Lampertheim

Partei Die Linke und DGB diskutieren prekäre Arbeitsverhältnisse

Raupp: „Es braucht Druck von unten“

Archivartikel

LAMPERTHEIM.„Prekäre Arbeitsverhältnisse nennt man es heute, früher hieß es einfach Ausbeutung – und das ist es auch!“ Referent Horst Raupp fand bei der Diskussionsrunde der Linken am Donnerstagabend deutliche Worte. Der Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) war der Einladung der neu gegründeten Lampertheimer Ortsgruppe ins Alte Rathaus gefolgt. Rund zwei Monate nach ihrer Gründung traf sich die Partei zu ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung.

Die Lampertheimer Genossen sind nach Viernheim und Heppenheim erst die dritte Ortsgruppe im Linken-Kreisverband Bergstraße – und mit einem Altersdurchschnitt von knapp 24 Jahren wohl auch die Partei in der Spargelstadt mit den jüngsten Mitgliedern. Schon bei der Gründungsversammlung Anfang Februar hatte Vorsitzender Serdar Canoglu angekündigt, sich insbesondere für Arbeitnehmerinteressen einsetzen zu wollen. Gleich bei ihrer ersten Veranstaltung sprachen ein Dutzend Mitglieder und Besucher deshalb mit Gewerkschafter Horst Raupp über aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt – und sparten nicht mit Kritik.

Auch im Kreis viele befristete Jobs

Besonders der Zuwachs an sogenannter atypischer Beschäftigung – also Minijobs, Leiharbeit, Teilzeit- und befristeten Arbeitsverhältnissen – waren Referent und Kommunalpolitikern ein Dorn im Auge. Gewerkschafter Raupp präsentierte zunächst Daten aus einer Veröffentlichung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zur Arbeitsmarktentwicklung im Kreis Bergstraße zwischen 2003 und 2016.

Zwar habe es in diesem Zeitraum einen Zuwachs an Arbeitsplätzen gegeben, diese beschränkten sich aber ausschließlich auf Teilzeit oder geringfügige Beschäftigungen. „Die Vollzeitstellen blieben unverändert, gleichzeitig werden massiv Stellen auf Teilzeit oder 450 Euro-Basis verringert. Das ist das sogenannte Job-Wunder“, stellte er fest. Raupp kritisierte, dass mit 63 Prozent der Frauen heute sogar mehr in Teilzeit arbeiten würden als 2003. Oft könnten sie nach der Kindererziehung nicht wieder in Vollzeit zurückkehren und würden bei gleicher Ausbildung weniger verdienen als männliche Kollegen. „Eine Schande“ nannte das der DGB-Mann.

„Systematischer Missbrauch“

Auch für den Nachwuchs sieht Horst Raupp auf dem Arbeitsmarkt große Ungerechtigkeiten. Oft müssten sich junge Menschen von einem befristeten Vertrag zum anderen hangeln, hätten damit keine Planungssicherheit und kaum Perspektiven. „Die sachgrundlose Befristung muss abgeschafft werden“, forderte er.

Ihr Fett weg bekamen auch Leiharbeitsmodelle: Raupp klagte über „systematischen Missbrauch für Lohndumping“ durch viele Arbeitgeber. Es brauche einen grundlegenden Kurswechsel, war sich Raupp mit den Vertretern der Linkspartei einig.

„Wir leben in einem reichen Land, und trotzdem arbeiten viele in menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen“, konstatierte Raupp. Für Veränderungen brauche es aber „Druck von unten“ und Menschen an der Basis, die sich dafür einsetzen. „Wir müssen viel mehr in den Medien über diese Themen informieren, und zwar ungeschönt“, forderte ein Mitglied.

Der Ortsverband der Linken will künftig Wert auf Öffentlichkeitsarbeit und persönliche Gespräche legen, um mehr Menschen zum Widerstand gegen die aktuellen Arbeitsmarktentwicklungen zu mobilisieren.

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