Lampertheim

Landwirtschaft Lampertheimer Betriebe fürchten um Existenz

Preiskampf macht die Bauern mürbe

Lampertheim.Manche Landwirte in der Stadt fühlen sich um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Unter anderen verlangen sie faire Preise für ihre Nahrungsmittel. Aufgrund von Dumpingpreisen werde der Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe immer größer, argumentieren die Bauern. „Will ich ein Erzeugnis wie Zwiebeln an einen Händler oder Großabnehmer verkaufen, so gibt dieser den Preis vor“, sagt Gerd Knecht, Vorsitzender des Bauernverbandes Lampertheim.

Gnadenloser Preisdruck

Oftmals werde der Verkaufspreis gedrückt, den Landwirten entstünden Einnahmeverluste. „Diese Preisgestaltung ist brutal“, sagt auch Landwirt Rigo Strauß. Die Abnehmer drückten die Preise landwirtschaftlicher Produkte gnadenlos. Weil der Handel die Erzeuger nicht angemessen honoriere, mache die Arbeit in der Landwirtschaft keinen Spaß mehr.

Viele Bauern könnten nicht mehr kostendeckend produzieren. Daher komme es bei den Landwirten zur Existenznot. „Und das Betriebssterben geht weiter“, fürchtet Rigo Strauß. „Zwiebeln sind mein Paradeprodukt“, sagt er. Doch der Handel gehe nach dem Prinzip des niedrigsten Preises. Den Großhandel interessiere dabei nicht die Regionalität und kaufe holländische Zwiebeln ein. „Auch manche Verbraucher achten nicht auf regionale Erzeugnisse. Hauptsache billig ist ihre Devise“, sagt Strauß. Das führe letztendlich dazu, dass Bauern nicht mehr genügend Geld einnehmen könnten, um ihre Betriebe aufrecht zu erhalten.

Finanziell besser sehe es aus, wenn Knecht seine Hausmacher Wurst im Hoflädchen anbiete, als Frischware oder in der Konserve. Die Kunden wüssten Bescheid, wann Schlachttag ist. Dann seien die Verbraucher auf dem Hof, kauften und bezahlten fair. „In der Fastnachtszeit geht das Geschäft sowieso schlecht“, hat Knecht beobachtet. Er vermutet, dass viele Fastnachtsfans auf Veranstaltungen seien und deshalb keine Zeit zum Kochen hätten. Verbraucherin Doris Ehrhardt gibt an, ihr Obst und Gemüse fast immer beim Bauern direkt in der Nähe einzukaufen. „Die Bauern leben von dem Verkauf ihrer Ernte und ich möchte mich bewusst und regional ernähren. Außerdem erhalte ich beim Erzeuger auch einzeln Karotten und Kartoffeln“, sagt Erhardt.

Die Qualität der Produkte sei bestens und nicht zu teuer. Obendrein verzichteten die Hofläden auf Kunststoffverpackungen. Manchmal hole sie sich Maishähnchen oder -schlägel auf dem Wochenmarkt. Dafür müsse sie tiefer in die Tasche greifen. „Ganz sicher werde ich kein Billigfleisch im Supermarkt kaufen, hinter dem ich Massentierhaltung und Tierquälerei vermute“, betont die Seniorin. Dass Deutschland ein Billigland für Lebensmittel sei, findet Ehrhardt nicht. Auch Elke Eichenauer kauft meistens Obst und Gemüse beim Erzeuger oder beim Gemüsehändler. „Allerdings ist ein Kilogramm Schweinefleisch für 2,99 Euro viel zu billig und wird weder dem Tier noch dem Bauern gerecht“, sagt Eichenauer.

Die Grenzen des Budgets

Auf der anderen Seite steht aber auch die Frage, wie viel Geld die Menschen ausgeben können. Nicht jeder kann mehr Geld für Lebensmittel ausgeben. So richtet sich beispielsweise Irmgard Burchardt gezielt nach den Preisen. Fleisch kauft sie beim Metzger aber auch in einem Supermarkt mit Fleischtheke. Die Herkunftsgarantie und die Qualität sind ihr wichtig, wie sie sagt. Obst und Gemüse kauft sie im Geschäft oder beim Bauern direkt. „Uns steht für Lebensmittel ein bestimmtes Budget zur Verfügung, mit dem die Familie haushalten muss“, sagt Irmgard Burchardt. Deshalb greife sie auch gerne mal zu Angeboten.

„Ich habe eine Mobilitätseinschränkung und deshalb fällt mir das Einkaufen schwer“, sagt eine Seniorin. Die Lampertheimerin bestellt ihre Waren online bei einem Bauern im benachbarten Kirschgartshausen. Der Service sei super und die Qualität von Eiern, Obst und Gemüse auch. Der Preis sei höher als im Geschäft. „Aber das Geld gebe ich gerne aus“, sagt sie.

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