Lampertheim

Fastnacht Stadtprinzessin Julia I. ist als Altenpflegerin täglich für andere Menschen da

Raus aus dem Abendkleid, rein ins Tanztrikot

Archivartikel

Lampertheim.Die Garde Modern des 1. Carneval Clubs Rot-Weiß (CCRW) 1956 Lampertheim ist eine coole Truppe. Sie probt unter der Leitung von Jesina Litters in der Sporthalle der Biedensandschule. Trotz anstrengender Trainingseinheiten haben die Tänzerinnen ihren Spaß dabei. Unter ihnen ist die Lampertheimer Stadtprinzessin Julia I. Sie zeigt sich hier ohne Glamour und hat für die Tanzprobe saloppe Trainingskleidung gewählt. Ihre langen Festkleider hängen bei ihr zu Hause im Schrank, wie sie sagt.

Zum nächsten offiziellen Narren-Auftritt, wenn sie Lampertheim und den CCRW repräsentiert, wird sie in ein Abendkleid schlüpfen. Denn das ist die formelle Kleidung einer Fastnachtsprinzessin.

Julia I. begeistert mit ihrem glamourösen Stil. Im Alltag ist sie eigentlich ein Hosen- und Sneaker-Typ, verrät Julia Doucette, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt. Doch der Eleganz und der Etikette wegen hat sie sich dann doch mit der Idee angefreundet, für die Kampagne als Stadtprinzessin lange Kleider zu tragen.

Schon zur Inthronisation faszinierte die 26 Jahre alte Frau. Dabei trug sie ein weißes, fließendes Kleid, das perfekt zu ihrem getönten Teint passte. „Die Hautfarbe habe ich von meinem amerikanischen Vater“, erzählt Julia. Ihr festliches Make-up zaubert die Bürstädterin Michaela Gündling, und ihre Haare stylt sie sich selbst. Sie ist eine junge Frau mit Ausstrahlung, und auch dieses Kriterium ist wichtig, denn eine Narren-Majestät sollte immer fröhlich wirken. Außerdem sollte es bei einer Prinzessin so aussehen, als würde sie mit Leichtigkeit alle Situationen meistern.

Höfische Regeln

Ihre Prinzessinnen-Begleiterinnen, Saskia Kern, Jesina Litters, Tatjana Bopp-Montag und Christine Herbold sowie Sitzungspräsident Markus Gutschalk helfen ihr dabei und versuchen, der Lieblichkeit jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Sie holen sie von ihrem Zuhause in Hofheim ab, behüten und verwöhnen sie. „Beispielsweise gehört es sich für eine Prinzessin nicht, dass sie die Tür selbst öffnet, dafür sind wir da“, erklärt Saskia Kern die höfischen Regeln.

„Diese Zuwendung ist für mich ungewohnt“, entgegnet Julia. Schließlich ist sie examinierte Altenpflegerin und täglich für andere Menschen im Einsatz. Ihr Beruf, die Betreuung und Pflege hilfsbedürftiger älterer Menschen, mache sie glücklich. Den Traum aller Mädchen, einmal Prinzessin zu sein, habe sie in Kindheitstagen allerdings nicht nachvollziehen können. „Zu Kinderfasching habe ich mich lieber als Piratin, Hexe oder Räubertochter verkleidet“, erzählt Julia I. mit einem Lachen.

Dennoch fühlt sie sich jetzt in ihrem närrischen Amt wohl und freut sich auf die Veranstaltungen des CCRW sowie auf die Besuche bei befreundeten Karnevalsvereinen oder närrischen Gremien, wie sie betont. Julia I. ist in Hofheim aufgewachsen. Seit acht Jahren gehört sie dem CCRW an und hat in der Funkengarde getanzt. Deshalb helfen ihr auch die Garde-Tänzerinnen, wo sie können. Von ihrer närrischen Funktion als Stadtprinzessin erwartet Julia, neue positive Erfahrungen sammeln zu können. Dass das Narrenamt auch für eine Stadtprinzessin anstrengend werden kann, weiß sie von ihrer Vorgängerin Janina I.

Funkelndes Diadem

Und auch wenn die Prunksitzung ihr zu Ehren veranstaltet wird, kann Julia I. nur im traditionellen Teil auf der Bühne thronen. In der zweiten Hälfte ist Show angesagt, dann tanzt sie in der Garde Modern. Dabei wird man sie vor allem an ihrem funkelnden Diadem erkennen.

„Die Probe geht weiter“, sagt Jesina Litters, und die Tänzerinnen stellen sich zu einer markanten Pose für ihren Tanz auf. Diese Körperhaltung hat etwas mit dem CCRW-Kampagnenmotto zu tun: „Ob Himmel, Hölle, Frau und Mann, Gegensätze ziehen sich an.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional