Lampertheim

Corona Verwaltungen wollen Trauergruppen auf Friedhöfen und in Kapellen klein halten / Bestattungskalender des „Südhessen Morgen“ erscheint derzeit nicht

Rathäuser geben Bestattungstermine nicht bekannt

Archivartikel

Lampertheim/Südhessen.Weil sie die Zahl trauernder Menschen bei Beerdigungen auf den Friedhöfen und in den Friedhofskapellen pandemiebedingt möglichst klein halten wollen, veröffentlichen die Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Verbreitungsgebiet des „Südhessen Morgen“, von Viernheim bis Groß-Rohrheim, derzeit und bis auf Weiteres keine Bestattungstermine.

Dass viele Leser die Informationen vermissen, erfährt diese Redaktion regelmäßig – denn auf den jeweils zweiten Lokalseiten erscheint der gewohnte Bestattungskalender nicht mehr. Auch auf den kommunalen Internetseiten oder in den Schaukästen an den Friedhöfen sind keine Termine mehr veröffentlicht. Die Entscheidung der Rathäuser, von denen wir die Termine für Beerdigungen bisher bekamen, hat allerdings gute Gründe.

Wie Christian Pfeiffer, Pressesprecher der Stadt Lampertheim, erklärt, sei das oberste Ziel, die Zahl der Teilnehmer an einer Beisetzung durch Obergrenzen schon im Vorhinein klein zu halten, um die Infektionsgefahr durch das Coronavirus zu minimieren.

Hierbei hält sich die Lampertheimer Verwaltung wie auch die übrigen an den vorgegebenen Mindestabstand zwischen Personen von 1,5 Metern. So dürfen in die Kapelle des Waldfriedhofs maximal 63 Menschen, in der Stadtmitte sind es 18, in Hofheim 19, in Hüttenfeld 23 und in Rosengarten elf.

Neben dieser Abstandsregel bestehen laut Peter Jakob weitere, eher in der mangelnden praktischen Umsetzbarkeit zu suchende Gründe für die Beschränkung der Teilnehmerzahl. Jakob ist Leiter des Standesamts und der Friedhofsverwaltung in Bürstadt. Er sagt, den Bestattern sei auferlegt, für die Registrierung jedes einzelnen Teilnehmers zu sorgen. Die Menschen müssten sich mit Namen, Adresse und Telefonnummer in Listen eintragen – und das sei ab einer gewissen Anzahl nur sehr schwer zu bewerkstelligen, so Jakob.

Der Bürstädter hat aber auch einen Trend erkannt, der bereits vor der Pandemie eingesetzt habe: Der Veröffentlichung eines Bestattungstermins in der Presse müssen die Angehörigen der Verstorbenen schriftlich zustimmen. Und das wollten immer weniger Hinterbliebene.

In aller Stille

In der Friedhofskapelle in Bürstadt sind maximal 30 Personen zugelassen, in Bobstadt 20 und im Stadtteil Riedrode 16. Hier sieht Jakob eine weitere Problematik: „Einer muss entscheiden, wer rein darf und wer draußen bleibt.“ Alles in allem, ergänzt der Verwaltungsmann, „ist das eine sehr tragische Situation“.

Sein Kollege in Viernheim, Rainer Kempf von der Friedhofsverwaltung dort, sieht einen weiteren Trend: Immer mehr Beerdigungen fänden in aller Stille statt, bestimmt die Hälfte aller Beisetzungen, schätzt Kempf. Auch die Stadt Viernheim veröffentlicht keine Termine mehr. In die Trauerhalle dort dürfen höchstens 30 Personen. Biblis handhabt es wie die anderen Kommunen, wie der Homepage der Gemeinde zu entnehmen ist. Dort können 23 Teilnehmer in die Kapelle, im Ortsteil Wattenheim 16, in Nordheim ebenfalls 16. In die Kapelle in Groß-Rohrheim dürfen aktuell maximal 12 Menschen. Die meisten Trauerfeiern fänden aber ohnehin in der Kirche statt, weil die Kapelle sehr klein sei, erklärt Bürgermeister Rainer Bersch. In der Kirche sind derzeit 42 Besucher zugelassen.

Christian Pfeiffer, Lampertheims Pressesprecher, äußert Verständnis für die Menschen, die die ausbleibenden Informationen beklagen. Er sagt, sobald es zu weiteren Lockerungen der pandemiebedingten Regeln und Beschränkungen komme, werde sich die Stadtverwaltung natürlich bemühen, diese auch bei den Bestattungen zu berücksichtigen.

Unterdessen erreichen uns Berichte, wonach sich bei einer Trauerfeier im Großraum Schwäbisch Gmünd 47 Menschen mit dem Virus infiziert haben. Weitere Fälle werden befürchtet; an der Trauerfeier sollen mehr als 100 Menschen teilgenommen haben.

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