Lampertheim

Gesundheit Vitos eröffnet neue Tagesklinik und Ambulanz in der Emilienstraße offiziell / Schon seit Januar in Betrieb / Bereits 100 Patienten versorgt

Psychiatrische Behandlung im Herzen der Stadt

Archivartikel

Lampertheim.„Werde, der du bist!“ Dieser Satz des griechischen Dichters Pindar, auf den sich der Philosoph Friedrich Nietzsche in seinen Werken wiederholt berufen hat, beschreibe das Ziel allen therapeutischen Handelns wie keine andere Aussage, sagte Thomas Rechlin, Ärztlicher Direktor der Vitos-Klinik Heppenheim am Donnerstag anlässlich der offiziellen Eröffnung der psychiatrischen Tagesklinik und der Institutsambulanz in Lampertheim. Schließlich sei es Wunsch und Ziel aller Mitarbeiter und Verantwortlichen des Vitos-Konzerns, den Patienten zu helfen, ihre psychische Erkrankung in den Griff zu bekommen und ihr Leben selbstständig und selbstbestimmt führen zu können – eben der zu sein, der man ist.

Zunehmende Akzeptanz

„Wir behandeln keine Krankheiten, sondern kranke Menschen“, machte Rechlin die besondere Stellung der Psychiatrie innerhalb der Medizin deutlich. Der drittgrößte Fachbereich befasse sich damit, psychische Störungen zu erkennen und zu behandeln. Dies sei lange Zeit nicht unumstritten gewesen, und eine Reform der Psychiatrie sei auch heute noch nicht abgeschlossen, so Rechlin. Doch das Interesse an der Psyche und ihren Erkrankungen sowie die Akzeptanz in der Gesellschaft steige, und mit neuen Medikamenten seien andere Behandlungsformen möglich. Psychiatrische Behandlung sei nicht länger an ein Krankenbett gebunden. Deswegen sei es gut und richtig, Patienten eine ambulante Behandlung anzubieten.

Dass das Konzept, Patienten mit einem strukturierten Programm in der Tagesklinik behandeln zu können, ohne sie stationär aufnehmen zu müssen, sich weiter verbreite, sei „großartig“, lobte Susanne Selbert, Direktorin des Landeswohlfahrtsverbands Hessen und Aufsichtsratsvorsitzende der Vitos GmbH. Die psychischen Belastungen seien in den vergangenen Jahren überproportional gestiegen, und immer mehr Menschen bräuchten Hilfe und Unterstützung, das zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, so Selbert. Es sei schön, dass Frauen und Männer am Ende ihres Behandlungstages in der Klinik zu ihren Familien und Freunden nach Hause gehen können und nicht für eine stationäre Behandlung für längere Zeit aus ihrem Umfeld heraus müssen. „Es ist gut, dass die Klinik hier in ein gesellschaftliches Umfeld eingebettet ist“, lobte sie den zentralen Standort in der Emilienstraße.

Dass dieser anfangs nicht unumstritten gewesen sei, daran erinnerte Jochen Schütz, neuer Geschäftsführer von Vitos Heppenheim. Doch es sei wichtig, ein solches Angebot gemeindenah zu haben. Er erinnerte auch daran, dass Lampertheim und das Ried in der Vergangenheit hinsichtlich der psychiatrischen Versorgung unterversorgt waren. Diese Lücke sei nun geschlossen worden.

Team aus zwölf Mitarbeitern

Die Tagesklinik und die Ambulanz haben ihre Arbeit in dem Neubau, in dem auch mehrere Wohnungen entstanden und schon längst bezogen sind, schon im Januar aufgenommen. Die Klinik verfügt über 18 Plätze, die laut Rechlin von Anfang an nahezu voll belegt waren. Seit dem Start seien schon knapp 100 Patienten behandelt worden. Sie bleiben in der Regel etwa sechs Wochen in der Tagesklinik. Dort und in der Ambulanz arbeiten zwölf Mitarbeiter – ein Team aus Ärzten, Psychologen, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Krankenpflegern und Arzthelferinnen. „Mögen die Patienten das Positive und das Leichte des Neuen, das hier zu spüren ist, ebenfalls wahrnehmen und mitnehmen“, wünschte Selbert.

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