auf Bundesebene –, um Menschen vor den Auswirkungen von Starkstromleitungen besser zu schützen.

Lambrecht versprach gleichwohl nicht zu viel; das Beispiel ICE-Trasse mache denn auch deutlich, dass Bau- und Energieprojekte umfangreiche Abwägungsprozesse beanspruchten. Die Justizministerin zeigte sich eher skeptisch, dass sich das bayerische Modell – neue Stromleitungen in die Erde zu verlegen – auf Bundesebene realisieren ließe.

Dies ist freilich die Zielforderung der Lampertheimer Bürgerinitiative. Für die Anwohner ist der bislang erreichte Konsens, eine Verschwenkung der neuen Stromleitung um 200 Meter von Wohngebieten entfernt, lediglich ein Kompromiss. Das Lampertheimer FDP-Fraktionsmitglied Helmut Hummel wies vor Ort auf Bemühungen der hessischen Landesregierung im Einvernehmen mit den Bewohnern der Taunus-Gemeinde Niedernhausen hin, sämtliche Stromtrassen aus den Wohngebieten in die Außenbereiche zu verlegen. „Warum nicht auch bei uns?“, fragte Hummel in die Runde.

Till Mansmann bekannte unterdessen, er halte den Transport der Windenergie vom Norden in den Süden grundsätzlich für eine energiepolitische Fehlentscheidung. Es fehlten vor allem Speichervorrichtungen. Der Liberale hatte am Morgen nach eigenem Bekunden mit dem Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer über das Stromprojekt gesprochen.

Nach seiner Auffassung muss die Politik den Anwohnern, die im Rosenstock gebaut haben, ohne von den Ausbauplänen durch Amprion gewusst zu haben, entgegenkommen. Die Region sei mit Verkehrsinfrastruktur extrem belastet, zugleich sei sie von einer hohen Wirtschaftsleistung gekennzeichnet. Grund genug, um in die Lebensqualität der hier lebenden und arbeitenden Menschen zu investieren, etwa indem diese von schädlichen Folgen dieser Wirtschaftsentwicklung entlastet würden.

Mensch hat Vorrang

Mansmann stimmte den Anwohnern zu, dass der Mensch Vorrang vor anderen Schutzgütern haben müsse. Dazu gehörten auch die Immobilien, die die Bürger im guten Glauben erworben hätten, in einer gesundheitlich unbedenklichen Gegend zu wohnen. Mansmann, der im Bundesausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit aktiv ist, sieht vor allem im Zusammenschluss der Abgeordneten des Bergsträßer Wahlkreises ein lohnenswertes Ziel, um den Interessen der Lampertheimer Anwohner entgegenzukommen.

Beim Lokaltermin vereinbarten Mansmann und Lambrecht, in Sachen Strom gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Meister an einem Strang zu ziehen. Der Bergsträßer SPD-Chef Marius Schmidt verwies am Rande des Lokaltermins auf die Willensbekundung des Kreistages, Stromleitungen künftig unter die Erde zu verlegen. Diesbezüglich wollten sich auch die SPD-Ortsvereine Lampertheim und Bensheim mit einem Antrag einbringen.

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