Lampertheim

Reformprozess Evangelisches Dekanat Ried feiert Abschied im Dom / Lampertheimer Gemeinden gehören ab 2019 zum Dekanat Bergstraße

Pröpstin: „Die Kirche ist eine ewige Baustelle“

Archivartikel

Lampertheim.Für das Dekanat Ried wird es langsam ernst, die Auflösung zum Jahresende steht kurz bevor. In der Lampertheimer Domkirche zelebrierten die 20 Ried-Gemeinden am Sonntagabend noch einmal gemeinsam einen feierlichen Gottesdienst. Beim anschließenden Abschiedsfest in der Notkirche sagten sich Synodale, Pfarrer und Gemeindemitarbeiter Lebewohl. Die emotionale Feier machte deutlich: Für die Betroffenen ist es kein reiner Verwaltungsakt. Vielmehr hieß es Abschied nehmen von jahrelangen Kollegen, gewachsenen Strukturen und Identitätsgefühlen.

Die Zerschlagung des Ried Dekanats in ihrer Mitte ist Teil des Reformprozesses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der im Jahr 2000 begonnen hat. Die Zahl der Dekanate war zunächst von 65 auf 47 geschrumpft, am Ende der Dekanatsneuordnung in größere Gebiete sollen 25 übrig sein. Ab Januar 2019 wird der südliche Teil des Dekanats Ried mit zehn Gemeinden von Lampertheim bis Groß-Rohrheim in das Dekanat Bergstraße eingegliedert, der nördliche Teil kommt zum Dekanat Groß-Gerau/Rüsselsheim. Damit sollen die Dekanatsgrenzen auch mehr an die Landeskreisgrenzen angeglichen werden, um den Verwaltungsaufwand etwa in schulischen Angelegenheiten zu verringern und Kräfte zu bündeln.

Leitung in Heppenheim

Die Dekanatsleitung sitzt künftig in Heppenheim anstatt wie bisher in Gernsheim. Mit den rund 18 000 neuen Gemeindemitgliedern umfasst das Dekanat Bergstraße ab kommendem Jahr 44 Kirchengemeinden mit rund 85 000 Mitgliedern. Die größte Gemeinde ist die Lampertheimer Lukasgemeinde mit ihrer Domkirche. Die bisherigen hauptamtlich Beschäftigten sollen ihre Posten behalten und auf die Dekanate verteilt werden, die Spitze mit Dekan und Präses löst sich dagegen auf.

Dass es sich bei der Neuordnung nicht nur um Veränderungen am grünen Tisch handelt, wurde schnell klar. Wehmut machte sich unter den zahlreichen Besuchern und den Pfarrern der Riedgemeinden breit, die den Gottesdienst mit Abendmahl gemeinsam gestalteten. Auch der scheidende Dekan Karl Hans Geil richtete Worte an die Gemeinden. Musikalisch begleitete die Dekanatskantorei unter der Leitung von Heike Ittmann und ihrer Kollegin Gunhild Streit. So nahmen die Besucher mit einem viergeteilten Kanon „Anfang und Ende“ voneinander Abschied.

Im Mittelpunkt der Feier stand die Predigt von Pröpstin Karin Held. „Ecclesia semper reformanda – die Kirche muss sich immer reformieren“, richtete sie die bekannten lateinischen Worte an die Gemeinden. „Die Kirche ist eine ewige Baustelle, sie kann nicht stehen bleiben, nicht an verkrusteten Strukturen klammern“, so die Pröpstin weiter. Neuordnungen seien in den vergangenen Jahrhunderten oft vorgekommen. „Menschen kommen und gehen, bekleiden Ämter und werden entpflichtet. Am Ende sind es die Erinnerungen und der gemeinsame Glaube, die uns immer verbinden“, verkündete sie.

Zwischen Trauer und Optimismus

Beim Abschied gehe es stets um einen Neubeginn, auch wenn es sich bei der Auflösung um eine historische Trennung handle. Denn die Auflösung und Trennung eines Dekanats sei auch im Reformprozess eine Seltenheit. „Aber Abschied nehmen ist ein Lebensthema. Wir müssen uns immer wieder verabschieden, mal optimistisch, mal voller Trauer und Wehmut. Auch die Bibel lehrt Lebewohl sagen, schon Adam und Eva mussten Abschied vom Paradies nehmen“, so Held.

Und so war es bei der Abschiedsfeier in der Notkirche auch für die Verantwortlichen der Ried-Gemeinden an der Zeit, sich mit Gottes Segen Lebewohl zu sagen.

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